Prekäre Jobs führen zur niedrigen Rentenansprüchen
Armut im Alter trifft vor allem Frauen

Trübe Aussichten im Rentenalter. Da viele Frauen über Jahre hinweg nur in Teilzeit- oder Mini-Job gearbeitet haben, sind sie besonders von Altersarmut bedroht. Bild: hfz
Vermischtes
Tirschenreuth
05.01.2017
126
0

Teilzeit, Minijob, Leiharbeit - atypische Beschäftigung ist nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung auf dem Vormarsch. Davon sind besonders Frauen betroffen. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (Bau) kennt solche Beschäftigungsformen aus der täglichen Praxis. Vor allem in Branchen wie der Gebäudereinigung, dem Gartenbau und der Floristik.

"Unsichere Jobs sind meist Frauensache", wissen die Gewerkschafter. Im Landkreis Tirschenreuth arbeiteten Ende 2015 rund 8900 Frauen in Teilzeit, Mini-Job oder Leiharbeit. Damit machten sie 76 Prozent der "atypischen Beschäftigung" aus, wie eine gleichnamige Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung zeige. Die Gewerkschaft warnt vor einer zunehmenden Altersarmut bei Frauen: "Prekäre Jobs führen zu niedrigeren Rentenansprüchen."

Dabei seien Zeiten der Schwangerschaft oder Kindererziehung noch nicht einmal berücksichtigt. "Wenn Politik und Wirtschaft nichts unternehmen, dann werden Frauen bei der Rente immer öfter zu Verliererinnen", sagt Stefan Königsberger, Bezirkschef der IG Bau Oberpfalz. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass Teilzeit immer mehr zum Normalarbeitsverhältnis für Frauen werde.

So gab es nach Angaben der Böckler-Studie im Kreis Tirschenreuth zuletzt 4891 Teilzeit-Arbeiterinnen - 75 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Demgegenüber hätten zur gleichen Zeit nur 694 Männer in Teilzeit gearbeitet. Außerdem waren mit insgesamt 3865 Mini-Jobberinnen 69 Prozent aller geringfügig Beschäftigten im Kreis weiblich.

Die IG Bau fordert, die Situation der Frauen stärker in den Blick zu nehmen. "Gerade in der Gebäudereinigung, im Gartenbau und in der Floristik bekommen sie kaum Vollzeitstellen." Die Folge ist laut Königsberger, dass Frauen trotz jahrzehntelanger Arbeit im Alter zum Sozialamt gehen müssen. Zudem fehlten Frauen wegen Erwerbsunterbrechungen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen. Und auch nach einer Scheidung stünden viele Frauen mit leeren Händen - aber oft mit dem alleinigen Sorgerecht - da. Unternehmen und Politik müssten deshalb gleichermaßen gegensteuern. "Statt Frauen nur für wenige Wochenstunden einzustellen, sollten Firmen vollwertige Jobs schaffen - für Frauen und Männer". Weniger zu arbeiten, müsse eine individuelle Entscheidung sein und kein Zwang.

Für Reinigungskräfte sei Vollzeit mittlerweile fast eine Seltenheit, obwohl sich das viele Beschäftigte wünschten. Eine zentrale Voraussetzung für höhere Renten sei natürlich die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, so der Gewerkschafter. Mittlerweile habe die Politik die Bedeutung von "Equal Pay" erkannt und ein Lohngerechtigkeitsgesetz auf den Weg gebracht. Königsberger spricht von einem "Schritt in die richtige Richtung", kritisiert jedoch, dass Beschäftigte erst in Betrieben ab 200 Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch über die Bezahlung der Belegschaft haben. Damit greife das geplante Gesetz nur in Teilen des Handwerks und der Reinigungsbranche. Eine entscheidende Maßnahme wäre es, so die IG BAU, Phasen der Erwerbslosigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung aufzuwerten. Königsberger: "Zeiten der Schwangerschaft und Erziehung müssen endlich anerkannt werden - zum Beispiel durch Extra-Rentenpunkte".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.