31.08.2017 - 18:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Klaus Arbter feiert 80. Geburtstag Streiter für Natur und Heimat

Für eine intakte Umwelt hat Klaus Arbter wie Don Quichotte oft gegen Windmühlen gekämpft. Im Gegensatz zum Mann aus La Mancha hat er aber so manchen Sieg eingefahren. Am Freitag, 1. September, feiert der Streiter für Natur und Landschaft 80. Geburtstag.

Seit 30 Jahren reist Klaus Arbter mit seinem Wohnmobil kreuz und quer durch Europa. Auch heute geht er damit immer noch auf so manche Entdeckungsreise. Obwohl die Strecken jetzt kürzer seien. gebe es noch jede Menge zu entdecken, schwärmt Arbter von den Fahrten. Bilder: tr (3)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Immer noch legt er sich gerne mit "Windmühlen" an. So bezeichnet er Windkraftanlagen und betont, dass er kein Windkraftgegner ist. Strikt dagegen sei er aber, dass die modernen "Windmühlen" in Gegenden aufgestellt werden, wo sie die Landschaft verschandeln. "Es gibt genug Landstriche in Deutschland, wo Windräder keinen optischen Schaden verursachen." Arbter war Mitbegründer des Oberpfalzvereins. Zuerst in Weiden, dann als Vorsitzender der Ortsgruppe Tirschenreuth. Anfangs setzten sich die Streiter für die Umwelt gegen allzu drastische Flurbereinigungsmaßnahmen und die Zerstörung der Dorf-, Haus und Agrarlandschaften ein. Den größten Erfolg erzielte Klaus Arbter mit seinem Verein 1970 mit der Verhinderung des Stausees, der in Gumpen geplant war und ähnliche Ausmaße haben sollte wie der Schliersee. "Nach dem ersten Jahr einsamen Kampfes riefen wir den Bund Naturschutz zu Hilfe." Es wurde eine Pressefahrt mit dem damaligen Vorsitzenden Hubert Weinzierl, dem heutigen Vorsitzenden Hubert Weiger und dem Landesgeschäftsführer Helmut Steininger organisiert, 30 Journalisten aus ganz Bayern waren der Einladung gefolgt und ließen sich an Ort und Stelle informieren. "Das war grandios, das Wetter war perfekt, in Gumpen kreisten die Störche über uns. Ich bin ein gläubiger Mensch und mir sicher, das war kein Zufall. Seitenweise berichteten die Medien über das Vorhaben und die Widerstände der Naturschützer. Es kam zum Prozess, und die Richter urteilten zugunsten der Natur. Acht Jahre meines Lebens habe ich gegen den Stausee Gumpen gekämpft."

Aus dem Ost-Sudetenland

Geboren wurde Klaus Arbter in Römerstadt. Der Ort im östlichen Sudetenland im Altvatergebirge heißt heute Rýmarov. Dort praktizierte sein Vater als Zahnarzt und praktischer Arzt. Im Februar 1946 wurde die Familie vertrieben und landete in Schweinfurt. Sechs Wochen lebten Klaus, sein Bruder Hans-Jürgen und die Eltern in einem riesigen Betonbunker mit mehreren hundert Flüchtlingen. Die nächste Station führte die Familie nach Gerolzhofen am Rande des Steigerwaldes, bevor es weiter nach Traustadt ging.

Der Vater hat im Nachbarort Donnersdorf seine erste Praxis in Deutschland betrieben. In der eigenen Wohnung. Dafür wurde ein Zimmer als Praxis abgezwackt und der Hausflur war quasi das Wartenzimmer. Klaus Arbter besuchte damals das Gymnasium in Schweinfurt. Kurz vor Ende des zweiten Schuljahres bekam der Vater eine Zulassung in Weiden und eröffnete dort seine Praxis in der Frauenrichter Straße. Klaus wechsele 1950 an die Oberrealschule, dem heutigen Kepler-Gymnasium. Sein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder stieg später in die Fußstapfen des Vaters und wurde Zahnarzt. Als Klaus Arbter vor der Berufswahl stand, wusste er eines ganz gewiss: "Für Medizin bin ich viel zu sensibel, ich könnte niemals einen Frosch, geschweige denn einen menschlichen Leichnam sezieren." Er studiert Biologie, Chemie und Geografie. In Geografie promovierte er 1972. In seiner Zulassungsarbeit befasste er sich mit dem Thema, "monoindustriell geprägte Orte im Grenzland am Beispiel Bärnau".

Klaus Arbter ist von jeher überzeugter Katholik. Er schreibt das vor allem seiner Mitgliedschaft in der Congregatio Mariana (MC) im Kepler-Gymnasium zu. Im Studium gehörte er der katholischen Bewegung nicht farbentragender Studenten an. "Die Mitgliedschaften dieser erzkatholischen Gruppierungen haben mich sicher geprägt." Seine Lehrerlaufbahn beginnt im Bayreuther Graf-Münster-Gymnasium. 1965 trat er seinen Dienst im Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth an und blieb dort 37 Jahre bis zur Pensionierung.

Zwei Söhne

1976 heiratete er seine 14 Jahre jüngere Ehefrau Christa. Heute gehören noch zwei Söhne zur Familie. Klaus ist mit 39 Jahren der Jüngere und berufsmäßig der Arbter Zahnarztdynastie treu geblieben. Der 41-jährige Michael tut es dem Vater gleich und ist Lehrer an der Mädchenrealschule Waldsassen. Klaus Arbters ganzer Stolz ist die zweieinhalbjährige Enkelin Mathilda. Und noch etwas gibt es, das er nicht missen möchte und das ihm schon seit 30 Jahren treue Dienste leistet: seinen VW-Bus, mit dem er zahllose Reisen durch Europa unternommen hat. "Ich bin immer nur Nebenstraßen gefahren und habe deshalb die besuchten Ziele wirklich kennengelernt. Eine Kamera hat ihn immer auf seinen Reisen begleitet. Die Fotografie ist eine weitere Leidenschaft, der Arbter seit der frühesten Jugend frönt. "Bei meinen Bildern geht es in der Hauptsache immer um Ästhetik." Auch heute hat er stets die Kamera dabei, wenn er unterwegs ist. An seinen Reisen lässt er mit seinen Diavorträgen auch die Öffentlichkeit teilhaben.

Kunst und Kultur

Politisch hat Klaus Arbter ebenfalls Spuren hinterlassen. Seit 1974 schlägt sein Herz für die CSU. "Klar als überzeugter MC-ler. Ich war aber nie ein Strauß-Anhänger, war immer gegen Kernkraft." Klaus Arbter war im Stadtrat und gehörte ab 1978 stolze 36 Jahre lang dem Kreistag an. 2014 hat er all seine Ämter niedergelegt. In seiner Freizeit, schmökert der Jubilar gern in seiner umfangreichen Kunst-Bildband-Sammlung. "Ich mag Kunst und Kultur - alles was schön ist." Musik mag er klassisch. Allen voran die Symphonie Nummer 9 "Aus der neuen Welt" von Antonín Dvorák. Aber auch mit den Beatles kann er durchaus was anfangen oder mit Harry Belafonte, singt der doch über seine Enkelin "Mathilda".

Acht Jahre meines Lebens habe ich gegen den Stausee Gumpen gekämpftKlaus Arbter
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