28.03.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Jugendhilfe kostet immer mehr Geld

Viel Geld kostet den Landkreis die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Knapp sechs Millionen Euro Nettoausgaben sieht der neue Jugendhilfe-Haushalt vor. Landrat Wolfgang Lippert sieht verschärfte gesellschaftliche Probleme als Mitursache für die Steigerung in diesem Bereich.

Landrat Wolfgang Lippert und Jugendamtsleiter Emil Slany (rechts) weisen auf steigende Kosten der Jugendhilfe hin. Lächeln können sie, weil sie wissen, wie sinnvoll das Geld in diesem Bereich ausgegeben ist. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Sitzung des Jugendhilfeausschusses ging zügig über die Bühne. Nachdem Sabine Frank von der Kommunalen Jugendarbeit und dem Netzwerk Bündnis für Familien sowie Geschäftsführer Jürgen Preisinger vom Kreisjugendring ihre jeweiligen Jugendprogramme 2018 kurz vorgestellt hatten, war die Aufstockung der Sozialarbeitsstunden an Schulen ein Thema. Die Anträge der Mittelschulen Mitterteich, Waldsassen und Erbendorf auf Anhebung von 30 auf 35 Wochenstunden für eine Jugendsozialarbeiterin wurden einstimmig befürwortet.

Zur Vorberatung des Haushaltsentwurfs hatte Jugendamtsleiter Emil Slany umfangreiches Zahlenwerk dabei. Bei den überplanmäßigen Nettoausgaben im vorläufigen Rechnungsergebnis 2017 in Höhe von etwa 320 000 Euro handele es sich um Ausgaben für unbegleitete minderjährige Jugendliche. Diese Gelder würden dem Landkreis durch den Bezirk erstattet, kämen aber nicht so zügig wie erwartet zurück. Während im Zeitraum 2012 bis 2015 nur geringe Erhöhungen im Jugendhilfeetat zu verzeichnen waren, stiegen die Ausgaben zwischen 2016 und 2017 deutlich an. Emil Slany sprach von 1,6 Prozent mehr, wobei der Unterschied zu 2015 bereits bei 11 Prozent liege. Als Ursache nannte der Sachgebietsleiter vor allem die deutlich gestiegenen Ausgaben im Bereich der stationären und teilstationären Tagesbetreuung, aber auch im Bereich der ambulanten Hilfen, vor allem für die sozialpädagogischen Eingliederungshilfen. Diese Entwicklung werde bei der Haushaltsplanung 2018 berücksichtigt.

Größter Einzelposten im Haushalt sind die Kosten für Heimunterbringung. 1,4 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Die Kalkulation sei schwierig, da ein einziger kostenintensiver Einzelfall zusätzliche Ausgaben von rund 100 000 Euro verursachen könne, verdeutlichte der Jugendamtsleiter. Landrat Wolfgang Lippert fand die Kostensteigerung im Jugendhilfe-Etat unterm Strich einigermaßen moderat. Er habe Vergleiche zu anderen Landkreisen, man könne noch zufrieden sein. Bedenklich fand es Lippert jedoch, dass dieser Mehraufwand auf ein sich ausweitendes gesellschaftliches Problem im Jugendbereich hinweise.

Auch die Betreuung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge schlägt sich auf der Kostenseite nieder. 32 dieser Personen würden derzeit vom Kreisjugendamt betreut, untergebracht seien sie in unterschiedlichen Wohneinrichtungen, berichtete Slany. Er nannte Ausgaben von 1,4 Millionen Euro. Ob der Bezirk dieses Geld komplett erstatte, stehe noch nicht fest, da auch Volljährige darunter seien.

Schließlich informierte Slany, dass der Kreisausschuss die Gebührenordnung der Kreismusikschule geändert und die Beitragsfreiheit von Pflegekindern herausgenommen habe. Der Jugendhilfeausschuss war sich darin einig, dass auf Antrag der Pflegeeltern auf Kostenübernahme über jeden Einzelfall entschieden werden soll.

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