Diamantene Hochzeit von Maria und Franz Sommer
Das Leben füllt viele Ordner

60 Jahre sind Franz und Maria Sommer (links) verheiratet. Und zur "Diamantenen" unterbrach Bürgermeister Franz Stahl sogar seinen Urlaub und überbrachte dem Hobby-Archivar zusammen mit Ehefrau Cornelia Glückwünsche und ein Geschenk. Bild: Schirmer
Vermischtes
Tirschenreuth
31.12.2016
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Locker und humorvoll können Maria und Franz Sommer mit ihren Geschichten die vergangenen Tage lebendig werden lassen. Und das Gedächtnis der rüstigen Eheleute reicht lange zurück. Immerhin können sie schon auf 60 gemeinsame Jahre zurückblicken.

Am Donnerstag müssen sich die beiden aber zunächst allerhand "anhören". Natürlich sind das durchwegs die besten Glückwünsche zur "Diamantenen Hochzeit". An erster Stelle der Gratulanten steht nach der Familie Stadtpfarrer Georg Flierl, der den beiden seinen Segen erteilt. Gekommen sind auch Cornelia und Franz Stahl. Der Bürgermeister hat seinen Urlaub unterbrochen, um sich zusammen mit seiner Frau persönlich zum gratulieren aufzumachen.

Alle Taten im Überblick

Denn auch Franz Stahl ist einer, der die besonderen Qualitäten von Franz Sommer kennt. Der frühere Eisenbahner verfolgt nämlich genauestens den Arbeitsalltag des Stadtoberhaupts und sammelt alle Veröffentlichungen. Fein säuberlich in einen Jahresordner eingeklebt, hat Stahl so all seine Taten im Überblick. Mit Sorgfalt und Engagement würde der Haus-und Hof-Archivar das Amt des Bürgermeisters abbilden. "Da blättere ich ganz gerne mal drin", schätzt Franz Stahl die Arbeit Sommers. Immerhin hat der ihn schon mit gut 20 Aktenordnern versorgt. Und der rüstige Pensionär macht den Eindruck, dass das noch lange so weitergeht. Denn wie auch Ehefrau Maria ist Franz Sommer in beneidenswerter Verfassung. Beim Blick auf den gemeinsamen Lebensweg hat der 83-Jährige mühelos alle Daten parat. Leicht ist am Donnerstag natürlich das wichtige Hochzeitsdatum, weil eben genau vor 60 Jahren. Und nicht allzu weit vor diesem Tag liegt der Zeitpunkt, an dem Franz seine Maria kennengelernt hat. Im Krankenhaus lagen damals, im Sommer 1956, die Großmütter der beiden in einem Zimmer. Die älteren Damen merkten schnell, dass da ein Funke überspringt und betrachteten die Sache durchaus mit Wohlwollen, erinnert sich der Jubilar. Beim Gartenfest am Ziegelanger folgte dann der große Moment - und schnell stellte der Eisenbahner alle notwendigen Weichen für das gemeinsame Glück. Als einzigen freien Termin, so erinnert sich Sommer, konnte Kaplan Erhard Unterberger den 29. Dezember anbieten. Doch das schreckte die beiden ebenso wenig, wie der damals strenge Winter. Zu Fuß hätten sich Maria und Franz im Hochzeitsgewand zum Standesamt und Kirche aufmachen wollen. "Auto hatten wir keines", erzählt Franz Sommer. Wohl aber Metzger Landgraf, der für die beiden dann Chauffeur spielte. Den Weg freilich vom Standesamt zur Kirche stapften Maria und Franz durch den Schnee. "Gibt's denn das Hochzeitsbild noch", fragt Franz Stahl. "Nicht nur das", entgegnet Sommer - und holt den Ordner heraus.

Letzter Bahnhofsvorsteher

Bekommen hat Maria und Franz der gemeinsame Lebensweg durchaus. Immerhin zählen heute neben den beiden Kindern Reinhard und Christine auch vier Enkel und eine Urenkelin zur Familie. Recht positiv schaut auch die berufliche Bilanz aus. Franz startete 1948 als Bahnarbeiter, musste dann mit dem Bautrupp durch ganz Deutschland. Nach einem Arbeitsunfall durfte der Bahnerer vor 60 Jahren wieder zurück in die Heimat. Hier wagte und schaffte er den Sprung ins Beamtentum und begleitete als Vorsteher die Geschichte des Tirschenreuther Bahnhofs bis zu dessen letzten Tagen. Maria begann ihren Berufsweg "beim Turba", später folgte der Wechsel ins Schuhhaus Christl. 33 Jahre erfüllte Tätigkeit folgten - bis heute bestehen die Bande. "Gut so", weiß Maria, denn damit bleibe auch der Kontakt zu den Mitbürgern erhalten.

Bei all der Archivar-Tätigkeit, die natürlich die Historie des Bahnhofs umfasst, bleibt Franz Sommer aber auch ein Vereinsmensch. So steht er 1976 in der Gründerriege der Faschingsgesellschaft Tursiana, der er bis heute die Treue hält. Und auf der Bühne kennt man den Jubilar, etwa beim Jedermann oder Winsheim. Was wenige wissen: Vor 50 Jahren wurde Franz Sommer sogar Bayerischer Meister im Dreikampf. Die Urkunde hat er natürlich aufgehoben. Und am Hochzeitstag bleibt der Jubilar seiner Leidenschaft treu: Mit Foto und Bucheintrag wird das ganze ordentlich festgehalten.
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