Ski und Rodel verkaufen sich schlecht
Harte Ware bleibt oft im Laden

Wer in diesen Tagen seine Ski zum Service bringt, muss warten. Nachdem es endlich geschneit hat, hatten diese Idee viele Wintersportler zur selben Zeit. Für Josef Bartsch (links) bedeutet das Nachtarbeit. Bild: Grüner
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Tirschenreuth
08.01.2017
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Ob es dem Klimawandel geschuldet ist oder nicht. Die Winter der vergangenen Jahre sind mehr als bescheiden ausgefallen. Das ist nicht nur für diejenigen ein Desaster, die dem Wintersport frönen.

In der Region kann man die Geschäfte, die überhaupt noch Wintersport-Artikel anbieten, an einer Hand. In Wiesau hat Harald Fichtner den Verkauf von Skiern, Schlitten oder Schlittschuhen schon seit mehreren Jahren eingestellt. Das einzige, was man bei ihm kaufen kann, sind Schneeschuhe. Darauf hat er sich spezialisiert. Und damit ist er der wahrscheinlich bestsortierte Händler.

Viel über Versand

Und selbst da schränkt er ein: "Das meiste geht über den Versand." Am ersten Tag, als es geschneit hat, also am Mittwoch, kamen die ersten beiden Nachfragen in dieser Saison. Beide Anrufer haben eine Schneeschuhtour gebucht. "Wenn jemand unbedingt einen bestimmten Ski haben will, kann ich ihm den bis zum Folgetag besorgen", so Fichtner. Dabei kooperiert er mit größeren Geschäften in der Region. "Wenn du Ski verkaufen willst, muss das vor Weihnachten über die Bühne gehen. Wenn es da aber nicht schneit, ist einfach tote Hose."

Das ginge mittlerweile soweit, dass sogar die großen Hersteller überlegen, ob sie nicht ihr Sortiment verkleinern, weiß Harald Fichtner. "Viele Leute leihen ihre Ausrüstung direkt am Ferienort oder kaufen in den hochalpinen Skigebieten, weil dort auch das Angebot viel größer ist." Das Gros an Schneeschuhen verkauft Fichtner über den Onlinehandel in Richtung Süden bis nach München. "Alles andere rentiert sich, angesichts der schwachen Winter, im Moment nicht."

Sports-Experts zufrieden

Bei Sports-Experts in Tirschenreuth ist die Lage komplett anders. "Wir sind mehr als zufrieden mit dem Verkauf", sagt Marktleiterin Stefanie Stahl. Das Geschäft mit Bekleidung, Schlittschuhen und Zubehör wie Helme habe bereits vor Weihnachten geboomt und der Trend halte immer noch an. Vor zweieinhalb Jahren entschloss sich das Haus, künftig nicht mehr auf harte Ware wie Skier zu setzen, sondern auf weiche, wie eben Bekleidung. Eine Rechnung, die aufgegangen ist. "Wir waren schon im vergangenen Jahr sehr zufrieden und konnten uns noch einmal steigern. Wahrscheinlich haben wir alles richtig gemacht und sind trotz Internet gut dabei", so Stahl.

"Momentan ist die Hölle los - jetzt kommen alle auf einmal", stellt Josef Bartsch von "Spiel und Sport Bartsch" fest. "Das ging los, als der erste Schnee fiel." 15 bis 20 Leute stehen jetzt ständig in der Skiabteilung an. Die meisten kommen, um den Ski-Service zu nutzen. Für eine Saison kann man sich für wenig Geld zum Beispiel für ein Kind eine komplette Skiausrüstung ausleihen. Der Chef des Hauses ist jetzt ständig damit beschäftigt, Bindungen einzustellen oder Stahlkanten nachzuschleifen. Viele, die jetzt erst in den Skiurlaub starten, wollen noch schnell die Ausrüstung in Schuss bringen. Das ist das Gros der vielen Leute im Laden. Anders sieht es im Verkauf aus, erklärt Cäcilie Bartsch.

Mindestens 500 Paar Skier der neuesten Generation werden jährlich eingekauft. Wenn vor Weihnachten kein Schnee fällt, bleiben sie liegen, fragt kaum jemand danach, muss der Preis heruntergesetzt werden. Sie werden dann oft zu Ladenhütern. "Das ist schon lange nicht mehr das große Geschäft, nur der Service, geht gut", sagt Cäcilie Bartsch. "Bleibt der Schnee bis Ende Februar, schaut alles ganz anders aus." In der Saison gehe das Geschäft halt jetzt erst los,. "Aber immerhin."
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