21.07.2009 - 00:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther Schreiner Gerhard Markowski bemalt Urnen und Särge mit Motiven nach Wahl Mit einem Sonnenuntergang ins Grab

Gemalt hat Gerhard Markowski schon immer gerne, seit zehn Jahren stellt der Schreiner in seinem Ein-Mann-Betrieb Särge, Grabeinfassungen und Kreuze her. Jetzt verbindet er Hobby und Beruf in einem ungewöhnlichen Tätigkeitsbereich: Markowski bemalt Urnen und Särge.

Urnen-Bemaler Gerhard Markowski hat sich sein liebstes Motiv schon ausgesucht: Albrecht Dürers "Betende Hände". Bild: Duft
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Vom simplen Kreuz bis zu Albrecht Dürers aufwendig gestalteten "Betenden Händen" hat Markowsi alle Begräbnisklassiker im Angebot: In einem Katalog können sich die Kunden aber auch ganz andere Motive aussuchen: Die Qual der Wahl hat man zwischen Wasserfall, Pferd, Sonnenuntergang, Bambus, Welle, Flammenspiel und vielen anderen. "Die Leute können aber auch selbst ein Motiv mitbringen", sagt Markowski. "Ich bin offen für alles."

Hauptgeschäft mit Paletten

Der Schreiner hat mit der "Holzverarbeitung Markowski" seit 1975 seinen eigenen Betrieb in Tirschenreuth. Das Hauptgeschäft macht er mit Paletten und Versandkisten. Über den Verkauf von Grabeinfassungen bekam er Kontakt zu Bestattungsunternehmen. Und immer wieder missfielen ihm die Urnen aus Blech. Die würden in 100 Jahren nicht verrotten und müssten irgendwann entsorgt werden. "Das ist doch menschenunwürdig", dachte sich Markowski. Und machte sich an die Arbeit. Aus schichtverleimtem Sperrholz entwickelte er Holz-Urnen mit einem einfachen Zwei-Schrauben-System zum Öffnen. "Es soll ja kein Schraubenzieher bei der Bestattung von Nöten sein." Das Beste aber: Die Holz-Urne - mitsamt einer sehr dünnen Blech-Urne darin - verrottet laut Markowski innerhalb von 25 Jahren.

Die besondere Note bekommt jede einzelne Urne beim Bemalen. Markowski benutzt dafür wasserlösliche und ungiftige Farbe. Etwa drei Stunden braucht er, um eine Urne farbig zu gestalten. Markowski ist neu im Geschäft, momentan lotet er aus, wie die Urnen am besten zu verkaufen sind. Ein Abnehmer werden sicher Bestattungsunternehmer sein. Aber der Schreiner arbeitet auch gerne für Privatkunden. Seine Wunschvorstellung: Die Kunden wählen sich zu Lebzeiten ihre persönliche Urne aus. Markowski reserviert sie, und die Angehörigen können sie nach dem Tod des Kunden abholen. "Bei mir kann man sich schon zu Lebzeiten sein letztes Haus aussuchen."

Immer mehr Verbrennungen

Mit der Urnen-Malerei setzt Markowski auf einen neuen Trend: "Immer mehr Leute lassen sich verbrennen", sagt der Schreiner. Die Mode kommt aus den Städten: Während sich am Land nur 30 Prozent verbrennen lassen, sind es laut Markowski in Weiden 50 Prozent und in München schon 70 Prozent.

Ob man eine andere Einstellung zum Tod entwickelt, wenn man beruflich immer wieder mit dem Thema konfrontiert wird? "Man gewöhnt sich einfach daran", sagt Markowski. Kundinnen sind schon aus seiner Schreinerei gelaufen, weil sie einen Sarg gesehen haben. "Aber ich stelle Särge und Urnen eben genauso her wie Versandkisten."

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