03.12.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Dr. Gerd Stähli feiert 90. Geburtstag Mit Skalpell und Tischtennisball

Dr. Gerd Stähli blickt seinem Jubeltag gelassen entgegen. Der ehemalige Oberarzt am Tirschenreuther Krankenhaus feiert heute, bei hervorragender geistiger und guter körperlicher Gesundheit, 90. Geburtstag.

Der Tag begann für Dr. Gerd Stähli und seine Frau Justina mit einem Gläschen Sekt. An diesem Montag, feiert der ehemalige Oberarzt am Krankenhaus Tirschenreuth seinen 90. Geburtstag. Bild: Grüner
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Geboren ist Dr. Gerd Stähli 1927 in Erfurt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Familie in Neualbenreuth sesshaft. Der junge Mann absolviert die Oberrealschule in Weiden und schreibt 1947 im "Waldsassener Kasten" sein Abitur. Der Name Stähli ist nicht nur durch das Wirken von Dr. Gerd Stähli im ganzen Landkreis ein Begriff. Auch sein Bruder Siegfried sorgte lange Zeit mit seiner Bäckerei in Neualbenreuth dafür, dass der Name längst zur Marke geworden ist.

Für den Jubilar stand schon in jungen Jahren fest: "Ich werde einmal Arzt." Mit dieser Konstanten im Kopf studierte er in Regensburg und München. Zwei Semester musste er unterbrechen, weil ihn Vater Melchior zum Arbeiten zu Hause in der Bäckerei brauchte. Nach dem Examen begann er seine Karriere 1955 am Städtischen Krankenhaus in Oberföhring. 1964 machte er den Facharzt in Chirurgie.

Anästhesie selbst gemacht

Chefarzt Engelbert Ernst, den er persönlich kannte, holte den Chirurgen an sein Krankenhaus nach Tirschenreuth. Das war zu dem Zeitpunkt im Vergleich zu heute winzig. Nicht einmal 20 Betten hatte es, und die Personallage und Ausstattung seien überhaupt nicht mehr mit der heutigen modernen Medizin zu vergleichen, weiß der Fachmann. "Wir Chirurgen haben damals sogar die Anästhesie selber gemacht, haben den Patienten anästhesiert, uns danach gewaschen und ihn dann operiert." 1976 bestand die komplette Mannschaft im Krankenhaus aus etwa 20 Leuten. "Überhaupt nicht mehr vergleichbar mit der heutigen Zeit", stellt der Arzt fest, der nach eigener schwerer Krankheit seit 1987 den Ruhestand genießt. Während seines Wirkens im Krankenhaus Tirschenreuth hat er mehrere Hundert Operationen durchgeführt.

43 Jahre alt war er, als ihm eine hübsche junge OP-Schwester auffiel, die aus Regensburg kam und in Tirschenreuth ihre Arbeit aufnahm. Es kam, wie es kommen musste. 1977 heiratete er Schwester Justina. Das war die zweite Ehe für den Mediziner, der aus der ersten Verbindung eine Tochter und einen Sohn mitbrachte. Aus der zweiten Ehe gingen die Töchter Franziska, Katharina und Christina hervor. Heute gehören noch vier Enkelkinder zur Familie.

Als Dr. Herbert Zilbauer als Chefarzt das Tirschenreuther Haus übernahm, habe sich vieles in Richtung Fortschritt verändert. Vor allem die sogenannte Knopflochchirurgie, heute spricht man von endoskopischen Eingriffen, habe die Arbeitsweise revolutioniert, zum Beispiel bei Gallenblasenoperationen. So wie sich das Tirschenreuther Haus heute präsentiert, prophezeit ihm der Insider ein langes Leben. Stetige bauliche Veränderungen, modernstes Equipment, die Zusammenfassung von hochkarätigen Fachärzten in Medizinischen Versorgungszentren hielten das Haus aufrecht am Puls der Zeit. Damit habe man moderne Medizin aufs Land gebracht.

Oberes Mittelfeld

Dr. Gerd Stähli hat auch als Tischtennisspieler seine Spuren in der Kreisstadt hinterlassen. "Ich zählte nie zur Elite, war aber konstant im oberen Mittelfeld dabei", schätzt er seine Leistungen selbst ein. Seit 1970 war er für 15 Jahre der Spartenleiter im ATSV. Er war bereits 80 Jahre alt, als er sich aus dem aktiven Spielgeschehen zurückzog. Natürlich ist er dem Verein als Mitglied treu geblieben, genauso wie dem örtlichen Reitverein und dem Obst- und Gartenbauverein. Seit vor zwei Jahren der Mischlingshund Lumpi das Zeitliche segnete, sind die täglichen Spaziergänge weniger geworden. Aber als Arzt weiß der Jubilar nur allzu gut: "Wer rastet, der rostet." Deshalb macht er auch heute noch kleinere Spaziergänge an der Seite seiner Gattin. Den Rollstuhl nimmt er erst dann, wenn er sich zuvor zu viel zugemutet hat.

Die Tageszeitung "Der neue Tag" studiert Dr. Gerd Stähli immer am Anfang des Tages, noch vor dem Frühstück. Er mag klassische Musik, vor allem Mozart, Beethoven und Haydn. Und wenn in der Waldsassener Basilika ein Orgelkonzert stattfindet und seine momentane Kondition das erlaubt, genießt er es mit seiner Frau auch mit 90 Jahren noch in vollen Zügen. Die Weihnachtskonzerte mit dem Kreuzer-Chor in Fockenfeld stellen jedes Jahr einen festen Termin im Kalender dar.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.