28.07.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Münchener Maler zeichnet Tirschenreuth-Panorama live vor Ort: Fischhofbrücke wird Postkarten-Idylle

Zwar fand der Workshop mit Aquarellmaler Jürgen Meyer-Andreaus in Nabburg statt. Dennoch gönnten sich der Meister und sein "Zögling" Rudi Jäger am Montag einen Ausflug in Jägers Heimatstadt. Gut für Tirschenreuth, der berühmte Münchener Künstler hat direkt am Stadtteich gemalt.

Rudi Jäger hat Jürgen Meyer-Andreaus (v. re.) nach Tirschenreuth gebracht. Meyer-Andreaus war begeistert vom Fischhofpark und hat sofort dort zum Malen begonnen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Sie verwenden dieselben Techniken, haben dieselbe Leidenschaft für urbane Motive und können sich beide ein Leben ohne Pinsel und Farbe nicht vorstellen: Der Aquarellmaler Rudi Jäger und sein Meister, Jürgen Meyer-Andreaus, haben vieles gemeinsam. Jetzt haben sich Rudi Jäger und sein 83-jähriges Vorbild bei einem Workshop getroffen.

Und das ist gut so. Nur deshalb gibt es seit Montag ein Aquarell mehr mit einem Motiv des Fischhofparks, diesmal aus der Hand des Müncheners. Jäger hat es geschafft, Meyer-Andreaus in seine Heimat zu locken. Der nahe gelegene Seminarort Nabburg kam ihm dabei sehr gelegen. "Und da wir am letzten Tag sowieso nur noch zwei waren, sind wir hergefahren", erzählt Meyer-Andreaus. Dabei lässt er weder die idyllische Fischhofpark-Silhouette noch seinen Zeichenblock aus den Augen. Mit ansteckender Ruhe malt er am Teich, der Brücke und dem dahinter liegenden Kirchturm. Diese fast romantisch anmutende "Szene eines Malers bei der Arbeit" lässt wiederum Rudi Jäger nicht mehr aus den Augen. Begeistert schaut er zu, verzichtet bewusst selbst aufs Malen, um seinem Meister stundenlang über die Schultern schauen zu können.

Keine Steckdose

Die Arbeit nimmt fast drei Stunden in Anspruch. Rudi Jäger genießt das sehr. Die Männer haben einen der Holzunterstände mit Seeblick "besetzt". In der Mitte wird gezeichnet, außen herum liegen Utensilien wie Farbtöpfe, Pinsel, Paletten, Wasserflaschen gegen den Durst und ein Fotoapparat. Ansonsten ist es heute hier einsam, das Wetter ist nicht das Beste. Lediglich einige Mütter und ein Urlauberpaar sind unterwegs. Ausreichend Gelegenheit für den Münchener, der bereits die halbe Welt in Aquarell gemalt hat, die Stille des Kreisstadt-Biotops ungestört zeichnerisch festzuhalten.

Während der Arbeit beginnt es heftig zu regnen. Gut, dass unter dem Dach das halbfertige Kunstwerk geschützt ist. Meyer-Andreaus springt dennoch auf. Mit der Kamera hält er die jetzt völlig veränderten Lichtverhältnisse fest. Das wirft umgehend eine Frage auf: Wie wird das Original fertiggestellt aussehen? Kriegt es die Stimmung vor oder nach dem Regen? "Das entscheide ich später", sagt der Künstler. Es wird kalt draußen, Zeit zum Aufhören für heute. "Ich habe immer einen Fön dabei, um die Farben zu trocknen", erklärt der Münchener. Dann sieht er sich um, lacht: "Nur gibt es hier keine Steckdose!" Also muss das Werk vorsichtig verpackt werden. Meyer-Andreaus nutzt das Aufräumen, um über seine Lebensleidenschaft zu resümieren.

"Jammerschade, dass Kunst heute einen derart geringen Stellenwert hat", sagt er und nimmt als Beispiel die Urlauber her. Das Paar hat sich zum Schutz vor dem Regen in den Unterstand gesetzt, aber völlig interessenlos keinen einzigen Blick auf die anwesenden Künstler geworfen. Dabei war unübersehbar, dass hier jemand malt. Meyer-Andreaus wünscht sich für die Schullehrpläne wieder mehr Kunstunterricht. Mit Zeichnen, findet der Fachmann, "kann die Liebe zur Heimat und das Interesse an Kunst bei den Kindern geweckt werden."

Ausflug zur Kappl

Rudi Jäger möchte seinen berühmten Gast mit echter Stiftländer "Kunst" beeindrucken: Die Kappl ist das nächste Ziel. Dann geht es zum Essen und zurück nach Nabburg. Jürgen Meyer-Andreaus lobt beim Gehen den herrlichen Fischhofteich. Halt, noch nicht verabschieden! Vorher muss eine letzte Frage geklärt sein: Was geschieht mit dem neuen Aquarell von Tirschenreuth? Immerhin hat es nicht irgendjemand, sondern Jürgen Meyer-Andreaus gemalt. "Das wird eine Postkarte", haben die beiden Künstlerfreunde bereits im Vorfeld entschieden. Wirklich eine tolle Idee!

Wer sich über den Aquarellisten und Architekt, der auch leidenschaftlich gerne Auftrags-Malerei für Industriearchitektur fertigt, näher informieren möchte: Infos gibt es auf www.meyer-andreaus.de

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