23.03.2018 - 17:18 Uhr
Tirschenreuth

Lichtverschmutzung beeinträchtigt nicht nur Sternwarten Schattenseiten des Lichts

Geht es nach Peter Postler, sollen die Nächte im Landkreis wieder dunkler werden. Denn dem Leiter der Gerhard-Franz-Sternwarte in Tirschenreuth ist die Lichtverschmutzung ein Dorn im Auge.

von Martin Maier Kontakt Profil

Das Problem ist in Siedlungsgebieten auf der ganzen Welt zu beobachten: Lichtverschmutzung, manche sprechen auch von Lichtimmissionen oder sogar Lichtsmog. Dies bedeutet, dass es immer mehr Lampen gibt und nicht mehr richtig dunkel wird.

"Dabei spielt die Umstellung auf LEDs eine Rolle", erklärt Postler. Zum einen seien sie heller, und zum andern würde in vielen Fällen die Energieeinsparung überkompensiert, weil nun Gebäude beleuchtet werden, die früher im Dunkeln blieben. Der Einspareffekt verpuffe somit.

Die Lichtverschmutzung habe Folgen für Menschen und Natur. Mit Blick auf die Astronomie spricht Peter Postler vom "Raub des Kulturguts ,dunkler Sternenhimmel'". "Oft sind wegen der vielen Lichtquellen die Sterne nicht mehr sichtbar. Sie ertrinken in der Lichtersuppe." Damit hätten auch viele Sternwarten zu kämpfen.

Milchstraße zu sehen immer schwieriger

Es gebe keine Möglichkeit der Filterung. Zwar könne man mit dem Teleskop noch den Mond und die Planeten sehen, Sternhaufen oder Galaxien würden aber nur noch als unscheinbare milchige Flecken erscheinen. Plätze, an denen die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen sind, werde immer schwieriger zu finden. Darauf will der Tirschenreuther auch beim Tag der Astronomie hinweisen (Infokasten ).

Aber es gibt noch gravierendere Probleme. Der 51-Jährige verweist auf gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Menschen. So werde das Ruhe-Hormon Melatonin nur bei Dunkelheit produziert. Weniger Melatonin bedeute schlechteren Schlaf und mehr Stress. Das könne das Immunsystem schwächen und die Gesundheit beeinträchtigen.

Die Beleuchtung würde auch nachtaktive Tiere in die immer kleiner werdenden Dunkelgebiete verdrängen. Zudem würden sich Insekten an den künstlichen Lichtquellen orientieren. "Sie fliegen diese zwanghaft an, bis sie vor Erschöpfung verenden oder verbrennen." Auch komme es zur Desorientierung von Zugvögeln, da sie ihre Flugrouten nicht mehr finden. Das Licht bringt das Ökosystem aus dem Gleichgewicht.

Politiker sensibilisieren

Postler ist es daher ein Anliegen, Politiker für dieses Problem zu sensibilisieren. Bei Straßenbeleuchtungen sei es wichtig, dass das Licht von oben nach unten abstrahlt und nur die Straßen beleuchte. Als Stichworte nennt er Abschirmung und gezielte Lichtlenkung. "Es wird noch immer auf die falschen Lampen mit zu hohem Weißlichtanteil umgestellt", kritisiert er. Wichtig sei die richtige Farbtemperatur. Diese liege zwischen 2000 und 2700 Kelvin. Zudem sei es sinnvoll, das Licht zu bestimmten Zeiten aubzudimmen.

In Deutschland habe beispielsweise Stuttgart seine Bauvorschrift geändert, um die Lichtverschmutzung einzudämmen. Eine angepasste Beleuchtung, die mit Energieeinsparung und Verminderung des Lichtsmogs einhergeht, sollte das Ziel bei der Umrüstung von Straßenbeleuchtungen sein. Als positives Beispiel verweist der Tirschenreuther auf Tschechien, das erste Land in Europa, das 2002 ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung erlassen hat.

Postler macht auch auf das Interreg-Projekt "Lichtverschmutzung - gemeinsames Verfahren" aufmerksam. Dabei arbeitet der Naturpark Bayerischer Wald mit dem tschechischen Partner "Aktivity pro" zusammen. Sie wollen Methoden entwickeln, um Lichtverschmutzung zu vermeiden und einzudämmen. Wichtig ist ihnen zudem, die Bevölkerung zu informieren. In den nächsten Monaten will Postler das Gespräch mit den Bürgermeistern des Landkreises suchen und sie auf die Probleme hinweisen. Sein Endziel: Die Ausweisung eines "Dark Sky"-Parks nach dem Beispiel des Biosphärenreservats Rhön.

Dies ist laut dem 51-Jährigen ein Lichtschutzgebiet, in der nächtliche Dunkelheit durch sehr geringfügige Lichtverschmutzung als Schutzgut gesehen wird. Damit hätten sie auch auf der Sternwarte in Tirschenreuth wieder vollen Durchblick.

Astronomietag in der Gerhard-Franz-Sternwarte

Der Astronomietag wird am Samstag, 24. März, bundesweit an 190 öffentlichen Sternwarten und astronomischen Gesellschaften/Instituten veranstaltet. Das Thema lautet "Das geheime Leben der Sterne". "Es geht darum, die Leute an die Astronomie heranzuführen und neugierig zu machen", erklärt Peter Postler, Leiter der Gerhard-Franz-Sternwarte in Tirschenreuth. Astronomie sei nicht nur für Mathematiker und Physiker, sondern auch für Naturfreunde interessant.

Die Sternwarte in der Kreisstadt startet am Samstag um 15 Uhr mit ihrem Programm. Angeboten werden das Beobachten der Sonne im Weißlicht und im Licht des roten Wasserstoffs . "Mit einem Spezialteleskop können wir die Protuberanzen einfangen", weist Postler hin. Dies sind Materieströme, die man am Sonnenrand als matt leuchtende Bögen beobachten kann. "Wenn der Himmel schön blau ist, können wir auch hellere Sterne am Taghimmel betrachten ." Je nach Andrang werden auch immer wieder Vorträge eingestreut (unter anderem zu den Themen "Das geheime Leben der Sterne" und Lichtverschmutzung).

Das Nachtprogramm beginnt um 20 Uhr. Dabei steht die Beobachtung des Himmels an den Teleskopen der Sternwarte im Mittelpunkt. Als Beispiele nennt Postler die zunehmende Mondsichel, am Osthorizont den Jupiter mit seinen Galileischen Monden und die ersten Frühjahrssternbilder (beispielsweise Löwe, Großer Bär und Jungfrau). "Im Freien können wir dann auch die Sternbilder mit einem starken Laserpointer erklären." Voraussetzung ist bei allen Programmpunkten ein klarer Himmel. Bei schlechtem Wetter gibt es tagsüber wie auch abends umfangreiche Vorträge. Offizielles Ende ist um 23 Uhr. Aber laut Postler geht es bei entsprechendem Interesse bestimmt auch länger.

Jeder Bürger könne sich an diesem Tag über Astronomie informieren sowie Rat suchen, wenn es mit den eigenen Teleskopen Probleme gibt. (rti)

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Weitere Informationen: www.sternwarte-tirschenreuth.de

www.astronomietag.de

Oft sind wegen der vielen Lichtquellen die Sterne nicht mehr sichtbar. Sie ertrinken in der Lichtersuppe.Peter Postler, Leiter der Gerhard-Franz-Sternwarte

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