Gescheke für Kinder, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen
Kein Kind geht leer aus

Inge Pannrucker hat einen guten Draht zum Christkind. Bild: Grüner
Vermischtes
Tirschenreuth
23.12.2016
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Inge Pannrucker lässt am Heiligabend die Sonne scheinen für viele Kinder, die nicht das Glück hatten, auf der Sonnenseite des Lebens zur Welt zu kommen. Freilich macht sie das nicht allein, hat sie langjährige Helfer. Und das Ganze heißt "Aktion Glückssterne".

An Heiligabend vor elf Jahren ist der Pädagogin, Vorsitzenden des Kinderschutzbundes und eingefleischten FDP-Politikerin, die Idee dazu in den eigenen vier Wänden gekommen. Sie sah ihren Enkeln zu, wie sie ein Geschenk nach dem anderen auspackten und beiseite stellten, um sich dem nächsten Päckchen zu widmen. Wie würde der Heiligabend bei den Kindern aussehen, die nicht so reichlich beschenkt würden, in den Familien, wo das Geld gerade mal soweit reicht, die Familie Monat für Monat zu ernähren? "Ein trauriges Weihnachten", dachte sie sich. Fortan wurde sie den Gedanken nicht mehr los: "Hier muss ich etwas tun!"

Gleich Partner gefunden

Im September des darauffolgen Jahres hatte sie dann die zündende Idee. Inspiriert vom Weihnachtsbaum im Weidener Rathaus, an dem Glücksengel hingen, erfand sie für das Stiftland die "Aktion Glückssterne". Partner fand sie sofort in den Banken der Region und bei den sieben Bürgermeistern der dazugehörenden Orte. Vom Kinderschutzbund unterstützten sie vier Helferinnen, heute stehen neun zur Verfügung. Seither sind in 13 Bankhäusern die Christbäume mit Glückssternen behängt.

Immer am Montag nach dem ersten Advent werden die Bäume im Beisein der Bürgermeister, die als Schirmherren die Aktion im eigenen Ort vertreten, mit Glückssternen geschmückt. Menschen, die bedürftigen Kindern helfen wollen, nehmen sich einen oder auch mehrere Sterne vom Baum.

Darauf steht der Vorname des Kindes und dessen Wunsch, der in etwa 20 Euro in Geld wert ist. Der Spender kauft das Wunschgeschenk, verpackt es in Weihnachtspapier und gibt es zusammen mit dem Stern wieder bei der gleichen Bank ab. "Viele Spender geben auch mehr als 20 Euro aus." Etwa eine Woche vor Weihnachten holen die Helfer die Päckchen ab und übergeben sie entweder bei gemeinsamen Feiern oder den Eltern. Das betroffene Kind findet dann sein Wunschgeschenk zu Hause unter dem Christbaum. Als Helfer stehen dabei unter anderem die Caritas, das Jugendamt, die Tafel, das Rote Kreuz, die Lebenshilfe, die Schwangerenberatung und auch "Donum Vitae" zur Verfügung.

1600 Kinder beschert

Bleiben tatsächlich mal ein paar Sterne verwaist am Baum zurück, springen der Kinderschutzbund selbst oder die Schirmherren ein, gehen in die Geschäfte, kaufen die Geschenke, bringen sie zurück. Inge Pannrucker bekommt dafür von Privatleuten immer wieder Spenden. "Manchmal liegt bei mir im Briefkasten ein Kuvert mit einem Zwanziger und entsprechendem Hinweis", freut sie sich. Das gewährleistet, dass wirklich kein Kind bei der Aktion leer ausgeht. So haben in den zehn Jahren etwa 1600 Kinder am Heiligen Abend auch ihr eigenes Weihnachtspäckchen öffnen können.

Kasten Nährbier zum Fest

"Ein Kind wollte es gar nicht auspacken", erzählt Pannrucker, die immer wieder Rückmeldungen von Eltern oder Großeltern bekommt. Nicht weil sich der Junge nicht gefreut hatte, sondern weil ihn die Motive auf dem Weihnachtspapier so faszinierten. "Das wollte er nicht zerstören - wahrscheinlich war das überhaupt sein erstes Weihnachtsgeschenk." Ein Kind wünschte sich einen Kasten Nährbier. Als Weihnachtsgeschenk? "Es stellte sich heraus, dass das schwächliche Kind im Krankenhaus mit diesem Getränk wieder aufgepäppelt worden war. Zuhause reichte das Geld nicht für diesen Luxus."

Manchmal liegt bei mir im Briefkasten ein Kuvert mit einem Zwanziger und entsprechendem Hinweis.Inge Pannrucker
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