Mutprobe vor der Bescherung
Die „Specht“ kommt zum Heiligen Abend

Anita Schön schlüpft in Schönficht in die Rolle der "Specht". Der alte Brauch wird auch noch in einigen anderen Orten des Stiftlandes alle Jahre praktiziert. Bild: al
Vermischtes
Tirschenreuth
22.12.2016
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Obwohl dieser Brauch zeitweise als ausgestorben galt, gibt es heute noch einige Orte im nördlichen Oberpfälzer Wald, in denen an Heiligabend vor dem Christkind erst einmal noch die "Specht" kommt.

Um Schlag 12 Uhr an Heiligabend taucht die gruselige Frauengestalt auf, schaurig maskiert mit Lumpen, Stroh, einem langen Schnabel und natürlich Sichel oder Schere in der Hand. Mit dem blutrünstigen Spruch "Wetza, wetza, Bauchaufschneida" war sie vor allem in früheren Zeiten der Alptraum aller Kinder, die sie quer durch den Ort jagte. Doch ohne "Specht" kein Heiligabend, denn diese vertreibt schließlich die bösen Geister aus dem Dorf.

Daher mussten die Kinder helfen, Essensreste unter den Obstbäumen im Garten auszubringen, um die "Specht" zu besänftigen. Recht anspruchsvoll ist die grausige Dame nicht - Zwetschgenkerne oder Fischgräten sind die übliche Kost. Zusätzlich galt es für die Kinder, die Obstbäume kräftig zu schütteln. Das sollte sicherstellen, dass sie im nächsten Jahr wieder reiche Früchte tragen.

Heute ist der schaurige Brauch deutlich entschärft. Doch auch so flößen die verkleideten "Specht'n" dem Nachwuchs ordentlich Respekt ein. In Schönficht schlüpft Anita Schön in die Rolle der dämonischen Geistergestalt. Sie achtet gut darauf, die Kleinen nicht in Panik zu versetzen. Und wer sich in ihre Nähe traut, bekommt sogar eine süße Belohnung.

Die traditionelle Mutprobe vor der Bescherung wird in der BR-Abendschau am Freitag, 23. Dezember, ab 17.30 Uhr in einem kurzen Beitrag vorgestellt. Moderatorin Nicole Remann besucht die Schönfichter Specht, Anita Schön, und ihre Schwester Evi Franz, die bei den Vorbereitungen hilft.

Neben Schönficht (12 Uhr) tritt die Specht am 24. Dezember noch in folgenden Orten öffentlich auf: Konnersreuth (Therese-Neumann-Platz, 12 Uhr), Münchenreuth (13 Uhr), Pleußen (12.30 Uhr), Maiersreuth bei Neualbenreuth (13 Uhr).
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