Fragen und Antworten zur Einführung der Biotonne im Landkreis Tirschenreuth
Es klappt auch mit den Nachbarn

Was bisher auf dem Komposthaufen landete, kann weiter dort verrotten. Es gibt keine Anschlusspflicht an das Biotonnen-System. Allerdings dürfen die Eigenkompostierer dann auch keinen pflanzlichen Küchenabfall mehr in den Restmüll geben. Bild: as
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Tirschenreuth
04.01.2017
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"Viele Bürger haben sich bereits telefonisch nach der richtigen Trennung erkundigt." Zitat: Abfallberaterin Stefanie Bräunlein
 
Schwarzer Körper, brauner Deckel und dazu das Landkreis-Logo: Ein Prototyp der neuen Biotonne wurde bereits im Kreisausschuss vorgestellt. Demnächst werden die ersten Bestellungen ausgeliefert. Bilder: tr (2)

Biotonnenpflicht - muss das sein in einer ländlichen Gegend? Ja, sagt der Gesetzgeber und lässt ein Schlupfloch: Wer will, kann weiter selbst kompostieren. Aber er muss sich entscheiden. Und zwar jetzt.

Ab Januar 2017 kann jeder Haushalt eine Biotonne beim Landratsamt beantragen. Die erste Abfuhr ist frühestens im Februar, denn der bürokratische Aufwand ist beträchtlich. Seit klar ist, dass die Biotonne kommt, verstärkt Stefanie Bräunlein die Abteilung Abfallwirtschaft.

Schon vor einigen Wochen stellte sie im Kreisausschuss die wesentlichen Neuerungen vor. Klar ist: Pflanzliche Abfälle haben im Restmüll nichts mehr verloren. Ob Gemüsereste oder Kaffeesatz, Nussschalen oder welker Blumenstrauß: Alles, was von Pflanzen stammt, kommt in die Biotonne. Oder auf den eigenen Kompost. Wichtig ist, dass sich mehrere Haushalte eine Tonne teilen können.

"Wir sind uns bewusst, dass das neue Trennsystem mit einer Phase der Umstellung für jeden verbunden ist. Viele Bürger haben sich bereits telefonisch nach der richtigen Trennung erkundigt", räumt die Abfallberaterin ein. Die Übergangszeit bedeute aber keinen Freibrief für schlechte Abfalltrennung, sagt Stefanie Bräunlein. "Wir sind von der Offenheit und Vernunft der Landkreisbürger überzeugt und setzen darauf, dass das neue Trennsystem mit der Zeit gut angenommen wird." Einige Anrufer, die schon in anderen Gegenden Erfahrungen mit der Biotonne gemacht haben, freuten sich auf die Einführung auch im Landkreis Tirschenreuth. Ganz freiwillig passierte das allerdings nicht. Denn in einer ländlichen Region, wo viele Gartenbesitzer ihren Kompost selbst hegen und pflegen, sind Biotonnen nicht so dringend notwendig. Dennoch: Eine Sortieranalyse des Restmülls im Landkreis ergab 2013 einen organischen Anteil von immerhin 44 Prozent. Und der bayerische Gesetzgeber ließ keine andere Wahl, als ein Trennsystem anzubieten. Stichtag für die Einführung war eigentlich schon der 1. Januar 2015.

Zwei Jahre später kommt sie also, die Biotonne - und mit ihr die Unsicherheit, was sich konkret ändert. Der Abfallwegweiser bietet dazu viele Fakten, und im Zweifelsfall hilft ein Anruf in der Abteilung Abfallwirtschaft weiter.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Wie sieht die Biotonne aus?

Sie hat Räder, ist schwarz wie die Restmülltonne, hat aber einen braunen Deckel. Darauf findet sich auch eine knappe Auflistung, welche Abfälle hineingehören und welche nicht.

Was kostet die Biotonne?

Der Landkreis stellt zwei Gefäßgrößen zur Verfügung, 80 oder 120 Liter. Die kleinere Tonne kostet 19,20 Euro im Jahr - bei 14-tägiger Leerung sind das also rund 75 Cent pro Abfuhr. Wer das größere Gebinde wählt, zahlt 28,80 Euro jährlich. Der Behälter ist, ähnlich wie die Papiertonne, eine Leihgabe des Landkreises.

Wie oft wird abgefahren?

Alle zwei Wochen. Für den östlichen Landkreis erledigt das die Firma Magnitz und für den westlichen Teil die Firma Kraus.

Wie funktioniert die Anmeldung?

Nur schriftlich. Im Abfallwegweiser, den jeder Haushalt bekommen hat, ist das Formular für die Änderungsmeldung auf Seite 11 und 12 abgedruckt. Jeder Grundstücks- oder Wohnungseigentümer kann das ausgefüllte Formular per Fax oder eingescannt per E-Mail verschicken, aber auch direkt beim Kreisbauhof abgeben. Im Internet ist das Formular auf der Landkreis-Seite zu finden.

Wann ist die erste Abfuhr und wann wird die Gebühr fällig?

Die Biotonne wird ab Januar ausgeliefert und erstmalig im Februar abgefahren. Die Kontrollmarke wird den Antragstellern mit dem neuen Gebührenbescheid zugeschickt. Fällig wird er dann vier Wochen später. Die Kosten für die Biotonne sind dann grundsätzlich mit der Restmüllgebühr jedes halbe Jahr zu begleichen.

Lohnt sich eine schnelle Anmeldung?

Eine Biotonne kann jederzeit auch später beantragt werden. Die ersten 1500 Besteller erhalten jedoch kostenlos ein Starter-Set, nämlich einen kleinen Sammel-Eimer mit 10 Litern Fassungsvermögen für die Küche und passende Papiertüten.

Können sich mehrere Haushalte eine Biotonne teilen?

Es lohnt sich auf jeden Fall, darüber nachzudenken. Es können sich nicht nur die Bewohner eines Mehrparteienhauses zusammenschließen, sondern auch andere Nachbarn.

Was tun Selbstkompostierer?

Wer keine Biotonne will, muss gar nichts weiter unternehmen - außer seine pflanzlichen Abfälle selbst zu kompostieren und darauf zu achten, dass nichts davon im Restmüll landet.

Gibt es Kontrollen?

Ob die Biotonne richtig befüllt ist, kontrollieren die Müllwerker stichprobenartig - ebenso wie bei den übrigen Abfallbehältern. "Sollte es vermehrt bei einem Objekt zu Fehlwürfen kommen, werden wir das nicht ignorieren können", sagt Stefanie Bräunlein. "Das ist auch im Sinne der anderen Gebührenzahler, die ihren Abfall ordentlich trennen."

Die Biotonne ist hauptsächlich für pflanzliche Küchenabfälle gedacht. Auch für Abfälle aus dem Garten?

Grasschnitt, Laub und kleineres Astwerk darf in die Tonne. Für eine reibungslose Leerung ist wichtig, dass sich der Inhalt nicht verkeilt und nicht verdichtet wird.

Bleibt es bei den Annahmestellen für Grüngut in den Gemeinden?

Ja, unverändert. Aber gerade für kleine Gärten oder wenn die Sammelstellen geschlossen haben, ist die Biotonne eine gute Alternative.

Darf nur absolut pflanzlicher Abfall in die Biotonne oder auch mal eine Fischgräte?

Um die ökologisch sinnvolle Abfallvermeidung durch Eigenkompostierung der Bürger zu unterstützen, hat sich der Landkreis für eine Sammlung von ausschließlich pflanzlichem Biogut ausgesprochen. Alle Überreste tierischen Ursprungs wie Fischhäute oder Hühnerknochen sind über die Restmülltonne zu entsorgen. Das hat auch für die Biotonnen-Nutzer den angenehmen Nebeneffekt einer geringeren Geruchsbelästigung.

Was ist mit gespritzten Zitrusfrüchten, die man nicht auf dem Kompost haben will?

Nach der Einführung der Biotonne dürfen Abfälle, die dort entsorgt werden können, nicht mehr in den Restmüll. Das betrifft behandelte Orangen ebenso wie langsam verrottende Bananenschalen, Unkräuter oder von Krankheiten befallene Pflanzen. Die Biotonne kann demnach auch für Eigenkompostierer eine sinnvolle Ergänzung sein.

Wohin kommt der gesammelte Bioabfall aus dem Landkreis?

Nach Rehau (Landkreis Hof). In einer Nassvergärungsanlage wird Biogas erzeugt und verstromt, die Abwärme ebenfalls genutzt. Die Gärreste bilden qualitativ hochwertigen Kompost, der überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Er hält schon jetzt die Grenzwerte der künftigen Düngemittelverordnung ein.

Im Abfallwegweiser steht, dass nur Papiertüten in die Biotonne gehören. Was ist mit anderen kompostierfähigen Behältern?

Weil das Biogut vergoren wird, müssen die Tüten nach etwa 30 Tagen quasi unsichtbar sein. Deshalb dürfen keinesfalls Beutel aus biologisch abbaubaren Kunststoffen verwendet werden. Für die Sammlung von Bioabfall geeignet sind ausnahmslos Papiertüten oder Zeitungspapier.

Viele Bürger haben sich bereits telefonisch nach der richtigen Trennung erkundigt.Abfallberaterin Stefanie Bräunlein

Vertrag mit Rehau zeitlich befristet

Wohin mit dem eingesammelten Bioabfall? Die Entscheidung des Landkreises, ihn ab Februar nach Rehau zu bringen, ist keine endgültige, wie Pressesprecher Walter Brucker informiert: "Wir haben für einen überschaubaren Zeitraum einen Vertrag abgeschlossen, um den Termin der Biotonnen-Einführung halten zu können." In Rehau hat die RSB Bioverwertung Hochfranken eine innovative Vergärungsanlage gebaut, die einmal 40 000 Haushalte mit Strom versorgen soll.

Ob der Bioabfall aus Tirschenreuth längerfristig dort verarbeitet wird, steht nicht fest. "Eine gemeinsam betriebene Biogasanlage mit dem Landkreis Neustadt und der Stadt Weiden ist noch nicht vom Tisch", betont der Sprecher des Landratsamtes und verweist auf die vereinbarte Machbarkeitsstudie. "2017 werden geeignete Ingenieurbüros angeschrieben, um herauszufinden, ob bei den anfallenden Mengen eine rentable gemeinsame Lösung möglich ist."

So läuft es in anderen Kreisen

Ebenfalls in Verzug ist der Landkreis Neustadt mit der Umsetzung der gesetzlichen Vorgabe, Bioabfälle getrennt zu sammeln. Bei den Nachbarn ist die Einführung der Biotonne im Sommer 2017 geplant. Wie in Tirschenreuth hat sich der dortige Kreistag für ein Holsystem im 14-tägigen Rhythmus entschieden. Schon seit 1991 gibt es im Stadtgebiet Weiden braune Tonnen für biologischen Abfall. Rund 4000 der 120 Liter fassenden Gefäße sind aktuell angemeldet.

Auch die Nachbarn im Landkreis Wunsiedel entschieden sich bereits 1994 für eine Biotonne in den Haushalten. Das Kommunalunternehmen Umweltschutz Fichtelgebirge teilte zum 20. Jubiläum mit, dass die jährlich eingesammelte Abfallmenge trotz sinkender Einwohnerzahlen konstant ist. Im Landkreis Schwandorf können die Bürger organische Stoffe in 24 Wertstoffhöfen entsorgen. Auch in Amberg-Sulzbach ist das dezentrale Bringsystem eingeführt.

Kleinere Tonnen wenig tauglichDie kleinste vom Landkreis angebotene Biotonne fasst 80 Liter. Sie erscheint vielen potenziellen Nutzern zu groß für einen kleinen Haushalt. "Genau für solche Fälle bieten wir die Möglichkeit von Biotonnen-Gemeinschaften", sagt Stefanie Bräunlein. Die Abfallberaterin rät Grundstücks- oder Wohnungsnachbarn auch aus Kostengründen zum Zusammenschluss. Der biete sich nicht nur bei Ein-Personen-Haushalten an, sondern auch, wenn jemand selbst kompostiert, aber gelegentlich gespritzte Obstschalen oder Unkraut über die Biotonne entsorgen will. "Außerdem ist besonders im mehrgeschossigen Wohnungsbau zu erwarten, dass der Platz für mehrere zusätzliche Gefäße nicht überall vorhanden ist."

Auf eine kleinere Größe, etwa für 60 Liter Inhalt wie die kleinste Restmülltonne, hat der Landkreis verzichtet. Sie habe sich als wenig alltagstauglich erwiesen, berichtet Bräunlein von schlechten Erfahrungen anderer Entsorgungsträger. Der Grund: Kleinere Tonnen hätten oft einen ungünstigeren Schwerpunkt und könnten bei Windböen umfallen. "Bei der Beschaffung der Gefäße durch den Landkreis wurde darauf geachtet, dass der Rumpf möglichst bis zu den Rädern unten reicht."
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