07.06.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Steyler Missionare seit einem Jahrhundert in Tirschenreuth Hundert Jahre bewegte Geschichte

Am 7. Oktober 1917 wird eine Mission der Steyler Missionare im St.-Peter-Kirchlein gegründet. Ein Jahrhundert wirken und leben die Steyler nun schon in Tirschenreuth. Das 100. Jahr kann auch das letzte sein, erklärt Präses Pater Martin Neuhauser.

Pater Martin Neuhauser ist seit 2007 Präses im Missionshaus St. Peter. Insgesamt hat das Haus 80 Priester hervorgebracht. Die Sankt- Peter-Kirche ist immer noch im Besitz des Ordens. Hier hat sich innerhalb der großen katholischen Kirchengemeinde eine kleine "Schwestergemeinde" herausgebildet, mit eigenen Ministranten, einem Chor und einem Gemeindesaal. Bilder: tr (4)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Fünf Ordensmänner wohnen derzeit im zweiten Stock des riesigen Gebäudes, das einst Gymnasium und Internat war, in Miete. 2007 hat die Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) das Haus übernommen und saniert und die genannten Räumlichkeiten an die Steyler vermietet. Im Untergeschoss gibt es noch einen Gemeindesaal und eine kleine Werkstatt. Dort erledigt der 74-jährige Hausmeister und derzeit einzige Bruder, Paul Spies kleinere Reparaturarbeiten.

Neben ihm und dem ebenfalls 74-jährigen Oberen leben hier noch drei weitere Patres. Der älteste von ihnen ist mit 79 Jahren der Vizepräses Helmut Stadermann. Klaus Kniffki ist 70 und arbeitet in der Regel in der Pfarrei Bärnau/Schwarzenbach mit. Der Fünfte im Bunde heißt Norbert Gaida, ist 55 Jahre alt und im Tirschenreuther Krankenhaus seelsorgerisch tätig.

Zuerst in der Winterschule

Offiziell gegründet wird die Mission St. Peter am 7. Oktober 1917 mit einem Gottesdienst im St.-Peter-Kirchlein. Da die Steyler Missionare noch kein eigenes Gebäude haben, zieht die Schule inklusive Internat mit 14 Schülern und 2 Patres in die Winterschule (heute Stadtkämmerei) ein. 1918 kommen keine neuen Schüler, und die Einrichtung zieht um in die Preßlmühle an der Dammstraße. 1919 startet Pater Bergerhausen die Exerzitientätigkeit mit Einkehrtagen und Seelsorge und bemüht sich auch, durch bauliche Veränderungen der Preßlmühle um den Fortbestand. 1922 richten sich die Steyler im sogenannten Schlosserhaus unterhalb des St.-Peter-Kirchleins ein und erweitern es.

Ostern 1923 beginnt dort der Unterricht wieder für 25 Schüler. 1924 kommen 18 Schüler dazu. Am 7. September 1924 wird der Grundstein für den Neubau am heutigen Standort gelegt. Im September 1925 ziehen dort vier Patres, 12 Brüder und 40 Schüler ein. Die Schülerzahl steigt weiter und so erfolgt der Bau des Westflügels. 1930 wird der Neubau bezogen. Zwischen 1929 und 1939 werden ein Brüdernoviziat mit Werkstätten und Landwirtschaft eingerichtet und 67 junge Missionsbrüder in St. Peter ausgebildet.

Hamburger Mädchen

1939 wird die Schule geschlossen. Am 1. April 1940 ziehen die letzten Schüler aus St. Peter nach Ingolstadt. 1940 erfolgt die Enteignung und St. Peter wird ein Kriegslazarett mit 240 Betten. 1941 zieht eine Hamburger Mädchenschule mit 200 Kindern ein. Danach ist das Gebäude wieder Lazarett. Von 1943 bis 1945 ist hier eine Blindenschule eingerichtet. 1945 rückt die Ostfront näher und St. Peter wird abermals Lazarett mit 360 Betten. Nach der Auflösung durch die Amerikaner bleibt es bis Oktober Kriegsversehrtenheim.

Am 3. September 1946 werden Schulbetrieb und Internat wieder aufgenommen. Präfekt ist Pater Ludwig Beer aus Griesbach. Das Haus ist zu der Zeit auch noch Hilfskrankenhaus der Caritas und Altenheim für Ostflüchtlinge. Ab Ostern 1949 steht die Einrichtung wieder vollständig den Steyler Missionaren zur Verfügung. In fünf Klassen werden damals etwa 60 Schüler unterrichtet. 1953 wird die Turnhalle gebaut. Um den Schulbetrieb reibungslos zu gestalten, werden sogar Laienkräfte eingestellt. 1957 wird das alte Schlosserhaus abgerissen und das Marta-Heim für Laienmitarbeiter gebaut. 1961 wird die sechste Klasse mit dem Ziel Mittlere Reife eingerichtet. Das ist die Blütezeit für Schule und Internat.

1963 erfolgt der Kirchenneubau und die Weihe der Dreifaltigkeitskirche. 1965 erhält die Schule die staatliche Anerkennung und es wird der Allwetter-Sportplatz gebaut. Zum 50. Geburtstag der Einrichtung sind 15 Patres, 13 Brüder und 80 Internatsschüler in St. Peter. Als 1969 das Stiftland-Gymnasium seinen Schulbetrieb aufnimmt, wird die Schule aufgelöst. Das Internat wird 1984 geschlossen. 1975 zieht die Sonderschule im Missionshaus ein, aus der 2003 das sonderpädagogisches Förderzentrum wird. Die seelsorgerischen Aufgaben pflegen die Steyler weiter. So werden in der Kirche regelmäßig Gottesdienste angeboten. St. Peter verfügt über 30 Ministranten und Ministrantinnen und hat einen eigenen Chor. Regelmäßig erscheint auch das "St.-Peter-Blatt". Täglich gibt es die Möglichkeit zu beichten oder zur Aussprache. Regelmäßige Gottesdienstaushilfen im Seniorenheim und den umliegenden Pfarreien werden heute von den Patres wahrgenommen. Dazu kommen noch Aktivitäten bei anderen Gruppen und punktuelle Einsätze bei Einkehrtagen, Predigten und Einweihungen.

Missionswerbung

Daneben leisten die Ordensmänner noch turnusmäßige Arbeiten im Haus. Dazu gehören das Zelebrieren von Messen, die Beichtpräsenz in der St.-Peter-Kirche oder auch Aushilfen bis nach Großkonreuth, Stein, Beidl oder Plößberg. Außerdem spielt im Haus noch immer in der Missionswerbung eine große Rolle. Über die vielen Jahre habe sich ein umfangreicher Förderkreis gebildet, erklärt Pater Neuhauser. So sei die Spendenverwaltung eine große Herausforderung. Vor allem die Organisation der Weihnachts- und der Pfingstaktionen, bei der es in diesem Jahr um die Anschaffung eines Fahrzeuges für ein Altenheim in Indien geht, seien sehr aufwendig.

Im Sekretariat arbeiten noch zwei Halbtagskräfte, Monika Wagenknecht und Bettina Steckermeier, mit. Die Einkäufe für Grundnahrungsmittel erledigt Pater Stadermann, der auch für Frühstück und Abendbrot sorgt. Zu Mittag essen die Ordensmänner in der Krankenhauskantine.

Mit Situation zufrieden

Pater Neuhauser ist seit 2013 Präses in St. Peter. Mit der jetzigen Situation als Mieter sind die Ordensmänner recht zufrieden. Der Pater: "Wir alten Leute sind nun kaum noch mit Administrationsarbeit betraut. Wir können uns auf eigentliche Aufgaben seelsorgerischer Art beschränken und sind eigentlich ganz froh, dass sich die Sache so gelöst hat." Sollte sich die Provinzleitung dazu entschließen, den Mietvertrag, der Mitte kommenden Jahren ausläuft, nicht zu verlängern, wird es später einmal in der Chronik heißen: "Die Steyler Missionare gab es in Tirschenreuth genau 100 Jahre."

Das eigentliche Jubiläumsfest feiern die Steyler am Sonntag, 8. Oktober, zusammen mit Weihbischof Reinhard Pappenberger mit einem feierlichen Gottesdienst um 10.30 Uhr und anschließend mit geladenen Ehrengästen im Restaurant Seenario. Das Fest für die Allgemeinheit geht bereits am Sonntag, 11. Juni, beim jährlichen St.-Peter-Fest über die Bühne. Um 10.30 beginnt der Familiengottesdienst, anschließend ist auf dem Gelände Festbetrieb bis 16 Uhr.

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