Magen-Darm-Virus grassiert im Stiftland
Seife und Wasser gegen Noro

Vermischtes
Tirschenreuth
29.12.2016
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Eben noch qietschfidel und plötzlich sterbenskrank. Von einer Sekunde auf die andere. Seit Wochen grassiert im Stiftland ein heftiger Magen-Darm-Virus. Und der hat's in sich.

Übelkeit, schwallartiges Erbrechen und wässriger Durchfall - die Symptome deuten schon auf den hochansteckenden Norovirus hin. Auch wenn die offiziellen Zahlen bislang keine konkreten Aussagen zulassen. Von acht Fällen im Dezember berichtet das Tirschenreuther Gesundheitsamt. "Und das ist zu dieser Jahreszeit eigentlich nicht außergewöhnlich", wie Pressesprecher Walter Brucker weiß.

Norovirus-Erkrankungen sind zwar meldepflichtig. Dazu bedarf es aber erst eines direkten Nachweises durch ein Labor. Sprich: Eine Stuhlprobe muss untersucht werden. Gerade daran hapert es vielleicht. So heftig Magen und Darm auch rebellieren, Bauch und Kopf schmerzen, der ganze Mensch sich schwach fühlt - meist klingen die Beschwerden nach ein oder zwei Tagen wieder ab. Und der Betroffene schiebt es auf eine Bauchgrippe und geht nicht zum Arzt.

Sollte er aber. Denn der Norovirus ist ein besonders aggressiver Geselle, der alle Jahr zwischen Oktober und März sein Unwesen treibt. Auch Tage nach dem Abklingen der Symptome sind Erkrankte noch ansteckend. Wenige Partikel genügen und schon hat's den Nachbarn, den Arbeitskollegen oder Partner erwischt. Innerhalb weniger Stunden bricht die Erkrankung meist aus.

Desinfektionsmittel gegen Virus

In Alten- und Pflegeheimen nistet sich der Erreger besonders gerne ein. Auch Krankenhäuser sind oft betroffen. "Bisher sind wir aber weitgehend verschont geblieben", erzählt Claudia Kost, die Leiterin des Tirschenreuther Krankenhauses. "Das war jetzt heuer schon extrem", weiß dagegen Schwester Simona vom Elisabethenverein. Nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei den Mitarbeitern. "Die Krankmeldungen sind nahezu explodiert." Verstärkt aufgetreten sind "Noroviren-Symptome" in der Realschule Waldsassen. Allerdings gab es keinen einzigen Stuhlbefund, ist also nicht ganz klar, welcher Erreger letztendlich sein Unwesen getrieben hat. Jedenfalls hat das Gesundheitsamt der Schule mitgeteilt, dass die Räume desinfiziert werden müssen. Wurden sie auch. Und Desinfektionsmittelspender aufgestellt. Wenn auch die Viren auf unterschiedlichste Wege übertragen werden können, am häufigsten geschieht es über die Hände. Deshalb sollten die auch immer sorgfältig mit Seife und Wasser gewaschen und mit einem sauberen Tuch abgetrocknet werden.

VerhaltensregelnNoroviren sind weltweit verbreitet und treten vor allem in den Wintermonaten auf. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt Tipps, wie man sich richtig verhält.

Erkrankte sollten sich körperlich schonen und den Kontakt mit anderen Personen möglichst einschränken.

Bei Durchfall und Erbrechen ist es wichtig, viel zu trinken. Um den Verlust von Salzen auszugleichen, kann gegebenenfalls der Einsatz von sogenannten Elektrolyt-Ersatzlösungen aus der Apotheke sinnvoll sein.Achten Sie auf leicht verdauliche Nahrung mit ausreichender Salzzufuhr.

Vor allem Kleinkinder, Schwangere, Senioren oder geschwächte Menschen sollten ärztlich behandelt werden, insbesondere wenn Durchfälle oft auftreten und/oder länger als 2 bis 3 Tage anhalten und zusätzlich Fieber oder Erbrechen hinzukommen.

Es können nur die Beschwerden gelindert werden. Antibiotika sind gegen Noroviren unwirksam. Eine Impfung gibt es bislang nicht.

Benutzen Sie, wenn möglich, eine eigene Toilette bis zu 2 Wochen nach Genesung. Waschen Sie sich stets gründlich die Hände mit Wasser und Seife!

Beseitigen Sie immer sehr zügig die Reste von Erbrochenem oder Stuhl, da diese sehr ansteckend sind. Achten Sie danach auf gründliche Händehygiene! Regelmäßiges Lüften der Räume senkt das Ansteckungsrisiko für andere Personen.

Bereiten Sie im Erkrankungsfall keine Speisen für andere zu. Geschirr kann wie üblich gereinigt werden. Wechseln Sie im Krankheitsfall Leib- und Bettwäsche, Waschlappen und Handtücher häufig und waschen Sie diese mit einem Vollwaschmittel bei mindestens 60 Grad Celsius.

Bei Noroviren gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes. Kinder unter 6 Jahren, bei denen ansteckendes Erbrechen und/oder Durchfall festgestellt wurde bzw. der Verdacht darauf besteht, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Eltern müssen die Gemeinschaftseinrichtung über die Erkrankung ihres Kindes informieren. In der Regel kann die Einrichtung erst 2 Tage nach Abklingen der Beschwerden wieder besucht werden. Den genauen Zeitpunkt bestimmt das zuständige Gesundheitsamt. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.

Vermeiden Sie auch nach Abklingen der Beschwerden mindestens für zwei Tage den Besuch von Altenheimen oder Krankenhäusern, um eine Ansteckung dort zu verhindern.
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