23.02.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Seltenes Jubiläum: Karl Zintl führt den Reitverein Tirschenreuth seit 50 Jahren Ein halbes Jahrhundert Liebe zu den Pferden

Er sei eben ein Perfektionist, sagt Karl Zintl, während er sich eine Pfeife anzündet. Dann schaut er durch die Glaswand in die Halle, wo eine Reiterin ihr Pferd longiert. Gewiss denkt der Mann im englischen Barbour an Verbesserungen: Zintls ganzes Ansinnen gilt dem Reitverein. Und das seit 50 Jahren. Solange ist Karl Zintl dort Vorsitzender.

Karl Zintl (im Bild mit seinem Vollblut Taiga) ist nicht nur Reiter aus Leidenschaft. Sein Leben hat er dem Reitverein Tirschenreuth gewidmet, seine Liebe gehört den Pferden. Nun feiert der bescheidene Mann ein höchst seltenes Jubiläum. Bild: ubb
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Von Ulla Britta Baumer

Keine Frage, Zintls zweite Heimat ist die Anlage des Reitvereins Tirschenreuth im ATSV. Jeden Tag am frühen Morgen geht der Vorsitzende übers Gelände, schaut nach dem Rechten. Nachmittags steht die Verwaltung auf dem Stundenplan des ehemaligen Stadtbaumeisters, der Abend gehört den Vierbeinern. Natürlich spreche er gerne mit seinen Pferden, antwortet Zintl auf die Frage, was der täglich Umgang mit den Tieren für ihn emotionell bedeute.

Praktiker im Verein

Ein Pferdeflüsterer also? Nein, Zintl ist der Praktiker im Verein. Alles Bauliche trägt seine Handschrift. Der 77-Jährige hat in der Friedrichstraße 20 mehr als sein halbes Leben verbracht, eine lange Zeit. Das prägt und das hört sich nach ziemlich Arbeit an. Und: Zintl wurde 1967 im Alter von nur 26 Jahren Vorsitzender. Überzeugt, erzählt er, habe ihn damals Schulhausmeister Johann Beer. "Er gab nicht nach, bis ich Mitglied wurde." Bereits vom Reitfieber angesteckt war Zintls Frau Brunhilde. Bald teilte Karl ihre Leidenschaft im Verein. "Die Liebe zu den Pferden ist eine Sucht", weiß er.

Als Baumeister erkannte er rasch in der kleinen Reitanlage ein großes Potenzial. 1972 begannen die Bautätigkeiten mit einer Reithalle, es folgten 1973 und 1995 Stallanbauten und mehr. Die enorm gewachsene Anlage rief nach große Aufgaben. Zintl spricht von Reit- und Springturniere mit bis zu 300 Pferden, die heute noch stattfinden.

Legendäre Ausfahrten

Legendär sind die einstigen Pferdewagen-Ausfahrten. "Ich hatte selbst einen Wagen. Aber das ist vorbei. Die freien Wiesenflächen sind jetzt bestellte Felder, da kann man nicht fahren", bedauert er. Ebenso gehören die "Fuchsjagden" der Vergangenheit an. Nicht aber die regelmäßigen Ausritte, meist am Sonntag. Sein erstes Pferd "Maxl", ein Arabermischling, sei 17 Jahre treu gewesen, erzählt Zintl. Sein Herz aber gehörte "Penny". Die irische Vollblutstute wurde 36, für ein Pferd ein biblisches Alter. Nun ist das 32-jährige Vollblut "Taiga" sein bester Freund. Bekommen habe er ihn als Vierjährigen, erzählt Zintl. Spricht man von Höhen und Tiefen, fällt dem Vorsitzenden unweigerlich das Jahr 1991 ein: "Am 22 Oktober brannte es hier lichterloh!" Ein Mitarbeiter habe die fahrlässige Brandstiftung mit einer Zigarette ausgelöst, zwei Pferden seien umgekommen. Und wie schaut es aus mit Aufhören? War das jemals ein Thema? "Nein", sagt Zintl. Er habe die 50 Jahre niemals bereut. Selbst wenn der Ärger manchmal groß gewesen sei. Was ganz normal sei in einem großen Verein. Wichtig gewesen sei ihm immer die Jugendarbeit.

Weitere Aufgaben

"Das Arbeiten mit Pferden stärkt das Verantwortungsbewusstsein", ist Zintl überzeugt vom pädagogischen Wert einer Reitausbildung. Denn ein Pferd lasse sich nicht einfach aus einer Laune heraus in die Ecke stellen. Auf die Frage, wie viele Stunden er für den Verein investiert habe, meint Zintl, das sei nicht fassbar. "Wenn ich eine Aufgabe übernehmen, mache ich sie gewissenhaft!". Und es gebe immer unerledigte Dinge, fügt er an. Dann erzählt er von seiner größten Sorge seit 50 Jahren. "Wir müssen vielleicht verkleinern", sagt er und nennt als eine der Ursachen den Rückgang der Pensionspferde. Nur sei ein Rückbau schwierig wegen der laufenden Personal- und Unkosten. Zudem sei die Arbeit ehrenamtlich kaum mehr zu bewältigen. "Aber die Pferde brauchen täglich weiter Pflege! Da kann nicht gespart werden." Grund genug für den äußerst gewissenhaften Vorsitzenden, das Zepter auch nach 50 Jahren weiter zu führen, bis auch diese Aufgabe für den Verein geschafft ist.

Aktuell 45 Pferde

Der Reitverein Tirschenreuth im ATSV hat zwischen 410 und 450 Mitglieder, davon liegt die Frauenquote bei 80 Prozent. Mit 50 Prozent hat der Verein zudem einen hohen Jugendanteil. Die Reitanlage in der Friedrichstraße 20 bietet 51 Pferdeboxen, darunter Paddocks, Außen- und Innenboxen. Es stehen zwei Reithallen zur Verfügung sowie zwei Sandplätze. Jedes Pferd hat eine Außenkoppel. In einem Freilaufstall lebt eine kleine Pferdeherde. Hauptaugenmerk des Vereins ist die Reitausbildung. Dafür stehen ein Pferdewirtschaftsmeister, drei C-Trainer für Einzelunterricht und Gruppen sowie eine Trainerin für Voltigieren zur Verfügung. Außer dem Voltigieren, das vor allem Kinder und Jugendliche erlernen, ist heilpädagogisches Begleiten mit Pferden über den Reitverein möglich. In der Anlage sind aktuell 45 Pferde, davon zehn vereinseigene Schulpferde. (ubb)

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