28.02.2018 - 20:04 Uhr
Tirschenreuth

Warme Mützen und gute Laune gegen Kaltfront „Hartmut“ 13 Grad Minus? Stiftländer halten das aus

Es ist kalt draußen, sogar eiskalt. Wer kann, verzieht sich ins Warme. Aber es gibt auch viele Bürger, die das nicht können, weil sie draußen arbeiten müssen. Und es gibt welche, die diese Tage richtig genießen.

Die beiden Bademeister Helmut Forster und Michael Wirth (hinten) finden's bitterkalt draußen in ihren kurzen Hosen. Die Badegäste genießen den Wintertag im 34 Grad warmen Wasser.
von Ulla Britta BaumerProfil

Sigmund Mages (57) und Manfred Schaller (49) stehen vor ihrem Schutzwagen im Bärnauer Wald. Mages legt die Hand auf den Kanonenofen. "Wird warm", stellt er fest. Jetzt ist Mittagspause, da können sich die Männer aufwärmen, denn momentan müssen sie die frostige Luft täglich acht Stunden aushalten. Von Herbst bis Frühling ist Holz- ernte ganz normal. Mages und Schaller sind die "ganz Harten". Manchmal fahren beide am Morgen um 5 Uhr den Schneepflug, danach geht's weiter zum Holzhauen.

"Ich war Elektriker, wollte aber immer im Wald arbeiten. Also habe ich umgeschult", erzählt Mages. "Nur bei den ersten zwei Bäumen ist's kalt. Dann wärmt die Anstrengung", meint er. Das Ganze sei also gar nicht so schlimm. Klar müssen sich die Männer gut schützen, auch vor der Kälte. Sie sind dick eingepackt, wie für eine Bergsteigertour auf den Mount Everest. "Die Motorsägen haben Griffheizungen", verrät Günter Mayr. Der Förster kommt gerade von der Waldklimastation auf der Silberhütte. Während die Kälte im Wald relativ "aushaltbar" erscheint, pfeift dort oben der Böhmische den Frost auf über 15 Grad Minus hoch. Auch Mayr verbringt sein Berufsleben zu 80 Prozent im Freien. "Gestern war ich aber nur vier Stunden draußen", gesteht er.

Eis eingesammelt

Bei seinen Streifzügen muss er jeden zweiten Dienstag rauf zur Waldklimastation, dem wohl kältesten Arbeitsplatz im Landkreis. Dieses Gerät gibt Daten für europaweite Messungen weiter. Unter anderem füllt er aus Sammelbecken Wasser in Messbehälter ab, die er dann ins Labor sendet. "Momentan nehme ich Eis mit und taue es daheim erst auf", grinst Mayr und zieht sich den Reißverschluss seiner Outdoor-Jacke über die Ohren.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Im Sibyllenbad ist das bitterkalte Wetterhoch Harmut gut fürs Geschäft. "Die Leute zieht es regelrecht ins Warme", sagt Mitarbeiterin Ute Bauer. Drinnen ist viel Betrieb, auch die finnische Außensauna läuft auf Hochtouren. Finnland ist das angesagte Land für heiße Saunagänge an eisigen Wintertagen. Dank "Hartmut" kann das Oberpfälzer Neualbenreuth derzeit mit Finnland mithalten.

Bademeister Helmut Forster hat bei unserem Besuch in Neualbenreuth gerade am Außenbecken zu tun. Er steht dort in kurzen Shorts und klappert, ebenso wie Kollege Michael Wirth. Kein Wunder: Das Thermometer zeigt -8 Grad. Eine Handvoll Gäste im Becken machen sich über die beiden Männer lustig. Diese Mutigen sind tatsächlich draußen im Außenbecken! "Das Wasser hat 34 Grad", erläutert Forster die gute Laune der "Wasserratten" "Das ist herrlich", schwärmt Peter Stein. Der Thüringer ist mit seiner Frau hier, die ebenfalls ins Außenbecken geschwommen ist. "Aber nur wegen der Sonne", betont sie. Ihr Mann ist ein richtig "Eiskalter": Er steigt tatsächlich aus dem Becken und geht tropfnass in der Badehose rüber zur Kneippkur: 16 Grad im Wasser, -8 Grad an der Luft. Brrrr! Man mag gar nicht hinschauen ... Aber Peter Stein friert nicht. "Denn die gefühlte Temperatur ist entscheidend", weiß er, und hier ist das Wasser viel wärmer als die Luft.

Mehrarbeit im Friedhof

Gärtnermeister Joachim Schinner aus Güttern beschert der Dauerfrost viel Mehrarbeit. "Ich renne zwischen den Treibhäusern von Schieber zu Schieber. Auf, zu, auf, zu", sagt er. In der Nacht von Montag auf Dienstag seien die Temperaturen auch im Gewächshaus auf unter null Grad gesunken. Aber zur Katastrophe sei es nicht gekommen. "Das halten unsere Pflanzen schon mal aus. Es sind schließlich Oberpfälzer", so Schinner.

Auch auf dem Friedhof ist Mehrarbeit angesagt. "Die Erde sei hart wie Bein", sagt Bestatter Heinrich Brandl aus Mitterteich. "Da geht nichts mehr mit dem Bagger. Wir müssen die Gräber per Hand ausschaufeln." Also geht's nur noch mit Muskelkraft und mit dem Presslufthammer. Und vielleicht mit einem Stoßgebet zum Himmel, damit Petrus wieder wärmeres Wetter macht.

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