09.06.2017 - 20:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Umbaus der ehemaligen Fronfeste zur Uni-Außenstelle Tor in eine andere Welt

So faszinierend kann Geschichte sein: Im Rahmen des Umbaus der ehemaligen Fronfeste zur Uni-Außenstelle tut sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Tor zu einer anderen Welt auf.

Der Stein im Türbogen - was die Buchstaben bedeuten, was möglicherweise noch alles drauf steht, werden die Archäologen ermitteln
von Externer BeitragProfil

Von Thomas Sporrer

Es ist die Welt des Mittelalters, einer Zeit, in der Tirschenreuth die Hauptstadt des Klosters Waldsassen war, einer Zeit, in der auf diesem Gelände das große Schloss dieser bedeutenden, gefürsteten Abtei thronte. Das Tor führte wahrscheinlich zum Untergeschoss des "Waldsassener Kastens", der zur Lagerhaltung der Vorräte diente. Dort mussten die Tirschenreuther über Jahrhunderte ihren Zehent an den Grund- und Landesherrn abliefern.

Gleich rechts neben dem jetzt freigelegten Tor wird sich ein weiteres finden. Eines für die Zufahrt, eines für die Ausfahrt? Zudem wurde der ursprüngliche Zugang zur Fronfeste im Südosten der Baustelle freigelegt. Damit ist bewiesen, dass der Stich vom Merian von 1644 stimmt. Dieser zeigt dort ein langgezogenes Haus, dass im rechten Winkel von der Fronfeste abgeht. Große Gewölbe sind auch jetzt noch im Ansatz zu erkennen. Am Zugang dieses Hauses zur Fronfeste, genau am rechten Pfeiler des Türbogens, findet sich ein Stein mit eingemeißelten Buchstaben.

Noch ist dieser Stein nicht gänzlich freigelegt. "Das behält sich der Archäologe vor" so Franz Krapf, Vorsitzender des Historischen Arbeitskreises, den es trotzdem mächtig in den Fingern juckt! Fast täglich ist er auf der Baustelle und hält Ausschau nach historischen Artefakten. Aber schön brav abwarten ist die Devise.

Warum und wann die Fläche dann verfüllt wurde, ist nicht mehr bekannt. Aus dem vermutlich offenen Untergeschoss wurden so künstliche Keller. Und die wurden dann vergessen, bis Max Gleißner, Gründer des Historischen Arbeitskreises in Tirschenreuth, sie wieder zum Leben erweckte. In der Themenführung der Tirschenreuther Gästeführer standen diese 2015 im Mittelpunkt. 500 Tirschenreuther nutzten damals die Gelegenheit, die Keller anzusehen. "Und jetzt liegt eines der Tore wieder frei, unglaublich", freut sich Krapf.

Weitere Funde deuten auf eine Zeit vor den Ortenburgern hin, also ins 12. Jahrhundert. Das muss man allerdings dann wirklich den Profis überlassen, die demnächst aufschlagen. Wer weiß, vielleicht müssen die Anfänge der Tirschenreuther Geschichte wirklich wieder neu geschrieben werden. Ein Max Gleißner wäre begeistert, sein Nachfolger Franz Krapf ist es sowieso. Für die Architekten Brückner & Brückner eine wahre Herausforderung, Geschichte zu erhalten und Modernes zu schaffen. Man darf hier schon auf die Ideen der Architekten gespannt sein.

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