09.01.2018 - 18:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Neue amtliche Einwohnerzahlen für den Landkreis Tirschenreuth Ein ganzes Dorf verloren

Nach einer positiven Jahresstatistiken bei der Einwohnerentwicklung folgt nun die Ernüchterung. In der neuen Veröffentlichung des Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung verliert der Landkreis wieder: Und zwar fast 400 Einwohner in einem Jahr.

Ein Mann trägt eine Umzugskiste.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Die amtliche Statistik hinkt der tatsächlichen Entwicklung mittlerweile ein Jahr hinterher. Am Montag sind die Zahlen zum 31. Dezember 2016 veröffentlicht worden. Zu diesem Stichtag lebten im Landkreis Tirschenreuth 72 918 Männer, Frauen und Kinder. Das sind 396 weniger als noch ein Jahr davor. Das sind so viele Einwohner wie in einem Dorf in der Größe von Schwarzenbach leben.

Minus in Tirschenreuth

Den größten Einbruch hatte die Stadt Tirschenreuth zu verkraften. Mit 8787 Einwohnern ist die Kreisstadt zwar unangefochten weiter die Nummer eins im Landkreis, die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr aber um 112 zurückgegangen. Der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl hat die Entwicklung analysiert und sieht vor allem zwei Gründe für das Minus: den deutlichen Überschuss von 150 Sterbefällen gegenüber von nur 62 Geburten sowie die Umbauarbeiten im BRK-Seniorenhaus Ziegelanger, bei dem aus Doppelzimmern zeitgemäße Einzelzimmer gemacht worden sind. "Durch die Bauphase sind viele Einwohner in andere Einrichtungen umgezogen."

Wichtig ist dem Rathauschef ein Vergleich der Zuzüge mit den Wegzügen. Und da gebe es in Tirschenreuth in den vergangenen drei Jahren jeweils ein deutliches Plus von durchschnittlich 30 Personen pro Jahr. Einiges erhofft sich Stahl zudem vom neuen Baugebiet "Lindenweg II". Von den 29 Parzellen sei nur noch eine frei. 16 seien verkauft, 12 reserviert. Stahl: "Sicher ist bereits jetzt: Zehn Familien werden dort neu nach Tirschenreuth ziehen."

Mit der negativen Entwicklung steht Tirschenreuth nicht allein da. 13 andere Gemeinden mussten Verluste im zweistelligen Bereich hinnehmen, darunter Bärnau (-48), Mähring (-45), Wiesau (-36), Erbendorf (-35), Reuth (-31), Konnersreuth (-21) und Waldershof (-20).

Aber es gibt auch fünf  Kommunen im Landkreis, die sich im Jahr 2016 erfolgreich gegen den Trend gestemmt und positiv entwickelt haben. Zuwächse verzeichneten 2016 Neusorg (+2), Falkenberg (+3), Pechbrunn (+7), Waldsassen (+26), die sich als einzige Stadt im Landkreis über einen zweistelligen Zuwachs freut, und Kulmain (+31). Beatrix Rustler vom Einwohnermeldeamt Waldsassen nennt als Grund für das Plus vor allem den Zuwachs bei ausländischen Mitbürgern. Auffallend viele Asylbewerber hätten sich nach dem Auszug aus der Sammelunterkunft in Waldsassen niedergelassen. Zudem hätten auch etliche Tschechen und Vietnamesen Waldsassen als Wohnstadt entdeckt. Die Zahl der Geburten sei in jenem Jahr ebenfalls wieder auf 57 angestiegen. Allerdings gab es gleichzeitig mit 126 mehr als doppelt so viele Sterbefälle.

Damit konnte Waldsassen als zweitgrößte Stadt den Abstand zu Mitterteich, das nun 6630 Einwohner zählt (-4) sogar ausbauen. An vierter Stelle liegt weiter die ehemalige Kreisstadt Kemnath, die mit 5398 Personen (-1) den Stand fast halten konnte. Die zweite Stadt im Westen, Erbendorf, verlor hingegen 35 Einwohner und zählt nun 5115 Männer, Frauen und Kinder.

Leonberg fällt unter 1000

Keine schöne Entwicklung zeigen die Zahlen auch für Leonberg. Der Ort verlor 16 Einwohner und rutschte mit 999 Personen unter die 1000-Einwohner-Grenze. Weniger Personen gibt es im Landkreis nur in der Gemeinde Falkenberg, die sich aber mit 943 Einwohnern wenigstens über ein kleines Plus freuen kann. Die meisten Kommunen im Landkreis Tirschenreuth, nämlich 14 von 26, sind zwischen 1100 und 2000 Einwohner groß.

Der Landkreis Tirschenreuth entwickelte sich damit im Jahr 2016 entgegen den bayernweiten Trend, bei dem es neue Rekordzahlen zu feiern gibt. Ebenso wie der Nachbarlandkreis Neustadt, der ein Defizit von 550 Menschen zu verkraften hat und nun noch 94 528 Personen zählt.

Im Tirschenreuther Landratsamt verfolgt man diese Zahlenspiele mit Gelassenheit. Denn schon die nächste Statistik wird laut Pressesprecher Walter Brucker wieder positiver aussehen. Dem Landratsamt liegen bereits Meldungen der Kommunen für 30. Juni 2017 vor. Hier zeichnet sich wieder "ein geringfügiges Plus" ab.

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