Vier Jugendliche vom DAV Karlsbad mischen Boulder-Szene auf
Hoch hinaus aufs Treppchen

Fühlen sich in der Vertikalen sehr wohl: von links Lena Spann, Anna Flieger, Alex Gärtner und Felix Flieger. Bild: tr
Vermischtes
Tirschenreuth
06.04.2018
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Wenn es darum geht, senkrechte Grenzen auszuloten, sind Felix und Anna Flieger, Lena Spann und Alex Gärtner in ihrem Element. Ob Indoor, an der Kletterwand oder mit Seil gesichert an einer Steilwand in der Fränkischen Schweiz - Klettern ist die Leidenschaft der vier jungen Sportler.

Die 13-jährige Anna Flieger und ihr 15-jähriger Bruder Felix kommen aus Wurz. Lena Spann ist 14 und wohnt in der Kreisstadt. Der 16-jährige Alex Gärtner stammt aus Helmbrechts bei Waldershof. Alle sind sie sportlich im Deutschen Alpenverein in der Sektion Karlsbad zu Hause. Der ausgebildete Trainer für Wettkampfklettern, Martin Gärtner, ist der Vater von Alex und gleichzeitig der Wettkampfbetreuer seitens der Sektion Karlsbad. Für beste Unterstützung aus der DAV-Sektion sorgt der Jugendreferent Michael Schornbaum.

Deutsche-Meisterschaft

Vor allem die beiden Jungs haben in den vergangenen Jahren in der Wettkampfszene ganz schön mitgemischt und erreichten bei Wettkämpfen mehrfach das Siegertreppchen. "Mit unserem Trainer Martin Gärtner und Dank unserer engagierten jugendlichen Aktiven sind wir richtig ins Wettkampfgeschehen eingetaucht", erklärt Schornbaum. Damit die jungen Leute unter optimalen Bedingungen trainieren können, besteht eine Trainingsgemeinschaft mit der DAV-Sektion Regensburg.

Felix Flieger erzählt, dass er im Prinzip schon sein ganzes Leben lang klettert, ausgenommen die paar Jahre, wo er noch nicht wirklich laufen konnte. 2011 absolvierte er seinen ersten Sechser im Vorstieg, 2012 den ersten Siebener und 2013 belegte er beim Kids-Cup in Regensburg den dritten Platz. 2014 kletterte er bereits Routen im unteren achten Grad, 2015 gewann er den Kids-Cup Regensburg. Er hat seit 2015 praktisch an allen bayerischen Wettkämpfen teilgenommen und wurde 2017 in den Bayernkader aufgenommen. Er startete beim Deutschen Jugend-Boulder-Cup in Dresden und wurde auf Anhieb Fünfter. Auch am natürlichen Fels ist Felix extrem stark und motiviert. 2017 gelangen ihm viele Routen im soliden zehnten Grad. Mehrmals sogar zwei Zehner an einem Tag. "Noch vor wenigen Jahren war der zehnte Schwierigkeitsgrad nur den besten der Welt vorbehalten", erklären Schornbaum und Gärtner das Leistungsniveau der jungen Sportler aus Tirschenreuth.

Alex Gärtner machte seine ersten Klettererfahrungen mit drei Jahren. Richtig los ging es dann, als er fünf war. Seit sechs Jahren trainiert er regelmäßig und erzielte schon respektable Erfolge bei Boulderwettkämpfen. Auch am echten Fels im Outdoorbereich ist er richtig stark. Der obere neunte Grad geht locker im ersten oder zweiten Versuch und in diesem Jahr sollte die Form für den zehnten Grad am Fels genügen. Seit drei Jahren nimmt er neben regionalen Wettkämpfen an der Bayrischen Meisterschaft im Klettern teil.

Seit vergangenem Jahr ist Alex in der A-Jugend aktiv und möchte diesmal an allen Wettkämpfen der Bayrischen Meisterschaft teilnehmen. Im vergangenen Jahr belegte er einen hervorragenden sechsten Platz in der Gesamtwertung der Bayerischen Meisterschaft in der Jugend A. Sein Ziel für 2018: "Die Position erst mal halten, denn die Konkurrenz ist dieses Jahr noch stärker als 2017 und der Wettkampfmodus hat sich durch die Olympia-Teilnahme für 2020 verschärft. Neben dem Wettkampfklettern unternehme ich oft mit meinen Freunden aus dem Boulderverein Glashaus Weiden Touren nach Südfrankreich, Kroatien oder Spanien, um dort geil und schwer zu klettern."

Der Weltklassekletterer Alexander Megos aus Erlangen ist das Vorbild der beiden Jungs, Weltmeisterin Juliane Wurm das Idol von Anna Flieger und Lena Spann. Familiär und freundschaftlich gehe es beim Klettern zu, wenn einer der "Stars" am Felsen angetroffen werde, da komme es schon vor, dass die beste "Beta" (optimale Tritt und Griffkombination für eine schwere Kletterstelle) unter den Athleten ausgetauscht werde. Konkurrenzdenken sei hier fehl am Platz. Hoch und steil wollen die vier Kletterer hinaus, die durch ihre Familien mit der Kletterei aufgewachsen sind und diese Leidenschaft teilweise schon in der dritten Generation pflegen.

Drei Disziplinen

Etwa Mitte der 1980er Jahre entstanden die ersten Kletterwettkämpfe. Man unterscheidet heute dabei drei Disziplinen, "Lead" (Seilklettern), "Speed" (möglichst schnell klettern) und "Bouldern" (Klettern in Absprunghöhe). "Derzeit steht Deutschland im internationalen Vergleich recht gut da", erklärt Gärtner. Stark im Kommen seien die Japaner, wo das Klettern ein regelrechter Volkssport geworden sei und daher zur Olympiade 2020 in Tokio olympisch wird.

Mit unserem Trainer Martin Gärtner und Dank unserer engagierten jugendlichen Aktiven sind wir richtig ins Wettkampfgeschehen eingetaucht.Jugendreferent Michael Schornbaum

Bouldern in der DAV-Sektion KarlsbadIn der Sektion schwankt die Zahl der Kletterer zwischen 60 bis maximal 100. Laut Michael Schornbaum habe der Verein in den vergangenen Jahren viele Mitglieder über das Klettern gewonnen. Seit 2005 gibt es die Kletterwand in der Dreifachturnhalle im Stiftland-Gymnasium. 2015 haben die DAV-Kletterer dort in Eigenregie zusätzlich einen kleinen Boulderraum gebaut. Neben dem Klettern an natürlichen Felsen praktizieren das Wettkampfklettern nur die vier hier vorgestellten Jugendlichen. Laut Martin Gärtner ist Wettkampfklettern eine weitere Disziplin im vielfältigen Klettersport und findet im Gegensatz zum Klettern und Bergsteigen fast ausschließlich nur an künstlichen Kletterwänden statt. "Aktuell sind wir mit Tirschenreuth und der Sektion Karlsbad unter den Top Ten der bayrischen Athleten hervorragend repräsentiert." Um die gesteckten Ziele zu erreichen, trainieren die vier jungen Kletterer mindestens zehn Stunden pro Woche. Im Fels reichen nach deutscher Skala die Schwierigkeitsgrade bis 11 Plus, der zwölfte Grad wurde vor wenigen Wochen erstmals durch die besten Kletterer der Welt erreicht. (tr)
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