Fischer und Jäger gemeinsam gegen den Kormoran
Jagd auf "Schwarzfischer"

Nistende Kormorane in der Brutkolonie an der Vogelfreistätte Großer Rußweiher. Ein Szenario, das Fischer in Bayern unbedingt vermeiden wollen. 13 Kolonien mit 600 Brutpaaren gibt es derzeit im Freistaat. Laut Experten stellten aber die Wintergäste das größere Problem dar.
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Tirschenreuth
14.01.2018
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Mit seinem scharfen Schnabel verletzt der Kormoran auch viele Fische, die dann krank werden oder verstört sind.
 
Reiner Wolfrath, Tobias Küblböck und Hans-Hermann Lier mit einem Kormoran-Lockvogel. Bilder: Grüner (3)

Kormorane sind schlau, lernen schnell, wenn es darum geht, ungefährdet ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Fischen, nachzugehen. Fischer und Jäger sind auch gewieft, entwickeln ständig neue Strategien, um dem ungeliebten Konkurrenten beizukommen. Dabei arbeiten sie Hand in Hand

Zur Problematik des ungeliebten schwarzen Vogels referierten der Kormoranmanager für Nordbayern, Tobias Küblböck, Reiner Wolfrath, Obmann der Angelfischer der Oberpfalz und Bayern, und Hans Hermann Lier, ehrenamtlicher Kormoranberater für die mittlere Oberpfalz, im Gasthof Schwan. Die Kormoranproblematik ist hinlänglich bekannt. Seit Jahren berichten wir über die Sorgen der Berufsfischer und deren erfolgreichen oder gescheiterten Versuche, dem gefiederten "Schwarzfischer" beizukommen. Auf Landesebene reisten Politiker aller Couleur an, um sich zu informieren und für Lösungen einzusetzen. Einiges ist in dieser Richtung passiert und speziell im Bereich der Waldnaabaue zwischen Tirschenreuth und Gumpen darf der Vogel auch im Schutzgebiet erlegt werden.

90 Prozent "Rote Liste"

Beim Treffen, bei dem diesmal die Angelfischerei stark vertreten war, hieß es, dass mittlerweile 90 Prozent der bei uns natürlich vorkommenden Fischarten auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Nicht allein das "Verdienst" des Kormorans, der aber bestimmt nicht unschuldig auf der Anklagebank sitzt. "Es ist lange genug geredet und gezählt worden", stellte Reiner Wolfrath fest. Jetzt ginge es darum zu handeln, und zwar aus den eigenen Reihen heraus.

Deshalb saßen auch zahlreiche Jäger mit am Tisch, die künftig die Züchter und Angler bei ihrem Bestreben, dem Kormoran Paroli zu bieten, noch stärker zur Seite stehen sollen, vor allem mit konzertierten Aktionen. Wolfrath erklärte, dass die Kormoran- und Biberverordnung um weitere zehn Jahre verlängert wurde. Die artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung sei die Grundlage, die es ermöglichte, den schwarzen Vögeln auf die Federn zu rücken. Deshalb müssten Fischer und Jäger miteinander reden und gemeinsam handeln. Gerade in der Tirschenreuther Teichpfanne sei den Vögeln schwer beizukommen. "Aber auch hier sind Abschüsse möglich und da sollten wir reagieren", forderte der Sprecher. Es werde immer wieder über Entschädigungen diskutiert. Für die Angelfischerei sei dies keine Option. Und eine solche sieht der Vizepräsident des Landesfischereiverbandes für die Berufsfischer, Alfred Stier, ohnehin nicht realisierbar.

2011 hat Tobias Küblböck seinen Job als Kormoranbeauftragter aufgenommen. Seither laufen die Daten, die im Zusammenhang mit dem Vogel erhoben werden, bei ihm auf. Bei seinem Vortrag legte er den Fokus auf die rechtlichen Aspekte bei der Jagd auf den Kormoran. Die Rechtslage sei sehr komplex, was den Abschuss betreffe, stellte er fest. Deshalb seien viele Jäger verunsichert. Als recht effektiv nannte der Sprecher die koordinierte Verdrängung an den Schlafplätzen. Bei gezieltem Vorgehen ließen sich Fischverluste deutlich reduzieren. "Kormoranabschuss bringt immer dann etwas, wenn man ein bestimmtes Gebiet im Auge behält", sagte der Experte.

Viel zu bewirken

In der Teichwirtschaft und dort, wo bedrohte Fischarten im Fokus stünden, lasse sich viel bewirken. Der Kormoran habe einen hohen Schutzstatus und unterliege nicht dem Jagdrecht, weshalb hier Sonderregelungen wichtig seien. In den speziellen Vorschriften habe man sich aber am Jagdrecht orientiert. Als Meilenstein bezeichnete Küblböck den Landtagsbeschluss von 2009, der ermögliche, dass auf Bezirksebene, zusätzlich zur artenschutzrechtlichen Ausnahmeverordnung, auch Allgemeinverfügungen erlassen werden können, die weitere Abschusszeiträume ermöglichen. Mit diesem Instrument ließen sich auch Ansiedlungen neuer Brutkolonien verhindern. In Tirschenreuth habe man die Besonderheit eines Vogelschutzgebiets europäischen Ranges im Zentrum traditioneller Teichwirtschaft. Deshalb seien die Abschussmöglichkeiten hier sehr speziell geregelt und sehr kompliziert durch Zonierungen gelöst. In manchen Zonen dürfe uneingeschränkt gejagt werden, in anderen sei die Schusszahl begrenzt und in wieder anderen sei die Jagd komplett außen vor. Zudem sei der bürokratische Aufwand enorm.

Küblböck empfahl an den Schlafplätzen sofortigen und regelmäßigen Beschuss. Ansitzschirme und Lockvögel seien dabei hilfreich. Manche Jäger schätzten das Kormoranfleisch auf dem Teller, andere sagten, es sei ungenießbar. Fischzüchter Franz Kühn junior fand: "Man kann ihn essen, er schmeckt irgendwie zwischen Ente und Reh." Das habe dem Kormoran auch den Beinamen "fliegendes Reh" eingebracht.

Drohnen und Adler

Hans Hermann Lier stellte fest, dass der Natur-Tourismus im Landkreis Tirschenreuth nur Bestand habe, wenn das Erlebnis Fisch nicht nur ein solches für den Kormoran darstelle. Um den Vogel erfolgreich zu bejagen, gelte die Devise "gemeinsam ist besser." Die Erfahrung zeige, dass gemeinsame Aktionen Erfolge brächten. So habe man zum Beispiel bei einer koordinierten Jagd im Lauterachtal 14 Vögel erlegen können.

In Gebieten, wo man nicht schießen dürfe, empfahl er Vergrämung, um die Vögel dorthin zu bekommen, wo Schießen erlaubt sei. Es gäbe vielversprechende Versuche mit Drohnen, an denen man weiterarbeiten will, um mehr Erkenntnisse zu erlangen. Eine weitere Möglichkeit wäre die, Falkner mit geeigneten Greifvögeln einzubeziehen. Auch daran werde gearbeitet. Was die Angler nicht wollten, seien Netze, Zäune oder Schutzgitter in der Landschaft.

HintergrundEnde der 1980er Jahre habe der Kormoran unsere Region entdeckt und sich rasant ausgebreitet, schilderte Kormoranmanager Tobias Küblböck. Ein Vogel benötige täglich ein halbes Kilo Fisch. Der Brutbestand habe sich in Bayern auf etwa 600 Paare in 13 Kolonien eingependelt. Landesweit würden seit Anfang 2000 die Winterbestände gezählt, denn weniger die Brutvögel als diese Durchzügler seien das Problem. Im September und Oktober tauchten sie auf und blieben bis März, April und manchmal bis in den Mai hinein. Da gehe es um 6000 bis 8000 Vögel pro Saison. So viele würden in etwa auch jedes Jahr in Bayern erlegt. Im Winter 2016/2017 wurden sogar 11 000 Stück abgeschossen. Längere Frostperioden begünstigten damals die Jagd. Im Landkreis Tirschenreuth wurden in diesem Zeitraum 300, ansonsten 140 bis 160 Stück jährlich erlegt. Europaweit gesehen hätten diese Zahlen überhaupt keine Auswirkungen auf die Bestände, die Küblböck mit einer halben Million Brutpaaren beziffert. In den Teichen bereiteteten die Vögel nicht nur Probleme durch Fressen von Fischen. Viele Schuppenträger würden bei den Attacken nur verletzt. Die Wunden seien perfekte Eintrittspforten für Pilzinfektionen. Außerdem stünden viele Fische unter Stress, seien regelrecht traumatisiert, gingen nicht mehr ans Futter, was Zuwachseinbußen und erhöhte Krankheitsanfälligkeit mit sich bringe. Große Verluste meldeten Züchter vor allem bei Karpfen. (tr)


Man kann ihn essen. Er schmeckt irgendwie zwischen Ente und Reh.Fischzüchter Franz Kühn junior
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