13.04.2018 - 16:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Cannabis-Plantage in Thüringen Drogenboss aus dem Landkreis Tirschenreuth?

Eine kleine Familie, eine eigene Firma: Der 53-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth führt ein scheinbar perfektes Leben. Wäre da nicht die Cannabis-Plantage in Thüringen, die er betrieben haben soll.

von Anne Spitaler Kontakt Profil

Tirschenreuth/Bad Lobenstein. Die schöne Fassade, die sich ein 53-jähriger Familienvater aus dem Landkreis Tirschenreuth - mit eigener Firma in Oberfranken - aufgebaut hat, bröckelt, als die Polizei in Thüringen eine riesige, illegale Cannabis-Plantage entdeckt. Der Verdacht: Der Unternehmer soll Drogen im großen Stil angebaut und damit gehandelt haben. Die Gerüchteküche in der Region brodelt, die Staatsanwaltschaft Gera gibt nun Antworten zu dem spektakulären Fall in der Thüringer Drogen-Szene.

Es ist kurz vor Weihnachten - genauer gesagt die Nacht auf den 22. Dezember 2017 - , als das Leben des 53-Jährigen wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. Die Thüringer Polizei hat einen anonymen Tipp erhalten - sie solle doch mal eine ehemalige Waschbretterfabrik zwischen Bad Lobenstein und Lemnitzhammer (Thüringen) etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Was die Beamten in dieser Nacht in dem alten Gemäuer vorfinden, ist unglaublich. Hinter den Toren des Anwesens, das ein offizieller Wohnsitz des Oberpfälzers und auf den 53-Jährigen gemeldet ist, verbirgt sich eine professionelle Cannabis-Plantage. In einer größeren Halle in dem Gebäude entdecken die Beamten Pressspanplatten, die zu kleinen Räumen aufgestellt sind, sowie Vorrichtungen zum automatischen Düngen und Bewässern, berichtet die Ostthüringer Zeitung. Und natürlich Unmengen von Cannabis-Pflanzen, die dort gut gedeihen. Die Polizei beginnt sofort mit der Spurensicherung und konfisziert "150 Cannabis-Pflanzen und 10 Kilogramm getrocknete Blüten sowie umfangreiche Betäubungsutensilien", bestätigt Sven Schroth, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gera, am Dienstag exklusiv unserer Zeitung. Die Drogen bringen die Ermittler nach der gründlichen Spurensicherung am Tatort in die zentrale Betäubungsmittel-Verwahrstelle des Landeskriminalamtes Thüringen, um die Wirkstoffmenge untersuchen zu lassen.

Roter Sportwagen am Tatort

Was der Unternehmer und zwei weitere Verdächtige - ein 30-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth und eine 25-Jährige aus dem Landkreis Bayreuth (die beiden sollen liiert sein) - mit den Drogen vorhatten? Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die "Beschuldigten bezweckten, hiermit Handel zu treiben", berichtet Schroth. Die Menge der sichergestellten Drogen gebe Anlass zu dem Verdacht. Wie lange die alte Fabrik schon als Cannabis-Plantage dient, dazu dürfen der Pressesprecher und Staatsanwalt nichts sagen, denn die Ermittlungen der Kriminalpolizei Saalfeld seien noch nicht abgeschlossen.

In dem Anwesen stoßen die Polizeibeamten auch auf einen roten italienischen Sportwagen, der einer Firma gehört, deren Inhaberin die Ehefrau des Beschuldigten ist, teilt Schroth mit. Der Sportwagen sei auch von dem 53-jährigen Mann genutzt worden, der sich auf seiner Facebook-Seite ebenfalls als Inhaber des Unternehmens bezeichnet. Auf der Homepage der Firma ist im Impressum davon jedoch nichts zu lesen. Dort steht - Stand April - ein anderer Name. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Wagen des Ehepaares und der Drogenplantage gibt, ist nicht bekannt.

Wie schwer die Beweislage gegen den 53-Jährigen ist, dazu kann Schroth aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Seit 22. Dezember sitzt der Mann jedoch in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben im Osten Thüringens. Die beiden anderen Tatverdächtigen befinden sich laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft auf freiem Fuß.

Bis zu 15 Jahre Haft

Wer welche Rolle in dem Drogen-Trio spielte, lässt Schroth offen. "Der Tatvorwurf gegen die Beschuldigten lautet derzeit: unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge", teilt er mit. "Es droht eine Strafe von einem bis 15 Jahren Haft." Allerdings befinde sich das Verfahren noch im Ermittlungsstadium, Termine für Gerichtsverhandlungen gibt es deshalb noch keine.

Sollte es zu einer Verurteilung des 53-Jährigen kommen, wäre mit einer "unbedingten Freiheitsstrafe, das heißt, ohne Bewährung" in einer Thüringer Haftanstalt zu rechnen, denn der Mann ist derzeit in Bad Lobenstein wohnhaft, informiert Schroth. Sollte ihn das Gericht für schuldig erklären, könnte der 53-Jährige das Gefängnis erst wieder nach Jahren verlassen.

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