07.05.2018 - 20:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Welttag "Saubere Hände" Bakterien im Keim ersticken

Auch das richtige Händewaschen will gelernt sein. Wie wichtig dieses Thema ist, zeigt, dass es sogar einen Welttag "Saubere Hände" gibt. Und der sorgt im Krankenhaus für einiges Aufsehen.

Hygienefachberaterin Carolin Schmidt zeigt den Mitarbeitern im Krankenhaus, wie die Hände am besten desinfiziert werden. Unter dem Schwarzlicht werden vergessene Stellen deutlich. Bilder: lue (2)
von Lucia SeebauerProfil

Seit 2009 begeht die "World-Health-Organisation" (WHO) den internationalen Tag der Handhygiene. "Das Datum 5.5. wurde gewählt, um die fünf Finger an jeder Hand zu symbolisieren", erklärt Stefany Dürr, ärztliche Leiterin der Hygiene- und Infektionsprävention der Kliniken Nordoberpfalz.

Die Hygienefachberater der Kliniken Nordoberpfalz haben diesmal die Eingangshalle des Tirschenreuther Krankenhauses gewählt, um zu zeigen, welche Stellen bei der Reinigung mit Desinfektionsmittel gerne vergessen werden. Dürr machte gemeinsam mit den Hygienefachberaterinnen Sabine Fischer, Carolin Schmidt und Sabine Pühl am Aktionstag "Saubere Hände" deutlich, wie wichtig regelmäßiges und gründliches Händewaschen ist - gerade in einem Krankenhaus. Die Aktion richtete sich vor allem an Ärzte, Pflegekräfte und Patienten.

Dafür hatten die Experten einen großen Stand in der Eingangshalle aufgestellt. In kleinen Petrischalen zeigte Sabine Fischer Momentaufnahmen von Bakterienkulturen. Sie nahm unter anderem Abstriche in einem Aufzug, von einer Computertastatur oder von sich selbst, nachdem sie ihren Hund gestreichelt hatte. "Keime und Bakterien sind überall. Doch deswegen braucht man keine Angst haben. Nicht alle sind gefährlich", meinte sie. Im Gegenteil, der Mensch benötige sie sogar, um den Säureschutzmantel der Haut und das Immunsystem zu stärken.

30-Sekunden-Regel

Doch im Krankenhaus müssten Ärzte und Pflegepersonal aufpassen, Bakterien nicht von Patient zu Patient weiterzugeben. Dafür benötigten sie Desinfektionsmittel. "Eine Krankenschwester ist verpflichtet, sich 30 Sekunden lang das Mittel auf der Haut einzuarbeiten", sagte Dürr. Das mache sie durchschnittlich 100 Mal, rund 50 Minuten an einem Arbeitstag. Nach dem Einarbeiten sei es schwer nachzuvollziehen, ob jede Stelle mit dem Mittel abgedeckt sei. Dafür hatten die Hygienefachberaterinnen zwei Schwarzlichtgeräte mitgebracht. Sie machten sichtbar, was für das bloße Auge vorher nicht zu erkennen war und zeigten, welche Stellen "vergessen" worden waren "Bereiche unter den Fingernägeln, die Daumen und bestimmte Falten werden gerne ausgelassen", sagte Fischer.

Stefany Dürr appellierte an die Politik: "Die Zeit, die das Personal im Krankenhaus für Hygiene benötigt, muss auch finanziert und unterstützt werden. Noch immer fehlt eine Mindestquote an personeller Ausstattung in den Krankenhäusern." Viele Pflegekräfte und Ärzte seien bereits ausgelastet. "Die Konsequenz ist, dass Patienten nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie benötigen. Außerhalb vom Krankenhaus sollte so wenig Desinfektionsmittel wie möglich gebraucht werden." Dürr betonte: "Es reicht vollkommen, wenn man sich gründlich die Hände mit Seife wäscht."

Resistente Kulturen

Die Gefahr sei, dass sonst Bakterien entstünden, die gegen die Mittel resistent seien. "In Europa gibt es das bislang noch nicht. Aber in den USA hat man schon Resistenzen festgestellt", erklärte Dürr weiter. Aufpassen sollten Menschen jedoch bei offenen Wunden, beim Tragen eines Katheters oder mit einem geschwächten Immunsystem. "Allerdings braucht es dazu eine Vielzahl an Keimen, bis diese etwas ausrichten können", meinte sie.

Gründliches Händewaschen verhindert viele Infektionskrankheiten. "Allein die Hälfte aller ansteckbaren Durchfallerkrankungen könnten vermieden werden", so Dürr. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, die Hände immer nach dem Nachhausekommen, dem Toilettengang, dem Wechseln von Windeln bei Kleinkindern, dem Naseputzen, dem Kontakt mit Abfällen oder mit Tieren, Tierfutter sowie tierischem Abfall zu waschen. Weil es so Etikette ist, husten viele Menschen noch in die flache Hand: "Davon ist man weggekommen. Besser ist es den Arm auszustrecken und vom Menschen wegzuhusten."

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