Stiftland-Alpakas mögen eisige Temperaturen
Bei Minusgraden quietschfidel

Josef Laubert ist stolz auf seine Zuchtergebnissse, wie dieses prachtvolle "Alpaka-Mädchen" zum Beispiel.
Vermischtes
Tirschenreuth
09.12.2016
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Will Maria Laubert die Alpakas anlocken, muss sie nur mit der Müsli-Schüssel klappern. Schon rennen ihr die Tiere hinterdrein. Bilder: ubb (2)

Erst waren es vier, jetzt sind es 30. Maria und Josef Laubert frönen einem ausgesprochen netten Hobby: der Alpaka-Zucht.

Matzersreuth. Es ist eiskalt draußen auf der Wiese nahe Matzersreuth. Fünf Grad minus lassen die Bäume, den Zaun und die letzten vom Sommer verbliebenen Grashalme zu filigraner Schneekunst erstarren. Maria Laubert holt ihren Mantel, schlüpft in dicke Stiefel. Ihr Mann Josef ist schon zur Tür raus. Sofort gefriert der Atem zu Eiskristallen. Freiwillig geht bei solchem Wetter niemand raus. Niemand? Das stimmt nicht ganz.

Schmunzelnd zeigt Josef Laubert drüben im Hof auf jene, die's besonders gerne tun: Für seine Alpakas beginnt bei unter null Grad die Hochsaison. Sie werden quietschfidel. "Das mögen sie. Hier am Hof halte ich die Hengste. Die Stuten sind auf der Wiese", erklärt er.

Familienzwist vergessen

Seit 2010 züchten die Lauberts Stiftland-Alpakas. "Wir haben die Tiere auf der Landwirtschaftsmesse gesehen. Zwei Jahre später haben wir begonnen", erzählt der Landwirt. Laubert wollte mit zwei Tieren beginnen, doch es gab Protest. "Wir haben drei Kinder, das ging gar nicht", scherzt Ehefrau Maria. Also kaufte Laubert zwei Wallache und zwei trächtigen Stuten. Der kleine Familienzwist gehört zwischenzeitlich der Vergangenheit an, die Herde ist auf 30 Tiere angewachsen.

Wertvolle Ratschläge zur Haltung bekam Laubert von Züchter Dominik aus Hohenburg. Zwar sind die sanften Wiederkäuer anspruchslos. Dennoch will Vieles beachtet sein. "Keine Hengste und Stuten gemeinsam", lautete nur eine der Regeln. Dann die Stallfrage. Die Stuten Carmen und Tanija stammen aus den Anden, die Wallache Hektor und Canosso aus Kanada. Damit erübrigte sich ein Unterstand. Alle vier sind eisige Nächte gewohnt. Die Lauberts wollen aber dennoch Schutz bieten. "Die halten jedes Wetter aus. Eher hatten wir Sorge, dass ein Wolf, Luchs oder Rowdys Ärger machen in den Nächten", so Laubert.

Und was fressen Alpakas? Eine grüne Wiese, pro Tier einen Heuballen im Jahr und ein wenig spezielles, mineralstoffreiches "Alpaka-Müsli", sagt der Züchter. Wesentlich anspruchsvoller ist für die Herdentiere, die in den peruanischen Hoch-Anden weite Strecken zurücklegen, der Platzbedarf. 1000 Quadratmeter für zwei Tiere laute die Vorschrift, so der Züchter. Für Schrebergartenbesitzer ist das wohl nichts. Wer aber einen großen Garten oder einen Bauernhof hat, darf gerne mit der Idee liebäugeln, sich Alpakas anzuschaffen. Einziges Manko: Vorbei ist's dann mit Blumenpracht und Obstgartenidylle! Lachend erzählt Maria Laubert von ihren Anfangsfehlern: "Wir kamen hinaus und sahen, dass sämtliche Johannisbeer-Sträucher weg waren. Die Alpakas haben sie komplett verputzt." Auch Äpfel, Zwetschgen und Birnen fallen schonungslos den großen Zähnen der putzigen Kerlchen zum Opfer.

Hat man sich aneinander gewöhnt, heißt das "wahre Liebe". So lautet Maria Lauberts Bezeichnung dafür, wie innig ein Alpaka-Mensch-Verhältnis sein kann. Arbeit kann sie an der täglich eineinhalb stündigen Tierpflege nicht erkennen, eher Spaß und Freude. Auch ihre Babys bekommen die Stuten ohne große menschliche Hilfe. In diesem Jahr wurden in Matzersreuth sieben Alpaka-Kinder geboren.

Profi aus Texas

Allen geht es prächtig. Richtig Arbeit gibt es aber spätestens zur Schur. Dafür holen sich die Züchter einen Profi aus Texas in die Oberpfalz. Adam Riley ist als passionierter Alpaka-Scherer weltweit unterwegs. In Deutschland betreut er 1500 Tiere. "Der hat's drauf, er leistet Präzisionsarbeit", erzählt Maria Laubert, dass der Texaner nur sieben Minuten pro Tier braucht. Eine "Alpaka-Frisur" koste 19 Euro, das sei in Ordnung, sagt Laubert. Das Fell wird zu Wolle versponnen.

Die Schur ist aber ein Frühlingsthema, jetzt brauchen die Tiere ihr dickes Fell. Die Herde draußen gibt ein äußerst romantisches Panorama ab. Noch schöner ist nur die direkte Nähe mit den wuscheligen Tieren, die neugierig mit feuchten Nasen stupsen, sanft schupsen oder vorsichtig an der Jacke zupfen. Josef Laubert hat Müsli mitgebracht. Jetzt sind die Tiere nicht mehr zu halten, sie zeigen ihre Liebe zu ihrem Herrn offenherzig.

Umgekehrt sind Carmen, Leo, Tanija, Canosso, Emilio, Mona Lisa oder wie sie alle heißen, auch in der Bevölkerung sehr beliebt. Maria Laubert erzählt von regelrechten Familienausflügen im Sommer zu ihren Wiesen. Kein Wunder: Wer möchte da nicht schwach werden, wenn er mit diesen unwiderstehlich großen Alpaka-Augen angelächelt wird?

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Weitere Informationen:

www.stiftland-alpakas.de
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