Fuß-Theater von Anne Klinge im Museumsquartier
Wenn Füße sprechen können

Anna Klinges linker Fuß ist der Hauptdarsteller im Stück: Er wird zum Müllersohn Willibald, der die Prinzessin heiraten möchte. Bild: ubb
Vermischtes
Tirschenreuth
29.12.2016
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Mit ihrem Fuß-Theater begeisterte Anna Klinge auch die Zuschauer im Museumsquartier. Bild: ubb

Eine nette Schmunzelstunde bereitet Anna Klinge gut 50 großen und kleinen Gästen im Museumsquartier. Die Künstlern verblüfft mit einer ungewöhnlichen Darbietung: einem Fuß-Theater.

Wie kriegt der arme Müllersohn die schöne Königstochter, wenn er von seinem Vater nichts als ein Kuscheltier vererbt bekam? Diese Frage hat am Mittwochnachmittag Anna Klinge sprichwörtlich mit "Hand und Fuß" beantwortet. Im Rahmen der Ausstellung "Frei-Räume", organisiert von Regina Rosner für die Stadt Tirschenreuth, überraschte die Künstlerin im Museumsquartier die Gäste mit ungewöhnlichen "Theaterakteuren", wie sie Tirschenreuth noch nicht erlebt hat. Auf dem Programm stand "der gestiefelte Kater". Jedoch bekamen die überwiegend kleinen Zuschauer statt normale Darsteller oder Puppen als Schauspieler die Füße der Regisseurin serviert.

Tisch als Bühne

Als Bühne diente ein großer Tisch, übersäht mit Tüchern und Requisiten, die sich Anne Klinge nach und nach über ihre beiden Füße zog. Das Märchen hat Anna Klinge dafür besonders für Kleinkinder gut aufbereitet: Kater Kasimir ist ein süßes Kuscheltier, den nicht nur der Müllersohn Willibald ins Herz geschlossen hat. Auch die Kinder quietschen vor Vergnügen bei Kasimirs Auftritten. Völlig "ungeniert" nutzt Anna Klinge bei ihrer Darbietung den Tisch als Sitzplatz, Garderobe und Erzählbühne gleichermaßen. Während sie sich die Kostüme ihrer Protagonisten über die Füße streift, erklärt sie dem aufmerksamen Publikum, was Kasimir geplant hat. Willibald soll mit Hilfe des Katers die Prinzessin heiraten. Dafür muss der Müllersohn in verschiedene Rollen schlüpfen.

Willibald vertraut seinem kleinen Freund Kasimir und mimt einen Bauer, einen Förster sowie eine Gärtnerin. Spätestens hier kommen die Füße der Künstlerin ins Spiel: Diese hat Anna Klinge zwangsläufig und logisch immer bei sich. Aber sie setzt sie nicht alleine nur wie ein "normaler" Mensch zum Stehen, Laufen und Gehen ein. Anna Klinge lässt mit gut antrainierter Körperbeherrschung ihre Füße und Hände zu höchst eigenständigen Charakteren werden. Verkleidet mit Mützen oder einer Krone, ausgestattet mit Nasen sowie Haaren und in Gewänder gehüllt bekommen sie ein Eigenleben. Willibald, Anna Klinges rechter Fuß, wird als netter junger Handwerker erkannt, während ihr linker Fuß den Fiesling mimt: Der König und der Zauberer sind wenig freundliche Gestalten, die Willibald sein Glück nicht gönnen.

Großes Aha-Erlebnis

Für die Buben und Mädchen sind die theaterspielenden Füße ein großes Aha-Erlebnis, für die Erwachsenen werden sie zur netten Nachmittagsunterhaltung. Natürlich kann der böse Zauberer die mit großer Neugierde aufmerksam zuschauenden Kinder nicht in Angst und Schrecken versetzen. Das gewitzte Kuscheltier Kasimir lässt den Zauberer zaubern. Dieser wird zur Maus und schon wird er genüsslich vom gestiefelten Kater verspeist. Aus die Maus, besser gesagt Schluss mit Zauberei. Willibald bekommt des Zauberers Schloss, wird ein Edelmann. Immer wieder bezieht Anne Klinge ihre kleinen Zuschauer mit ein. Diese sind eifrig bei der Sache, sodass Klinges rechter und linker Fuß (Willibald und die Prinzessin) nach gut einer halben Stunde Hochzeit feiern können.

Der Müllersohn kriegt die Prinzessin und Anne Klinge kriegt ihre Füße wieder für sich selbst. Schließlich muss sie runter vom Bühnen-Tisch, um sich verbeugen zu können für den lautstarken Applaus ihres amüsiert-überraschten Publikums. Wer hätte das gedacht, was für ein Eigenleben normale, zierliche Frauenfüße entwickeln, lässt man sie kreativ gewähren wie es die Ausnahmekünstlerin Anne Klinge macht! Den Kindern hat's gefallen, und den Erwachsenen auch.
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