13.01.2017 - 16:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Netzausbau erhitzt die gemüter Bauern unter Strom

Netzausbau: Kein Thema hat in den vergangenen Monaten die Gemüter mehr bewegt. Vor allem bei den Bauern. Die sehen sich als Verlierer von Ostbayernring und Südostlink. Kreisobmann Ely Eibisch und Geschäftsführer Ulrich Härtl sagen warum.

Während die Politik die Erdverkabelung als großen Erfolg feiert, schrillen bei den Landwirten die Alarmglocken. Sie befürchten gravierende Nachteile in der Bewirtschaftung, aber auch Wertverluste der Grundstücke. Archivbild: dpa
von Berthold Zeitler Kontakt Profil

"Land- und Forstwirte sowie die Grundeigentümer sind direkt mit ihrem Eigentum betroffen", macht Ely Eibisch schon mal den Standpunkt klar. "Die Bewirtschaftung wird massiv erschwert und die Flächen verlieren erheblich an Wert. Ein Grundstück mit einem Strommasten wird wohl kaum einmal Bauland werden."

Laufen die Landwirte deshalb so Sturm gegen den Netzausbau?

Ely Eibisch: Weil wir gleich dreifach betroffen sind. Ersatzneubau des Ostbayernrings, dann dessen Rückbau und schließlich noch die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Das geht über Jahre.

Der Netzbetreiber braucht doch erst einmal das Einverständnis des Eigentümers.

Eibisch: Die ersten Landwirte sind ja bereits angeschrieben und zu Einzelgesprächen geladen worden. Da weiß man, wo die Reise hingeht.

Tritt der Bauernverband nicht geschlossen auf?

Ulrich Härtl: Schon. Wir verhandeln da gerne, klären unsere Mitglieder über ihre Rechte und den ganzen Ablauf auf.

Eibisch: Aber wir können nur jemand vertreten, der sich auch von uns vertreten lassen will. Wenn jemand das selber machen will, dann können wir das auch nicht verhindern.

Die Politik feiert die Erdverkabelung als großen Erfolg.

Eibisch: Und bei uns schrillen die Alarmglocken.

Wie das?

Eibisch: Weil bei der Methode die Grundstücke am stärksten betroffen sind. Vor allem wegen der erheblichen Eingriffe in den Boden und seine Struktur. Die Bedenken der Anwohner werden auf unserem Rücken ausgetragen.

Härtl: Wir haben hier ja relativ schwierige Böden mit Granit und Felsen durchsetzt. Das bedingt große Eingriffe bei den Ausgrabungen. Und hat enorme Auswirkungen auf den Bewuchs oben drüber. Deshalb wollen wir auch ein umfassendes Bodenschutzkonzept mit einem unabhängigen Sachverständigen, der auch schon mal bei schlechter Witterung einen Baustopp verhängt.

Eibisch: Es wird wegen der Bodenerwärmung mit erhöhten Verdunstungs- und Austrocknungsraten gerechnet. Das bringt nachhaltige Veränderungen, aber weniger Ertrag. Auf jeden Fall aber einen erhöhen Arbeitsaufwand.

Härtl: Man schätzt, dass die Bodentemperatur sich um etwa ein oder zwei Grad erhöht. Klingt nach nicht viel, bedeutet aber, dass dort wachsendes Getreide viel früher reif wird. Ausfallen lassen oder ernten ist dann die Frage.

Man schätzt, dass die Bodentemperatur sich um etwa ein oder zwei Grad erhöht.Ulrich Härtl

Es gibt doch Entschädigungen?

Eibisch: Ein ganzes heißes Thema. Während der Staat den Netzbetreibern dauerhafte attraktive Renditen und den Kommunen ohne Eigentumsbezug zusätzliche Zahlungen zusichert, werden die Eigentümer der Flächen bisher mit einer Einmalzahlung abgespeist. Wir wollen einen fairen wirtschaftlichen Ausgleich. Für die Eintragung von Grunddienstbarkeiten, Maststandorte und andere Bauten, für Flur- und Aufwuchsschäden und förderrechtliche Nachteile. Aber auch für die Beeinträchtigung digitaler Systeme bei der Bewirtschaftung unserer Flächen. Und dann wollen wir eine Entschädigung für unsere Leistung. Wir Bauern stellen ja etwas zur Verfügung, nämlich unsere Grundstücke. Und das nicht nur einmal, sondern jedes Jahr.

Sie denken da also an so eine Art Maut?

Eibisch: Nein, das ist der falsche Begriff. Wiederkehrende Leistung ist besser. Wir dürfen nicht schlechter gestellt werden als Netzbetreiber und Kommunen. Man kann auch über eine jährliche Verzinsung des Grundstückswertes nachdenken, eine erneute Entschädigung nach einem bestimmten Zeitraum oder auch Beteiligungsmodelle.

Wir dürfen nicht schlechter gestellt werden als Netzbetreiber und Kommunen.Ely Eibisch

Härtl: Es macht ja immer auch der Begriff der Sozialpflichtigkeit des Eigentums die Runde. Wenn da jetzt meinetwegen eine Kommune eine Leitung verlegt, dann gehört das zum Gemeinwohl, weil das allen Bürgern zugute kommt. Aber bei einer privaten Firma wie den Netzbetreibern? Die verdienen doch daran.

Wirken sich zusätzliche Nutzungsvergütungen nicht auf den Endverbraucher aus?

Härtl: Nur marginal. Nach Berechnungen des Deutschen Bauernverbandes jährlich etwa 28,62 Cent für einen Durchschnittshaushalt.

Wie reagiert eigentlich die Politik auf die Forderungen des Bauernverbandes?

Eibisch: Sehr zurückhaltend. Ich habe da den Eindruck, dass unsere Argumente noch nicht so recht angekommen sind.

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