18.02.2018 - 20:00 Uhr
Tirschenreuth

Wolfgang Krauß wechselt in den Ruhestand Schulmann durch und durch

Am 31. März ist offiziell der letzte Arbeitstag für Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß. Er hängt zwar seinen Beruf an den Nagel, niemals aber seine Passion. "Ich habe mich immer am Kind orientiert", sagt er im Gespräch und legt diese Vorgehensweise seinen Kollegen ans Herz.

Seit 2011 leitet Schulamtsdirektor Wolfgang Krauß das Schulamt Tirschenreuth. Der 1. April ist sein erster Tag als Pensionär. Bild: Grüner
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Sieben Jahre lang war Krauß Schulamtsdirektor, seit acht Jahren auch fachlicher Leiter am Tirschenreuther Schulamt. In seiner Zeit als Seminarrektor habe er in der Kreisstadt viele sehr gute Erfahrungen mit Junglehrern und Betreuungslehrern gemacht. "Hier sind ausgezeichnete Leute zugange". Den wunderschönen Landkreis habe er in der Hauptsache über die Schulen kennengelernt, stellt Krauß fest. Die vergangenen Jahre in Tirschenreuth seien stets ein persönlicher Gewinn für ihn gewesen.

Vieles bewirkt

Wie jeder Lehrer hat Krauß praktisch sein bisheriges Leben in der Schule verbracht. "Von meinen Kollegen habe ich mir immer gewünscht, dass sie mir sagen, was Sache ist. Umgekehrt habe ich das auch gegenüber der Obrigkeit so gehalten, etwa in meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender beim Verband der Schulräte in der Oberpfalz. Außerschulisch war Krauß im Pfarrgemeinderat und bei diversen Sportvereinen aktiv. Vieles hat er während seiner Karriere mitbewirkt. So war er beispielsweise bei der Gewinnung der unabhängigen Beratungsstelle für Inklusion maßgeblich beteiligt.

Öfter entschleunigen

Aus seiner großen Erfahrung heraus weiß er heute, "in manchen Dingen ist es besser auf Entschleunigung zu setzen als immer nur auf größer, schneller, besser, weiter." Bei all seinem Tun habe er sich stets am Artikel 1 des Grundgesetzes orientiert: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Schule sei ein Lebensmodell, deshalb müsse man sich am Leben orientieren und vor allem am Kind. Bei allen Entscheidungen und Vorschriften müsse immer die Frage im Vordergrund stehen, "ist das für das Kind von Bedeutung?" Bei Wolfgang Krauß drehte sich stets alles um die Schule. Auch in der Freizeit ließ sie ihn nicht los. Als Vielleser hat er immer Bücher bevorzugt, die ihn in seinem Beruf weiterbringen. Aber er liest nicht nur einfach ein Buch von Anfang bis Ende durch. "Ich bin ein komischer Leser", berichtet er. "Ich habe immer gleichzeitig mehrere Bücher zum gleichen Thema nebeneinander auf dem Tisch liegen, markiere Stellen, schreibe hinein, schaue nach, was ein anderer Autor zum jeweiligen Thema sagt."

Lesen dient ihm aber schon auch zur Entspannung. Das gelingt ihm etwa mit "Augustus" oder "Stoner" von John Williams. Er liest alles, was aktuell von Nobelpreisträgern kommt. "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro, oder "Träumer" von Volker Weidermann sind Werke, die er schätzt. Außerdem verehrt er Hermann Hesse und Ulla Hahn. Wolfgang Krauß singt seit 1984 im Kirchenchor Weiherhammer. Was passiven Musikgenuss betrifft, schätzt er die Klassiker. Mozart, Beethoven und Franz Schubert sind dabei seine Favoriten. Aber auch mit der leichten Musik ist er vertraut. Spontan antwortet er auf die Frage seiner Lieblingsband, "Bee Gees". Mit Hardrock und Heavy Metal kann er hingegen eher nichts anfangen, "außer die schweren Jungs spielen ihre zu Herzen gehenden Balladen".

Reinhard Mey als Vorbild

Da ist noch einer, den er geradezu verehrt. "Zeugnistag", eines der Lieder, in der Reinhard Mey seine eigene Schulzeit verarbeitet, geht ihm dabei besonders unter die Haut. "Das sollte sich jeder Lehrer zu Herzen nehmen, bevor er einen Schüler beurteilt", meint Krauß. Auch Theater schätzt der Kulturinteressierte sehr. Dabei stehen ebenfalls die Klassiker im Vordergrund und auch hier mag er es konservativ, liebt er Inszenierungen, so wie sie der Autor einst gewollt hat. "Ich werde im Ruhestand Dinge kommentieren. Was ich nicht tun werde, ist zu Hause rumsitzen", weiß der 65-Jährige schon jetzt.

Mehrere Bewerber

Im Amt ist Krauß noch bis zum 21. März anzutreffen. Dann feiert er seinen Resturlaub ab. Es gebe mehrere Bewerber für seine Nachfolge, weiß er. Persönlich wünscht er sich, "eine ganz bestimmte Person", ohne konkreter zu werden. "Das ist jemand, der nahtlos einsteigen und das bisher Erreichte problemlos fortführen kann." Derzeit plant er mit seiner Ehefrau einen Urlaub. Es könnte wieder einmal Wien werden.

Vita

Wolfgang Krauß kommt am 8. September 1952 in Kaltenbrunn im Landkreis Neustadt/Waldnaab zur Welt. Von 1958 bis 1963 besucht er die Volksschule am Heimatort. Danach wechselt er an das Augustinus-Gymnasium in Weiden und wohnt bis zum Abitur 1972 im Augustinerseminar. Diese Epoche bezeichnet er als die bildungswirksamste in seinem Leben. 1973 beendet er seinen Grundwehrdienst beim Jägerbataillon in Cham. Bis 1976 studiert Wolfgang Krauß an der Universität in Regensburg. 1978 heiratet er seine Ehefrau Irmgard. Zwei Töchter, Stephanie und Kathrin, gehen aus der Ehe hervor. Beide sind heute ebenfalls Lehrer. Wolfgang Krauß lebt in Weiherhammer. Seine Schullaufbahn beginnt 1979 als Lehrer im Landkreis Neustadt/Waldnaab. Vorwiegend unterrichtet er damals in Weiherhammer. 1993 wird er Qualifizierter Beratungslehrer für Schulpsychologie. 1994 führt ihn sein beruflicher Weg als Konrektor an die Grund- und Teilhauptschule nach Luhe-Wildenau. Im selben Jahr wird er Seminarrektor für Neustadt/Waldnaab, Weiden, Tirschenreuth, Amberg-Sulzbach, Amberg und Schwandorf. 2003 wird er Studienseminarleiter und von 2005 bis 2010 ist er Schulrat am Schulamt in Neustadt/Waldnaab. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst Ende März, leitet er danach als Schulamtsdirektor das Tirschenreuther Schulamt. Wolfgang Krauß wirkt als Autor unter anderem in Sprachbüchern und Fachzeitschriften mit. Er referiert auf regionaler Schulebene und ist Mitglied in zahlreichen Gremien. (tr)

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