28.02.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Fastenkrippe Lohnsitzer Passion in St.Peter-Kirche Einmaliges Kunstwerk

Fastenkrippen sind in der Region eher selten anzutreffen. Richard Böhm hatte sich mit dem Thema beschäftigt und die "Lohnsitzer Passion" geschaffen. Diese in Tirschenreuth einmalige Krippe ist derzeit in St. Peter aufgestellt.

Ausschnitt aus der "Lohnsitzer Passion". Bild: fiw
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(fiw) Als Richard Böhm am 5. Juli 2017 starb, hinterließ er nicht nur eine größere Anzahl an Bildern, sondern auch ein ganz besonderes Kleinod: Eine Fastenkrippe. Fastenkrippen, auch Passionskrippen oder Osterkrippen, manchmal auch stille Krippen genannt, sind im weitesten Sinne seit der Säkularisation geschnitzte Kreuzwege im Format der üblichen Hauskrippe. Beispiele hierzu findet man meist im Tirolerischen, des Ursprungs dieser Krippen, wo die Figuren auch schon mal die Ausmaße eines Erwachsenen annehmen können.

Inzwischen trifft man diese Krippen in ganz Europa an, wenn auch überwiegend in den südlichen Ländern. So heißen sie in Spanien "pasos" und in Italien "misteri". Dient die Weihnachtskrippe der volkstümlichen Andacht und vielleicht einem mystischen Erlebnis, ist die Wirkung der Fastenkrippe eher still und individuell. "Sie ist leichter zu erfassen und greift tiefer in die Seele" (Ferdinand Keim, Innichen, 1931).

In Tirschenreuth befasste man sich mit dieser Thematik eigentlich weniger. Es gab aber immer wieder einmal einzelne Szenen aus der Passionszeit, wie das "Letzte Abendmahl" oder auch die " Pietà". Erst Leonhard Kühn begann sich 1992 eine Fastenkrippe von dem Pilsener Bildhauer Jaroslav Sekyra schnitzen zu lassen, die im Laufe der Jahre immer wieder ergänzt wurde. Die Figuren darin sind sehr filigran gehalten.

Richard Böhm hatte dieses Thema ebenfalls aufgegriffen und sich eine eigene Krippe geschaffen. Er nannte sie "Die Lohnsitzer Passion ". Begonnen hatte er damit 2003, fertig wurde er 2015. Das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde sie in der Passionskrippen-Ausstellung 2015 im Museumsquartier. In einem opulenten Aufbau mit Tempeln und Mauern hat er seine Figuren platziert. Dabei bediente er sich drei Ebenen. Unten, die Zeit bis zur Verurteilung Jesu, in der Mitte der eigentliche Kreuzweg, der nach Golgatha führt und oben die Kreuzigung bis zur Auferstehung. Kunstgeschichtlich weisen seine Figuren postimpressionistische Attribute, wie auch Merkmale der naiven Kunst auf. Vielleicht war der Maler Paul Gauguin sein Vorbild. Er verlieh seinen Figuren, wie er immer wieder betonte, bewusst den bäuerlichen, etwas derberen Charakter. Vermutlich wollte er damit zu einfachen, ursprünglichen Gestaltungen zurückkehren. Trotzdem ist es ihm gelungen, die Charaktere, die Eigenheiten und den momentanen Gemütszustand der einzelnen Personen großartig darzustellen. Sehr ausdrucksvoll sind auch die Szenen, in denen Jesus das Kreuz trägt. Besonders gut ausgearbeitet, "Jesus an der Geißelsäule" und "Die schlafenden Jünger". Aufbau und Hintergrundbild stammen ebenfalls aus der Hand von Richard Böhm.

Die "Lohnsitzer Passion" wurde heuer von den Erben des Nachlasses von Richard Böhm an die Krippenfreunde Tirschenreuth übergeben. Sie wird zurzeit in der Dreifaltigkeitskirche St. Peter vom Verein ausgestellt. Es lohnt sich also, mehr als nur einen Blick auf dieses Kleinod der Schnitz- und Krippenbaukunst zu werfen.

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