17.04.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Am 27.Mai Theater beim "cooltour-Sommer" Schmeller modern interpretiert

Für Tirschenreuths "cooltour-Sommer" geht das Moderne Theater ausgesprochen kreative Wege und lässt die Darsteller auf der Bühne improvisieren. Man darf gespannt sein.

Regisseur Manfred Grüssner und MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller besprechen vor dem Papp-Schmeller, der als Kulisse dient, die weiteren Probenabläufe.
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Von Ulla Britta Baumer

Ein Stuhl ist ein Stuhl. Denkt man. Ein Stuhl kann aber auch Ausdrucksform eines Theaters sein. Damit konfrontiert Regisseur Manfred Grüssner etwa zehn Schauspielern im Steigersaal. Grüssner führt gemeinsam mit Marianne Stangl Regie für eine Aufführung beim "cooltour-Sommer". Am 27. Mai wollen die Darsteller auf der Seebühne ihrem Publikum den Sprachforscher Johannes Andreas Schmeller näher bringen. Dafür wird Historie ins Moderne "gebeamt". Grüssners Ehrgeiz ist es, mit nichts als den besagten Stühlen, weißen Gesichtern, Masken und schwarzen Gewändern ein Collagen-Theater zu erarbeiten, das mit puristischen Elementen mehr ausdrückt als alle Worte.

Für die Proben sind die Größenmaße der Seebühne mittels Klebeband im Steigersaal exakt nachempfunden. Grüssner stellt den Pappkarton-Schmeller, der das Denkmal am Marktplatz imitiert, in den Hintergrund. "Es darf kein Leerraum entstehen. Verteilt euch gut", lautet seine Anweisung. Plötzlich nehmen die Darsteller, die sich frei und ungezwungen auf dem vorhandenen Platz bewegen und zuerst dachten, es sei viel zu wenig Platz zum Agieren, tatsächlich große Lücken bei der Verteilung bewusst wahr.

MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller, der mit Christine Kohl sowie Max und Marianne Schnurrer für den musikalischen Part sorgen wird, schaut interessiert zu. "Das wirkt gut", lobt er die Truppe für eine weitere Szene mit den Stühlen. Ein wenig ungläubig horchen die Neulinge unter den Darstellern auf. War das wirklich gut? Fünf verschiedene Sitzformen sollte jeder auf seinem Stuhl erarbeiten, gerne auch Skurilles. Aber wie geht das mit dem kreativen Sitzen? Dieter Bonfert mimt den Schlafenden. Helene Ohle, die jüngste Darstellerin, kriecht unter ihren Stuhl, während sich Nicole Müller - sie ist Tänzerin - biegsam über die Lehne dehnt. Grüssner klatscht Beifall. Na also, es hat funktioniert.

"Der Workshop ist eine hervorragende Theaterschulung. Die Teilnehmer lernen viel Neues, was sie bei weiteren Inszenierungen gut umsetzen können", freut sich Winklmüller. Die Verbindung "Workshop und Inszenierung" sei in jeder Hinsicht von Manfred Grüssner gut gewählt worden. Zumal Grüssner, der für die gesamte Schmeller-Inszenierung verantwortlich zeichnet, aus seiner lebenslangen Erfahrung als Theaterpädagoge vieles an die Darsteller weitergeben kann. Grüssner hat aus Schmellers Büchern und dessen Lebenslauf Passagen ausgesucht, die sich gut bespielen lassen. Bewusst verzichtet er auf lange Texte, alles Unausgesprochenes wird durch Darstellungsformen mit körperlichem Einsatz oder Improvisation ersetzt. Dadurch entstehen unter anderem sogenannte "Freeze-Szenen", eingefrorene Bilder, die jedes Mal neu aufs Publikum wirken. Eingesetzt wird Bewegungstheater ebenso wie Körper- und Improvisationstheater und chorisches Theater, wo Texte eines einzelnen Darstellers von allen gemeinsam nachgesprochen werden.

Keine leichte Sache für die Darsteller, die Improvisation mit viel Emotionen und Einsatz üben. Grüssner zeigt auf einen fiktiven schwarzen Vorhang. "Ihr steht dahinter. Ein Satz fällt, der Schmellers Leben beschreibt, seine Gefühle, seine Wut, seine Liebe, seine Leidenschaft. Es ist eure Aufgabe, dieses Gefühl in einem Freeze-Bild gemeinsam darzustellen. Ihr habt wenig Zeit, dann hebt sich der Vorhang". Alle bemühen sich angestrengt und sind gespannt, wie Grüssners Urteil ausfällt. Diesmal gilt es, Freude auszudrücken.

Ebenso gespannt wie das gesamte Ensemble dürfen bereits heute interessierte Zuschauer auf die Szenen-Collage über den Mundartforscher Johann Andreas Schmeller am 27. Mai um 16.30 und um 19 Uhr auf der Seebühne des "cooltour-Sommers" sein.

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