Themenführung der Gästeführer
Galgenblick im Sonnenuntergang

Vom Wasserhaus in Klenau hat man einen hervorragenden Blick auf das Areal, wo seinerzeit der "dreischläfrige" Galgen an einem alten Wegekreuz stand. Ab der Sternwarte ist heute noch ein Hohlweg zu erkennen, "der alte Weg zum Hochgericht". Er führte, wie Thomas Sporrer (rechts) erklärt, schnurstracks zum Richtplatz am Rücken des Klenauer Berges.
Vermischtes
Tirschenreuth
20.04.2017
191
0
 
Gästeführerin Cornelia Stahl erzählt in der Stadtbücherei, wie in Tirschenreuth der elektrische Strom Thema wurde. Die Originaldampfmaschine (rechts) der Tuchfabrik Mehler, die heute als Industriedenkmal in der Bücherei steht, spielte dabei eine wesentlichen Rolle.

Da stört es nicht einmal, wenn es regnet. Bei der neuen Themenführung von und mit Cornelia Stahl und Thomas Sporrer, werden die Teilnehmer in zwei Kleinbussen zu den vier Stationen gefahren. Und das aus gutem Grund.

Es geht dabei um Plätze und Sehenswürdigkeiten, die über Jahrhunderte Leben und Abläufe der Tirschenreuther geprägt haben. Die Anfänge der Elektrizität spielen genauso eine Rolle, wie der in Granit geschlagene Wasserdurchlass an der Sägmühle. Geschichten zur "Eisernen Hand" und über die schauerliche Gerichtsbarkeit des Mittelalters gehören ebenfalls dazu.

Ein virtueller Rundgang durch das ehemalige Gerberhaus am Sattlersberg im "Spannantoniesephenhaus," mit Bildern von Thomas Sporrer runden diese neue Führung ab. Dort gibt es im "Franz-Josef's Atelier" auf Wunsch auch eine kleine Brotzeit, die nicht im Führungspreis von 10 Euro enthalten ist. Die etwa zweistündige Führung ist auf 16 Plätze beschränkt, was daran liegt, dass die beiden Vereinsbusse jeweils nur acht Leute transportieren dürfen.

Treffpunkt ist hinter der Stadtbücherei in der Bahnhofstraße. In dem Gebäude beginnt auch die Führung. Da erfährt man zum Beispiel was es mit der Dampfmaschine auf sich hat, die darin steht. Und dass die Tuchfabrik Mehler bereits vor über 100 Jahren nachhaltig produzierte und damals schon das erste Elektroauto hatte.

Anfänge der Elektrizität

Es war 1898 als die Elektrizität in Tirschenreuth Einzug hielt. Trotz anfänglicher Skepsis der Bevölkerung waren bereits nach kurzer Zeit 800 Glühlampen zum Anschluss angemeldet. Schnell reichten die Erzeugungskapazitäten nicht mehr aus, musste infrastrukturell nachgerüstet werden.

Mit der Tuchfabrik Mehler, die bereits während des 30-jährigen Krieges gegründet wurde, gab es ab 1923 einen Stromverbund. Mehler hatte damals eine Dampfmaschine, nämlich die, die in der Bücherei steht, zur Stromerzeugung und noch Kapazitäten frei. Wie der Untere Stadtteich entstand, erklärt Thomas Sporrer im Waldnaabdurchbruch an der Sägmühle. 1217 kaufte das Kloster Waldsassen das Gebiet um Tirschenreuth. Sofort bauten die Zisterzienser den Damm für den Unteren Stadtteich, der 1219 fertiggestellt wurde. Der Ablauf musste an die tiefste Stelle. So entstand der Waldnaab-Durchbruch, ein in Stein gemeißelter Kanal, 2,5 Meter breit, 60 Meter lang und bis zu 8 Meter tief.

Oben am Wasserhaus in Kleinklenau schickt sich die Sonne gerade an, am westlichen Horizont zu versinken und der Tag macht langsam Platz für die Nacht. Die perfekte Szenerie für das Thema, das jetzt folgt. Die Äbte des Klosters waren über lange Zeit auch die weltlichen Herrscher und übten demzufolge auch die Gerichtsbarkeit aus.

Über leben und Tod

So wurde in Tirschenreuth auch über Leben oder Tod entschieden. Zum Letzteren wurde man in früheren Zeiten schnell verurteilt. Das Stehlen einen Brotes reichte aus, um am Galgen zu enden. Hängen galt als unehrenhaft. Schuldige Adelige und Bürger wurden enthauptet. Bei besonders schweren Fällen wurde auch auf dem Marktplatz gerichtet. Dort wurden 1596 die fünf Haupttäter, die den Stiftshauptmann Winsheim ermordet hatten, auf einer Holzbühne durch das Schwert hingerichtet.

Die letzte Hinrichtung in Tirschenreuth war 1844. Dort, wo heute die Gaststätte Schützenhaus steht, wurde sie zum Volksfest. In der Chronik des Stadtschreibers Michl Mayer heißt es dazu: "Die Wiesen und Felder wurden abgeerntet und so hatten die 10 bis 15 000 Besucher einen guten Blick auf das Geschehen, Kinder wie Erwachsene. Der Amberger Scharfrichter Lorenz Scheller vollzog gekonnt das Todesurteil und beförderte den Doppelmörder Franz Josef Weiß aus Hermannsreuth mit einem Streich vom Leben in den Tod."

TermineDie historischen Informationen zu der diesjährigen Themenführung stammen aus der einschlägigen Literatur. Franz Krapf, Eberhard Polland, Monika Werner und Alfred Mehler haben ebenfalls Hinweise geliefert und in ihren Archiven gekramt. Weitere Führungen sind: Mittwoch, 26. und Donnerstag, 27. April, Mittwoch, 10., Donnerstag, 11., Dienstag 16., Mittwoch 17. und Donnerstag 18. Mai, jeweils 18 Uhr. Buchung über die Tourist-Info in Tirschenreuth, Telefon: 09631 - 60 02 48(tr)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.