Hospizhilfe hört auch an den Feiertagen nicht auf
Warum gerade an Weihnachten?

Während einer kleinen Weihnachtsfeier besprechen Koordinatorin Angelika Wegmann sowie die Hospizhelferinnen Marianne Dietl, Beate Wiedemann, Christine Burkhard und Inge Lehner (von links.) den Dienstplan über Weihnachten und erste Programmdetails zum Jubiläumsjahr 2017. Bild: ubb
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Tirschenreuth
24.12.2016
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Die Betreuung Sterbender hört auch in der Weihnachtszeit nicht einfach auf. Der ambulante Hospizdienst im Landkreis hilft auch über die Feiertage. Archivbild: Grüner


Ambulanter HospizdienstUnter dem Dach der Caritas wurde der ambulante Hospizdienst Tirschenreuth e 2002 gegründet, feiert 2017 also ein Jubiläum. Begonnen mit 24 Ehrenamtlichen gehören nach einem neuen Qualifizierungskurs in diesem Jahr nun insgesamt 40 Hospizhelferinnen dazu. Das jüngste Mitglied ist 23 Jahre, das älteste 76. Leider fehlen immer noch Männer. Zwar hätten sich einige interessiert, doch keiner sei bisher geblieben, so Beate Wiedemann. Im Jahr 2015 wurden 46 Sterbende im Durchschnittsalter von 84 Jahren in insgesamt 874 Einsatzstunden begleitet. Das 15-jährige Bestehen der ambulanten Hospiz Tirschenreuth im Jahr 2017 wird mit einem übers erste Halbjahr verteilten Programm gefeiert. Unter anderem ist ein Gedenkgottesdienst geplant, als kultureller Höhepunkt tritt Musiker Hubert Treml auf. Weiter wird der für Pflege und Hospiz zuständige Pfarrer Christoph Seidl von der Diözese Regensburg Tirschenreuth besuchen. Für die Hospiz-Mitglieder gibt es während des Jahres regelmäßige Gruppentreffen, Fortbildungen und Supervisionen. Die Hospizarbeit unterliegt der absoluten Schweigepflicht, jeder kann Hospiz kostenlos in Anspruch nehmen.

Neu ist seit diesem Jahr Angelika Wegmann als hauptamtliche Mitarbeiterin dabei. Sie hat ihr Büro im ersten Stock des Gebäudes der Caritas Tirschenreuth am Kirchplatz 6. Die 51-jährige Koordinatorin aus Trevesen ist immer Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 14 Uhr im Dienst. Bei Fragen oder für ein erstes Informationsgespräch kann sie jederzeit kontaktiert werden. Da Angelika Wegmann ebenfalls Hospiz im Außendienst leistet, sollte ein Besuchstermin vorher per Telefon unter 09631/798920 oder dem Hospiztelefon 0151/7430 9155 angemeldet werden. (ubb)

Von einem lieben Menschen für immer Abschied nehmen zu müssen, ist niemals leicht. Besonders bitter erscheint es, wenn ausgerechnet an Weihnachten der Tod an die Tür klopft. Aber es gibt ja den Hospizdienst.

Trost zu spenden, mit Ratschlägen zur Seite zu stehen oder die Anspannung mit organisatorischer Hilfe ein wenig zu entzerren - das ist dann die Aufgabe. Hospizdienst-Koordinatorin Angelika Wegmann, ihre ehrenamtlichen Stellvertreterinnen Marianne Dietl, Beate Wiedemann und Inge Lehner sowie die mit Kinderhospiz betraute Christine Burkhard wissen aus Erfahrung, wie angespannt die Situation werden kann, wenn alles darauf hindeutet, dass ein Familienmitglied "ausgerechnet" in der Weihnachtszeit für immer gehen wird.

"Was schlimm genug ist, wird in diesen Tagen noch extremer wahrgenommen", sagt Inge Lehner. Dazu komme noch die triste Winterstimmung, in der viele Menschen eh schon gegen Depressionen ankämpfen, ergänzt Beate Wiedemann. "In dieser besonders gefühlsgeladenen Phase wird der Tod als äußerst intensives Erlebnis durchlebt, eine enorme Doppelbelastung."

Bitterer Vorwurf

Grund genug für den ambulanten Hospizdienst, sich während der Feiertage und in der Adventszeit auf mehr Hilfe für die Angehörigen einzustellen. Dies könne durch vermehrte Betreuungs-Termine beim Sterbenden möglich gemacht werden. Oder aber die Hospizhelferinnen bieten Telefonkontakt bei jeglicher Notsituation an. "Die Angehörigen sind meist überfordert von den schier nicht mehr zu bewältigenden Aufgaben, einerseits den Sterbenden zu betreuen, aber auch der Familie ein möglichst gleiches Fest wie jedes Jahr zu ermöglichen", sagt Marianne Dietl. Da stünde schnell der bittere Vorwurf im Raum: Warum gerade an Weihnachten?

Eine berechtigte Frage, jedoch ohne Antwort. Umgekehrt, sagen die Frauen, könne diese intensive Zeit der Geburt von Jesus und des aufgehenden Lichts für Gläubige auch Trost dafür sein, den geliebten Mensch genau an diesen emotional besonders tiefen Tagen heimgehen zu lassen. Als sehr wichtig benennen die Hospizhelferinnen es, im Sterbezimmer - ob privat oder in einem Pflegeheim oder im Krankenhaus - weihnachtliches Ambiente möglich zu machen. Tradition sei bis zum letzten Atemzug Teil eines jeden Menschenlebens und sollte immer dazu gehören.

"Ich habe bei einer schwerkranken Frau im Advent ins Fenster einen roten, leuchtenden Stern gehängt. So, dass sie ihn vom Bett aus sah", berichtet Beate Wiedemann. Wenige Kleinigkeiten seien oftmals ausreichend, weiß Marianne Dietl. Sie stellte eine kleine Krippe ans Bett, um einer im Sterben liegenden Frau ein letztes Mal Weihnachten nahe zu bringen. Menschliche Ausnahmesituationen erfordern auch Ausnahme-Regelungen: Dietl erzählt von einem jungen, an Krebs erkrankten Vater. "Er wünschte sich ein Vor-Weihnachtsfest, da er sich sorgte, am richtigen Tag nicht mehr die Kraft zu haben, mit seinen Kindern den Heiligen Abend feiern zu können." Der Wunsch des Mannes konnte erfüllt werden und so wurde es ihm ein wichtiges Anliegen, sogar noch selbst die Geschenke auszusuchen.

In einem anderen Fall sei dem Sterbenden geraten worden, Weihnachtsbriefe zu schreiben. "Der Brief eines unheilbar erkrankten Menschen hat eine ganz persönliche Note. Die Kinder werden später diese Zeilen im unterschiedlichen Alter immer wieder anders lesen", berichtet Beate Wiedemann.

Damit die Hospizhelferinnen selbst nicht mit ihren eigenen Familien und Vorstellungen von Weihnachten in Konflikt geraten, aber dennoch den ihnen wichtigen Hospizdienst nachkommen können, stellen die Frauen während der Feiertage gemeinsam Dienstpläne auf, in denen eigene Wünsche berücksichtigt werden. Wie auch immer die Angehörigen dazu stehen, bestimme der Abschied von einem geliebten Menschen an Tagen wie Weihnachten das gesamte weitere Leben der verbliebenen Familie, die nun beide Ereignisse unweigerlich immer in Verbindung gebracht würden. Oft, so die Hospizfrauen, werde Weihnachten noch viele Jahre später davon überschattet.

Der Brief eines unheilbar erkrankten Menschen hat eine ganz persönliche Note.Hospiz-Helferinnen
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