05.07.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Sorgenfalten im Kreisausschuss Hoffen auf pfiffige Ideen

Die Sorgenfalten auf den Stirnen der Kreisräte sind nicht zu übersehen. Die vielen neuen Schüler mit Migrationshintergrund an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis sind ein Problem, das keinesfalls unterschätzt werden darf. Landrat Wolfgang Lippert setzte das Thema deshalb auf die Tagesordnung einer Kreisausschusssitzung. Und er lud mit Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß dazu jemanden ein, der ein Lied davon singen kann, wie schwierig es ist, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß beleuchtete die Fördermöglichkeiten von Schülern mit Migrationshintergrund an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Bild: wb
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Der fachliche Leiter des Schulamtes hatte aktuelle Zahlen aus dem Landkreis mitgebracht. Demnach gibt es im Schulamtsbezirk an Grund- und Mittelschulen derzeit 266 Schüler mit Migrationshintergrund. Besonders viele solche Kinder mit erhöhtem Förderbedarf gibt es derzeit an der Grundschule Waldsassen (31), an der Mittelschule Waldsassen (20), an der Grundschule Tirschenreuth (27), an der Mittelschule Tirschenreuth (22), an der Mittelschule Mitterteich (20) an der Grundschule Mitterteich (13), an der Grund- und Mittelschule Erbendorf (24), an der Grund- und Mittelschule Kemnath (24), an der Grundschule Wiesau (16) und an der Mittelschule Wiesau (15). Detailliert erläuterte Krauß die Aufteilung der zur Ausländerbeschulung zur Verfügung stehenden Stunden und Kräfte sowie Förderkurse. Mittlerweile seien auch 25 Förderlehrkräfte für den individuellen Sprachunterricht im Einsatz, Drittkräfte würden im Anschluss an den Unterricht tätig und 12 Pädagogen seien für Deutsch als Zweitsprache speziell ausgebildet worden, darunter auch vier Lehramtsanwärter.

Die Erhöhung der Stundenzahl von Teilzeitkräften stand ebenfalls auf seiner Maßnahmenliste, ebenso wie das "Sprachbad", das man nicht unterschätzen dürfe. Hier werden Schüler, auch wenn sie nicht viel von dem, was gesagt wird, verstehen, in den normalen Unterrichtsalltag integriert. Anfangs sei dies belächelt worden sei, meinte Krauß. "Das war wirklich nur eine Notlösung, aber im Kontext mit den anderen Maßnahmen bringt es was."

Landrat Lippert kommentierte dies so: "Man kann den Lehrern an Grund- und Hauptschule sicher nicht noch mehr aufbürden. Die sind schon am Limit." Ähnlich sah dies auch CSU-Fraktionschef Toni Dutz: "Da zwickt und zwackt es hint' wie vorn." Der Wiesauer Bürgermeister versicherte, dass die Kommunen alles tun würden, was in ihren Kräften stehe: "Wir versuchen Sie zu unterstützen, wo es nur geht." Gefragt seien trotzdem pfiffige neue Ideen und die Bereitschaft "alter Hasen", als Lehrer einzuspringen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sein Waldsassener Amtskollege Bernd Sommer befürchtete gar, dass der Sprachförderbedarf für Schüler mit Migrationshintergrund zur Daueraufgabe wird. Aufgrund der Lage zur Grenze werde dieses Problem die Kommunen weiter begleiten. Das dürfe auch "oben" nicht unterschätzt werden, da es hier um den sozialen Frieden an den Schulen gehe.

Ein anderes Thema gefährdet ebenfalls seit einiger Zeit den Frieden in der Region: der geplante Bau des Strom-Südostlinks, der auch diesmal zur Sprache kam. Abteilungsleiterin Regina Kestel vom Ordnungsamt hatte für den Landkreis beide Tage der Antragskonferenz in Weiden mitverfolgt und informierte die Kreisräte über ihre Eindrücke: "Das war sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig", klagte sie über die vielen Wortmeldungen. Derzeit würden die Eingaben ausgewertet und der Untersuchungsrahmen bestimmt, wusste sie. Mit weiteren Verfahrensschritten rechnet Kestel erst im Jahr 2018.

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