16.11.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Jugendhilfeausschussuneins über "Revolution Train" Schockierendes Thema

Am "Revolution Train" scheiden sich im Landkreis die Geister. Während die einen darin neuen sinnvollen Ansatz zur Drogenprävention sehen, möchten die anderen lieber mehr Geld in bestehende Maßnahmen investieren.

Basis-Station des "Revolution Train" ist der Bahnhof Prag-Dejvice. Von dort aus geht der Zug, der auf Schockwirkung und Abschreckung setzt, in regelmäßigen Intervallen auf Tour. Hier ein Blick in den Waggon, der zeigt, in welches Umfeld Drogenabhängige oft abgleiten. Bild: exb/Revolution Train
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Landrat Wolfgang Lippert setzte die Möglichkeit, den Zug für ein paar Tage zu buchen, im Jugendhilfeausschuss auf die Tagesordnung. Peter Gold vom Kreisjugendamt hatte den "Revolution Train", der auf Schockwirkung und Abschreckung setzt, in Annaberg-Buchholz zusammen mit Rektor Wilhelm Trisl von der Mittelschule Tirschenreuth und dem Tirschenreuther Polizeiinspektionsleiter Werner Schönfelder vorab besucht und auch an einer Info-Veranstaltung zu diesem Projekt teilgenommen.

Gold berichtete, dass bei den Schülern diese "durchaus interessante Art der Themenbehandlung" gut angekommen sei, doch es gebe auch etliche Kritikpunkte. Schulpädagogische Ansätze seien wenig berücksichtigt, der Aufwand groß und auch die Kosten enorm. Pro Tag koste der Zug etwa 10 000 Euro, die zumeist über Sponsoren abgedeckt würden. Bei acht Tagen seien dies immerhin 80 000 Euro, rechnete Gold vor. Hinzu kämen noch Fahrtkosten, um die Klassen zum Zug zu bringen, in den pro Tag etwa 450 Schüler einsteigen könnten.

Da es im nächsten Jahr einen weiterentwickelten "Revolution Train 2.0" geben soll, schlug Gold vor, die neue Konzeption vor einer Entscheidung abzuwarten. Unabhängig davon solle die umfassende intensive Drogen-Präventivarbeit in Schulen und in anderen Bereichen fortgesetzt werden, meinte Gold. Den Vorschlag, die Entscheidung zu vertagen, fand der Landrat gut, zumal er von Kollegen in Schwandorf und Wunsiedel sehr positive Reaktionen auf das Angebot gehört hatte. Und wenn schon mal aus Tschechien eine Aktion gegen Drogen komme, dann solle man die aufgreifen, meinte Lippert. Auch Jugendrichter Wolfgang Höreth zeigte sich vom "neuen Ansatz" recht angetan und deutete an, dass er sich durchaus für so eine Maßnahme erwärmen könnte.

Ganz im Gegensatz zu Vorsitzendem Jürgen Preisinger vom Kreisjugendring. Die Kosten seien viel zu hoch. "Was wir mit dem Geld alles machen könnten ..." Es gebe in der Region viele Projekte und Netzwerke, wie "Need no speed", die nachhaltiger angelegt seien. Auch wenn der "Revolution Train" über Sponsorengelder finanziert werde, bekomme dies unter Umständen der Kreisjugendring bei eigenen Aktionen indirekt zu spüren, wenn das Budget von Sponsoren vorzeitig ausgeschöpft sei.

Der Landrat räumte zwar ein, dass auf verschiedenen Ebenen bei der Drogenprävention im Landkreis "Sensationelles läuft". Trotzdem möchte er über den "Revolution Train" noch einmal diskutieren, wenn die Version 2.0 auf die Schiene gebracht wird.

"Revolution Train"

Der "Revolution Train" setzt auf Schockwirkung und Abschreckung. Das Projekt besteht aus sechs Waggons, die teilweise zu multimedialen interaktiven Sälen umgebaut sind. Darin erleben die Besucher mit multimedialen Elementen eine Geschichte über die Ursprünge, Entwicklung und Folgen einer Drogensucht. Die Besucher kommen in ein Drogennest, ein Gefängnis, durchqueren den Untersuchungsraum einer Polizeistation und werden mit einem Autounfall infolge von Drogenmissbrauch konfrontiert.

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