20.02.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Landkreis-Betten sehr begehrt

Mehr als 1,1 Millionen Übernachtungen im Oberpfälzer Wald - darüber jubeln die Touristiker. Erheblichen Anteil am Erfolg haben die Gastgeber aus dem Landkreis Tirschenreuth. Gut ein Drittel der Gäste landet im nördlichsten Gebiet der Marketing-Gemeinschaft.

Uraltes Gestein und moderne Kunst schließen sich nicht aus, wie die Bronzefigur "Mutter Erde" an der Burgruine Weißenstein beweist. Viele solcher lohnenswerter Ziele locken immer mehr Übernachtungsgäste in den Landkreis. Bild: tr
von Michaela Kraus Kontakt Profil

"Ich freue mich riesig für die Gastgeber", beurteilt Stephanie Wenisch die neuesten Zahlen (wir berichteten). Die Fachfrau leitet die Tourismusabteilung am Landratsamt und sieht das Bemühen von Erfolg gekrönt, die Qualität der Quartiere zu steigern. "Das sind die stärksten Zuwachsraten seit Jahren", kommentiert Wenisch den jüngsten Anstieg um 13 Prozent auf exakt 381 478 Übernachtungen in gewerblichen Betrieben im Landkreis im Jahr 2017. Schon in den beiden Vorjahren gab es einen Zuwachs von jeweils rund 10 Prozent.

Einen ganz wesentlichen Grund für die Entwicklung benennt die Tourismus-Chefin des Landkreises: "Das Sibyllenbad läuft nach dem Umbau wieder." Auch das neue Hotel "Pyramide" neben dem Kurmittelhaus wirke sich aus, ebenso das Hotel "Aribo" in Erbendorf. Positiv sei die Sanierung etlicher älterer Betriebe, lobt Stephanie Wenisch. Den konstanten Gästezuwachs wertet sie als Anerkennung für die größeren Häuser, vergisst dabei aber nicht den Einsatz vieler kleinerer Quartiergeber. Denn die tauchen in der amtlichen Statistik gar nicht auf, würden aber die Zahlen um ein weiteres Drittel vergrößern, schätzt Wenisch.

Ab zehn Betten

Unbestritten ist, dass die Sibyllenbad-Gemeinde Neualbenreuth seit vielen Jahren landkreisweit die meisten Übernachtungsgäste im Landkreis hat. Aber wie oft waren die Betten 2017 denn nun belegt? Das hat sich der eine oder andere Leser nach der Lektüre der NT-Montagausgabe gefragt. Im Bericht der Gäste-Info Neualbenreuth bei der Gemeinderatssitzung ("Aufwärtstrend im Tourismus hält an") war die Rede von 106 581 Übernachtungen. Ein paar Seiten weiter waren die Zahlen aus dem Oberpfälzer Wald veröffentlicht ("Heiß auf die Oberpfalz"). In diesem Bericht waren "nur" 90 431 Übernachtungen für Neualbenreuth genannt. Und es stimmt - beides. "In den Zahlen aus dem Oberpfälzer Wald sind nur die Betriebe mit zehn oder mehr Betten berücksichtigt", klärt Stephanie Wenisch auf. Sie weiß, dass kleinere Betriebe keine Verpflichtung haben, ihre Zahlen ans statistische Landesamt zu melden. Demzufolge gehen die rund 16 000 Übernachtungen Unterschied auf das Konto der privaten Vermieter in der Gemeinde Neualbenreuth. Entsprechende Melde-Moral vorausgesetzt, sind diese Zahlen relativ zuverlässig, verweist Wenisch auf Gästekarte und Kurbeitrag als Zähl-Instrument: "Die meisten Orte haben so etwas ja nicht."

Ein Drittel "Dunkelziffer"

Die Tourist-Infos täten zwar ihr Bestes, auch die Auslastung der kleinen Betriebe zu erfassen. Doch dieser im Landkreis Tirschenreuth insgesamt doch recht bedeutsame Sektor sei eher schlecht ausgeleuchtet. "Im Oberpfälzer Wald gehen wir davon aus, dass zu den gewerblich gemeldeten Zahlen noch ein Drittel Übernachtungen in privaten Betrieben kommen", nennt Wenisch eine Größenordnung. Zu den 381 478 im Bericht gemeldeten Übernachtungen, die auf den Landkreis Tirschenreuth entfielen, käme also eine entsprechende "Dunkelziffer", die nicht in der Statistik auftaucht.

Die Übernachtungszahlen aus einzelnen Gemeinden miteinander zu vergleichen, ist aus weiteren Gründen nicht ganz einfach. Zum einen sind nur staatlich anerkannte Erholungsorte wie Fuchsmühl, Plößberg und Friedenfels zur genaueren Erfassung der Gästezahlen verpflichtet. Andere Gemeinden verfügen über keinen einzigen Betrieb über zehn Betten - oder nur über einen oder zwei, die dann in der Statistik leicht eindeutig identifizierbar wären. "In solchen Fällen werden keine gewerblichen Zahlen aus dem Ort veröffentlicht, sondern nur am Ende der Landkreissumme zugeschlagen", informiert die Sachgebietsleiterin am Landratsamt. Aber egal, wie sich die Übernachtungszahlen zusammensetzen: "Sowohl privat als auch gewerblich haben wir ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns", gibt Wenisch das Kompliment an die Quartiergeber weiter.

Gesundes Wachstum

Zu den Pluspunkten im Landkreis zählten nicht nur die besonders markanten Ziele wie Kloster Waldsassen, Geschichtspark Bärnau oder Himmelsleiter. "Wir haben hier ein flächiges Angebot mit vielen kleineren Highlights", nennt die Tourismus-Managerin des Landkreises Kleinode wie das Waldhaus, die Burgruine Weißenstein, die Glasschleif oder die Zoiglstuben. "Zum Radeln oder Wandern braucht man auch Ziele, und die haben wir", ist Stephanie Wenisch überzeugt. Für 2018 hofft sie auf ein weiteres gesundes Wachstum der Touristenzahlen: "Das muss nicht immer so rasant sein. Hauptsache, die Betriebe kommen mit."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.