28.12.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Polizeihauptkommissar Hermann Weiß übernimmt Leitung der PI Neustadt/WN Heute Stellvertreter, morgen Chef

Am 31. Dezember ist offiziell der letzte Arbeitstag für Polizeihauptkommissar Hermann Weiß in der Polizeiinspektion (PI) Tirschenreuth. Hier war er sieben Jahre lang stellvertretender Leiter. Ab Januar besetzt er den Chefposten in Neustadt/WN und folgt dort Werner Hanauer nach.

Hermann Weiß ist der neue Chef der PI Neustadt Waldnaab. Bild: Grüner
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Schon für den Chefposten in Tirschenreuth hatte sich der 55-Jährige seinerzeit beworben. Damals machte aber Werner Schönfelder das Rennen im harten Auswahlverfahren. Hermann Weiß wollte noch nie etwas anderes werden als Polizist, erzählt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Daran sei ein ehemaliger Nachbar, der Polizist war, nicht ganz unschuldig.

"Für mich war immer klar, ich gehe zur Polizei oder ich werde Buchhändler." Denn neben seiner großen Liebe zur Polizeifamilie ist Weiß fasziniert von Büchern aller Art. Er ist mit Ehefrau Lisa verheiratet und hat einen 24-jährigen Sohn, der ebenfalls im Polizeidienst unterwegs ist und eine 21-jährige Tochter, die studiert.

Nach der mittleren Reife, die Weiß in Weiden abgeschlossen hatte, überbrückte er ein Jahr Wartezeit und jobbte in der Porzellanfabrik Seltmann. Zuletzt in der Gießerei. "Ich weiß genau wie Teller und Tassen hergestellt werden", sagt er. 1980 erfolgte die Einstellung bei der Bereitschaftspolizei (BePo) in Nürnberg, dem Ort, in dem praktisch alle bayerischen Polizeibeamten ihre Ausbildung erhalten. Drei Jahre plus ein halbes Jahr Einsatzstufe bei der BePo, dann war Weiß ausgebildeter Polizeibeamter mit allen Rechten und Pflichten, die das Berufsbild vorsieht.

Laufbahnwechsel

"Ich wusste damals, dass es keinen Sinn machte sich für die Oberpfalz zu bewerben. Da war praktisch alles dicht." Aus dem Grund adressierte der Berufsanfänger seine Bewerbung an die gewohnte Dienststelle in Nürnberg und war dort inklusive seiner Ausbildung über 18 Jahre beschäftigt. Unter anderem war er Dienstgruppenleiter. Von 1991 bis 1993 absolvierte er die Ausbildung für den gehobenen Dienst - ein Laufbahnwechsel, der heute ohne Abitur kaum mehr machbar sei. Auch diese höhere Schulbildung strebte Weiß an und schaffte das Fachabitur nebenbei über das Telekolleg im Fernsehen. Dazu gehörte, dass er jeden Samstag in der FOS in Weiden die Schulbank drücken musste. Dort legte er auch erfolgreich die Prüfung ab. 1998 war eine Stelle für den grenzpolizeilichen Dauerdienst in Regensburg ausgeschrieben. Das Sprungbrett für Hermann Weiß in die Oberpfalz. Drei Jahre später rückte er noch näher an die Heimat, Weiß stammt aus Röthenbach am Steinwald unweit von Falkenberg. 2001 wurde er Dienstgruppenleiter bei der Verkehrspolizei Weiden. Ab 2005war er fünf Jahre lang Schichtdienstleiter in der PI Kemnath und Stellvertreter, wenn der Chef nicht da war. Eine echte Stellvertreter-Planstelle gab es dort nicht. Seit August 2010 war Polizeihauptkommissar Weiß dann stellvertretender Leiter der PI Tirschenreuth.

Weiß könnte mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen weil er 25 Schichtjahre absolviert hat. Mit der neuen Aufgabe sei das aber erst einmal völlig offen, sagt er. Die höchste Stufe auf der Laufbahnebene zu erreichen, sei es, was ihn unter anderem motivierte, die Herausforderung anzunehmen. Er geht gerne mit Menschen um und sei als PI-Leiter in hohem Maße mit Personalführung betraut. Zudem sei es eine reizvolle Aufgabe, eine der über 40 PIs in der Oberpfalz selbst zu leiten.

An seiner neuen Wirkungsstätte sind etwa 30 Vollzugsbeamte beschäftigt. Deshalb sei die Dienststelle in Neustadt auch gut mit der Tirschenreuther vergleichbar. Grundsätzlich seien die Aufgaben des Leiters und seines Stellvertreters andere. Vor allem das Personalmanagement und die Verantwortung der Finanzen erwarten Weiß als ganz neues Aufgabengebiet. Was er in Tirschenreuth vermissen wird ist vor allem das neue Gebäude, bei dessen Entstehung er von Anfang an mitgewirkt hat. "Das ist schon auch ein wenig ein Kind von mir", erklärt er. "Ich war von der ersten Besprechung bis zur Einweihung immer irgendwie involviert."

Mindestens die Hälfte seiner neuen Kollegen in Neustadt kennt Weiß bereits. Mit seinem Stellvertreter hat er schon in Kemnath hervorragend zusammengearbeitet, wie er sagt. Dennoch ein wenig aufgeregt ist er schon, wenn er im Januar als Chef durch die Tür der PI Neustadt/Waldnaab geht, gesteht er.

Herausragender Mann

"Mit Hermann Weiß verliert die Dienststelle einen herausragenden Mann", sagt sein bisheriger Chef, Erster Polizeihauptkommissar Werner Schönfelder. "Wir haben echte Teamarbeit gepflegt und uns sehr gut zusammengerauft ohne je gerauft zu haben. Das hat von Anfang an hervorragend geklappt." Bis ein Nachfolger für Weiß nach Tirschenreuth kommt könne schon gut ein Vierteljahr vergehen.

Internetkriminalität und Wohnungseinbrüche

"Wenn alle Behörden so eng mit der kommunalen Ebene zusammenarbeiten würden, wäre vieles einfacher", lobte CSU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Stephan Oetzinger das Verhältnis zur Polizeiinspektion Neustadt. Die CSU-Kreisräte erfuhren, dass vor allem die rasant steigende Internetkriminalität Probleme bereite.

Der Personalstand der Inspektion ermögliche die Bewältigung aller anfallenden Aufgaben, sagte stellvertretender Inspektionsleiter Stefan Moller. Ruhestandsversetzungen würden durch neue Kollegen ausgeglichen. Inzwischen würden ebenso viele weibliche wie männliche Beamte neu eingestellt. "Inzwischen können junge Kollegen auch direkt von der Bereitschaftspolizei in die Inspektion kommen", informierte Moller. Mehrere Jahre Dienst in Ballungszentren seien nicht mehr obligatorisch.

Die Kriminalitätsraten lägen 2017 voraussichtlich in etwa auf Vorjahresniveau. Die Aufklärungsquote konnte sogar leicht gesteigert werden. Ein Schwerpunktthema blieben Wohnungseinbrüche. Besonders ein Wohngebiet im westlichen Bereich war mehrfach betroffen. Es habe sich aber einiges zum Positiven bewegt. Nachbarn seien wachsamer und meldeten Beobachtungen vermehrt der Polizei. Auch der starke Kontrolldruck könne als Grund für rückläufige Zahlen gesehen werden. "Null Fälle werden wir nie erreichen", sagte Moller.

"Internetkriminalität nimmt in allen Formen zu", bedauerte Moller. Die Methoden würden sich so rasend schnell fortentwickeln, dass der Gesetzgeber nicht hinterherkomme. Die Neustädter Inspektion versucht dem mit einer speziell geschulten Beamtin entgegenzuwirken. Um den Tätern die Stirn bieten zu können, müssten die Ermittlungen jedoch weltweit koordiniert werden.

Kein großes Thema sei im Inspektionsbereich die Drogenkriminalität. Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht sieht darin einen Beweis für funktionierende Familien- und Vereinsstrukturen. "Das sind die wichtigsten Maßnahmen, um die Anfälligkeit junger Menschen für Drogen zu vermeiden."

Unproblematisch verliefen auch der Faschingszug und die After-Zug-Party mit tausenden Gästen, informierte Moller. Der Sicherheitsdienst leiste sehr gute Arbeit. Einzelne Vorfälle habe es in den Übergangsbereichen, also außerhalb des Festgeländes gegeben. "Die Beamten passen ihren Einsatzplan im kommenden Jahr entsprechend an."

Der Verkehrsexperte der Inspektion, Helmut Franz, berichtete von leicht rückgängigen Zahlen bei Unfällen und Verletzten. Die Höhe der Sachschäden steige. Einen besonders schweren Fall von Fahrerflucht mit einem toten Radfahrer in Weiherhammer habe man durch die gute Zusammenarbeit aller Inspektionen und dem notwendigen Quäntchen Glück aufgeklärt. (bgm)

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