23.02.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Vollblutmusiker Jakob Schröder bewertet für uns den Vorentscheid des Eurovision Song Contest Keine Chance auf einen Sieg in Lissabon

Für alles im Leben gibt es ein erstes Mal. Der ehemalige Leiter der Kreismusikschule, Jakob Schröder, schaut für Oberpfalz-Medien zum ersten Mal in seinem 62-jährigen Leben den Vorentscheid des Eurovision Song Contests (ESC) an. Sein Urteil fällt ziemlich vernichtend aus.

Mit Block und Bleistift bewaffnet hat sich Jakob Schröder am Donnerstagabend den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest angeschaut. Der Spaß, sein fachmännisches Urteil darüber abzugeben, war's ihm wert. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

"Es war nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte", sagt Jakob Schröder und lacht. Es ist Donnerstagabend kurz nach 22 Uhr. Gerade ist der Vorentscheid "Unser Lied für Lissabon" im "Ersten" nahezu pünktlich zu Ende gegangen. Der 27-jährige Singer-Songwriter Michael Schulte aus Buxtehude hat gewonnen und wird mit dem Song "You let me walk alone" Deutschland im Finale in Lissabon vertreten.

Auch Schröders Favorit

Damit hat auch der Favorit von Schröder gewonnen. Lange bevor der junge Mann zum Sieger erklärt wird, hatte ihn Schröder schon auf der Liste. "Ich habe Punkte vergeben wie beim Wettbewerb ,Jugend musiziert'", schmunzelt der Tirschenreuther Musikprofi. Michael Schulte habe eine schöne Stimme. Die Entscheidung für ihn als Vertreter Deutschlands findet Schröder deshalb in dieser Auswahl richtig. Auch ein Sänger aus Hannover punktet bei unserem fachkundigen Musikkritiker: Ryks Auftritt mit "You and I" sei sehr anspruchsvoll gewesen, sagt er. Ryk hatte Klavier, Geigenbegleitung und eine auf dem Klavier tanzende Dame als Performance angeboten. Letztere, stöhnt Schröder, hätte es nicht gebraucht: "Kein Ahnung, was die da auf dem Klavier sollte. Sie hat gestört!"

Kemnatherin singt besser

Geht es um perfekte Performance und Beherrschung der Stimme findet Schröder nur für eine einzige Teilnehmerin ein positives Urteil. Er lobt die dunkelhäutige Sängerin Ivy Quianoo mit "House of fire". Sie sei offensichtlich Profi. Knapp und streng ist danach seine Kritik für den Beitrag aus Bayern. Die Band "Voxxclub" bekommt von Schröder nur das Attribut "schwach". Mehr ist der eher peinliche Auftritt der fünf Münchener ihm nicht wert.

Der Auftritt der gebürtigen Georgierin Natia Datua mit "My own way" habe ihm zwar gefallen, erzählt Schröder, aber er kenne aus Kemnath eine vergleichbare Popsängerin, "die das besser kann". Wer aber kann's wirklich besser? 2015 und 2016 war Deutschland im Finale Letzter, 2017 Vorletzter. Auf die Frage, warum seiner Meinung nach Deutschland immer derart schlecht abschneidet beim ESC, fällt Schröders Antwort wenig schmeichelhaft für die deutsche Popmusikszene aus. "Ich sag' das jetzt frei raus: Das ist alles nur aufgepeppte Discountmusik, die niemand weh tut, aber auch niemanden vom Hocker reißt!" Der eine oder andere Beitrag sei originell, so war zu hören. Schröder findet dies nicht: "Das war alles sehr nett, aber alles hat man bereits einmal vorher gehört. Damit haben wir keine Chance auf einen Sieg in Lissabon!" So, jetzt ist sie raus, die vernichtende Kritik unseres lokalen Profimusikers.

Sechs Teilnehmer

Beim Vorentscheid traten sechs Teilnehmer an. Natia Dutua aus Georgien sang "My own way", was ein wenig wie ein Volkslied ihrer Heimat modern aufbereitet klang. Mit "You and I" kam Ryk aus Hannover, der am Klavier und mit Geigenbegleitung Eindruck machte. Die Band "Voxxclub" trat mit ihrem Lied "I mog di so" an. "Jonah" heißt der Song, den Xavier Darcy vortrug. Xavier Darcy ist Münchener mit interessanter Familiengeschichte. Darcys ist durch und durch Europäer: Sein Vater ist Franzose, seine Mutter Engländerin. Geboren wurde Darcy in Schottland, aufgewachsen ist er in München. Als routinierter Bühnenprofi trat Ivy Quainoo mit "House of Fire" auf. Quainoo lebt in New York und ist für den ESC nach Berlin in ihre ehemalige Heimat gezogen. Die beste Stimme hatte Michael Schulte aus Buxtehude, der ein Lied über seinen früh verstorbenen Vater sang.

Unser Musikkritiker

Jakob Schröder ist 62 Jahre alt. Zwölf Jahre lang war er Leiter der Kreismusikschule. Er prägte viele Jahre mit seinem Fachwissen die musische Einrichtung. Seit Mitte 2017 ist Schröder Pensionist und genießt seinen Lebensabend in Tirschenreuth. Schröder hat sich ab dem zarten Alter von sieben Jahren der klassischen Musik verschrieben. Als sein erstes Instrument lernte er Klavier, danach Trompete und Akkordeon, die er nach wie vor beherrscht. Schröder ist aber in der Region vor allem als großartiger Klaviervirtuose bekannt. Seine zahlreichen Soloauftritte sowie seine Gastspiele am Klavier in Musikensembles des Landkreises haben ihm unzählige Fans eingebracht. Die Konzert mit Jakob Schröder sind meist ausverkauft.

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