Luchs im Fichtelgebirge gefangen
Ein Skandinavier ohne Scheu

Luchse aus Ostbayern, wie der im Freigehege des Nationalparks Bayerischer Wald fotografierte Vertreter, weisen eine ausgeprägte Fleckung auf. Der jetzt im Fichtelgebirge gefangene Skandinavier dagegen hat ein meliertes Fell. Bild: bz
Vermischtes
Tirschenreuth
10.01.2017
1807
0

Luchse sind eigentlich nacht- und dämmerungsaktiv. Tagsüber schlafen sie gern. So auch das Tier, das jetzt im südlichen Fichtelgebirge entdeckt worden ist. Auf dem Dach eines Schafstalls.

Eckard Mickisch betreibt nicht nur den Greifvogelpark Katharinenberg in Wunsiedel, sondern auch den Wildpark Mehlmeisel. Und er kennt sich aus mit der großen Raubkatze. Schließlich zählt "Pinselohr" mit zu den Besucher-Attraktionen oben am Waldhaus.

Keine Scheu vor Menschen zeigte auch der Luchs, den Mickisch laut Bericht der Mittelbayerischen Zeitung jetzt betäubt hat, damit die Experten des Landesamtes für Umwelt (LfU) das Tier einfangen und in eine artgerechte Einrichtung bringen konnten. Dort soll der Kuder näher untersucht werden. Die Ergebnisse will das LfU in etwa zwei Wochen präsentieren.

Jedenfalls weiß man schon jetzt, dass es sich nicht um "Wutzerl" handelt. Die Luchsin war als Jungtier verwaist im Bayerischen Wald gefangen und dann auf ein Leben in Freiheit vorbereitet worden. Das Weibchen ist dann vergangenen August im Steinwald freigelassen worden und fühlt sich nach den bisherigen Erkenntnissen sehr wohl in seiner neuen Heimat. Das jetzt gefangene Tier dagegen ist männlich, ausgewachsen und wird von den Experten allein schon wegen der melierten Fellfärbung dem skandinavischen Typus zugerechnet. Die ostbayerischen Artgenossen zeichnet dagegen eher eine ausgeprägte Fleckung aus.

Während "Wutzerl" also ein Wildfang ist, könnte es sich um den Kuder durchaus auch um ein ausgesetztes Tier handeln. Die Vermutung wird von der Tatsache gestärkt, dass es Eckard Mickisch bis auf wenige Meter an sich herangelassen hat. "Erst dann hat es mich angeknurrt, um seine Beute, ein Schaf, zu verteidigen", zitiert die MZ den Wildparkbetreiber. Warum das so ist, darüber wird nun heftig spekuliert.

Vielleicht hat sich das Luchs-Männchen wegen des strengen Frosts der vergangenen Tage und der leichter zu jagenden Beute in die Nähe von Siedlungen und Nutztieren gewagt. Möglicherweise aber ist der Kuder von Menschen aufgezogen oder gehalten worden. Das wäre dann allerdings problematisch für eine spätere Freilassung. Denn so geprägte Tiere wissen, dass es in Menschennähe Futter gibt. Deshalb warnt das Landesamt für Umwelt auch davor, Luchse zu füttern. "Sie lernen schnell." Die Katze mit dem Stummelschwanz ist nicht gerade als ausdauernd bekannt. Als Ansitz- und Pirschjäger vertraut sie auf ihre Tarnfärbung und setzt beim Beutemachen vielmehr auf den Überraschungseffekt. Pro Woche benötigt "Pinselohr" etwa ein Reh. Laut LfU sind in einem einjährigen Monitoring in ganz Bayern 29 selbstständige Luchse sowie 11 Junge nachgewiesen worden. 12 davon waren auch grenzüberschreitend in Tschechien und Oberösterreich unterwegs.

Außerhalb des Bayerischen Waldes und der südlichen Oberpfalz hat sich der Luchs nicht etabliert. Die letzten Nachweise aus dem Fichtelgebirge stammen von 2008 - das Vorkommen gilt deshalb als erloschen. Einzelnachweise stammen wahrscheinlich von aus dem Bayerischen Wald abwandernden Männchen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.