Bei Arbeiten an alter Polizei in Tirschenreuth ist ein neues Stück Geschichte "aufgetaucht"
Funde beflügeln die Fantasie

Überraschend "aufgetaucht" ist auch dieses Mauerstück, vielleicht Teil einer Zufahrt. Bild: ws
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Tirschenreuth
07.07.2017
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Bei den Arbeiten an der alten Polizei ist man auf mächtige Mauerreste gestoßen. Und die sollen nicht unter einer Abdeckung verschwinden. Eine Idee ist, den ausgegrabenen rechten Kellerzugang sowie die alte Wand frei und sichtbar zu lassen. Aktuell werden die Pläne "umgeschrieben". Im Bild (von links): Stadtbaumeister Andreas Ockl, Architekt Peter Brückner, Mitarbeiter Falk Leopold und Bürgermeister Franz Stahl. Bild: ws

Mächtige Mauern, eine Basis für einen Turm und ein imposantes Tunnelgewölbe - die alten Mauern an der ehemaligen Polizei bieten der Fantasie viel Raum. Umdenken muss auch der Architekt, damit dieses überraschende Stück Tirschenreuther Geschichte für alle erlebbar bleibt.

Eine interessante Begegnung mit der Historie, darauf hat man sich beim Umbau des ehemaligen Polizeigebäudes durchaus eingestellt. Überraschend ist daraus eine Entdeckungstour durch ein unbekanntes Stadtbild des 14. Jahrhunderts geworden. Der "Waldsassener Kasten", als imposanter Teil nahe der Stadtmauer, hat ein außergewöhnliches Umfeld. Geht es nach den Vorstellungen von Architekt Peter Brückner und Bürgermeister Franz Stahl soll das als "begehbare Geschichte" erlebbar werden. Ende vergangenes Jahres begannen die Sanierungsarbeiten an der alten Polizei.

Für rund vier Millionen Euro soll das Gebäude zu einer modernen Schulungsstätte für die "Ostbayerische Technische Hochschule" werden. Laut Plan sollen OTH-Studenten des Zweiges "Soziale Arbeit" ab Herbst 2018 die Außenstelle mit Leben erfüllen. Dass bei der Maßnahme Historie zutage tritt, war Stadt und Planern klar. Nur eben nicht der Umfang.

Ungewöhnliches Foyer

Dabei haben die bisherigen Vorstellungen des Büros Brückner schon eine attraktive Lösung vorgesehen. Zur Regensburger Straße hin sollte der Erdhügel abgetragen und dann durch zwei Tunnel der Zugang zum Kellergeschoss ermöglicht werden. Auf Höhe des Erdgeschosses sollte eine Platte einen Terrassenbereich (Hochschulgarten) schaffen: Oben der gemütliche Platz im Freien, unten dem Deckel der direkte Weg zu dem historischen Keller. Doch bei den Arbeiten sind eben die bis zu zwei Meter dicken Mauerreste ausgegraben worden, zudem ein gemauerter Bereich, der durchaus das Fundament für einen Treppenturm sein könnte. Beim Blicks ins Ur-Kataster lassen die Mauerstücke auf eine Anlage mit den Ausmaßen von 25 mal 25 Metern schließen. Die Ausführung lässt ahnen, dass dieses Bauwerk eine wichtige Funktion hatte. An der Seite zum Museumsquartier wird wohl ein Graben durch das Gelände geführt haben.

Unerwartet ist auch der Mauerfund vor dem Gebäude. Vielleicht hat die Mauer einmal einen Weg zum südlichen Kellerzugang abgetrennt, zu sehen sind auch Fußbodenelemente. Und die Fragmente einer imposanten Bogendecke lassen die Fantasie spielen. Hier hoffen Stadt und Planer demnächst auf die Spekulationen der Archäologen. Sicher ist, dass die Funde auch nach dem Umbau erkennbar sein sollen. Erste Gedanken der Planer verkleinern den Terrassendeckel. Dadurch könnten der rechte Kellerzugang sowie dieses Stück der alten Gebäudemauer frei bleiben. "Wir könnten oben, von der Terrasse eine Brücke zu der geplanten Rampe schaffen, die von der Regensburger Straße zur Hochwartstraße führt", kann sich Brückner vorstellen. Das Gebäudestück parallel zur Regensburger Straße könnte in eine Wand integriert, die links den Weg zum südlichen Kellerzugang offen lässt. Interessant ist auch die Vorstellung, dass unter dem Deckel einmal bei Führungen die alten Gebäudestücke besichtigt werden können.

Erlebbar machen

"Wir haben eine Verantwortung, diese historische Bausubstanz zu erhalten", sieht Franz Stahl die Stadt in der Pflicht. Den überraschenden Fund sieht Stahl auch als Ausdruck der politischen Bedeutung der Kreisstadt zur damaligen Zeit. Aber auch wie wichtig Tirschenreuth für das Kloster Waldsassen war. Der Fund könnte zudem hilfreich für die Bewerbung zum Weltkulturerbe sein. "Das ist ein Geschenk der Geschichte", freut sich Peter Brückner über den Fund. Um diese Geschichte auf Dauer erlebbar zu machen, werde in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz nach einer attraktiven Lösung gesucht. Auswirkungen auf den angepeilten Fertigstellungstermin sieht Stahl nicht.

Das ist ein Geschenk der Geschichte.Architekt Peter Brückner
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