28.02.2018 - 18:54 Uhr
Tirschenreuth

Zukunft des MTT weiter ungewiss Neues Manuskript für altes Kino

Die Türen sind nur offen, damit kurzfristig Tageslicht den Raum für ein paar Fotos erhellt. Das nutzt ein Passant, fragt die kleine Gesellschaft, ob sie zum Modernen Theater (MTT) gehört. Der Amberger will wissen, wann denn hier endlich wieder einmal gespielt wird.

An der Fassade bröckelt der Putz, die Türen sind verschlossen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Seit vor acht Jahren die "Bluthochzeit" über die Bühne ging, ruht der Spielbetrieb, ist das Gebäude dicht. Das MTT will das ehemalige "Luitpold-Theater" aus den 1960er-Jahren unbedingt als Spielstätte erhalten. Das geht aber nicht ohne Hilfe der Stadt. Bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien über die Zukunft des ehemaligen Kinos stellten Bürgermeister Franz Stahl, Stadtkämmerer August Trißl und MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller ihre Positionen dar.

2,5 Millionen Euro

Nach einer ersten Kostenrechnung schlägt eine Sanierung mit etwa 2,5 Millionen Euro zu Buche. Ein Batzen Geld, der nicht so ohne weiteres aus der Portokasse bezahlt werden kann. Zehn Prozent der Summe kann das MTT bisher durch Spenden beisteuern. Die stammen aus einer großen Einzelspende und vielen kleineren aus der Aktion "Bretter, die die Welt bedeuten", die nach wie vor gut läuft. Winklmüller hofft, dass der Verein im Endeffekt 500 000 Euro zusammenbringt. Das Objekt passe durchaus ins Portfolio des Stadtumbaus West, stellte der Bürgermeister fest. Es habe auch schon konkrete Gespräche mit der Regierung gegeben, die das Projekt durchaus positiv bewerte, vorausgesetzt ein schlüssiges Nachfolgekonzept läge auf dem Tisch. Zweimal war die Gebietsreferentin Regina Harrer vor Ort und sei angetan gewesen vom Charme des alten Gebäudes. "Und den gilt es auch unbedingt zu erhalten", sagen die Beteiligten.

Stahl erklärte: "Wir brauchen da einen Profi, der uns ein schlüssiges Nutzungskonzept erarbeitet." Denn das Haus soll viel mehr als nur ein reines Theater werden, soll auch für kommunale und andere Veranstaltungen ein Forum bieten. Dem stimmt auch Florian Winklmüller zu, der bei der Stadt bereits ein Konzept aus Sicht des Theatervereins vorgelegt hat. Auch er begrüßt die Idee eines Multifunktionsgebäudes anstatt eines reinen Theaters.

Digitale Vermessung

Möglichst viele Veranstaltungen in vielen erdenklichen Formen sollen darin stattfinden. Eine Kleinkunstbühne und ein Podium für Künstler wünscht sich das MTT. Anfragen gäbe es bereits vom Landestheater Oberpfalz und von der Futura 87, die beide den Spielort nutzen möchten. Stahl erklärt, dass die Stadt bereits eine Grundlage geschaffen habe. Der Stadtrat habe im Jahresantrag für die Städtebauförderung für das laufende Jahr 35 000 Euro für die digitale Vermessung des Gebäudes beschlossen. Ein Fachbüro sei beauftragt und bis Ende Mai sollte die Angelegenheit erledigt sein. Im Herbst werde ein Gespräch mit dem Konzeptersteller, der den Pool aus allen Vorschlägen, Plänen und Ideen in seine Vorschläge einfließen lässt, stattfinden.

Aufgaben teilen

Die Sanierung sei eine Sache, die Nutzung eine andere, hieß es. Es werde mindestens ein Veranstaltungsmanager, ein Techniker und ein Springer benötigt, ist sich Stahl sicher. Ehrenamtliche aus den Reihen des MTT und Mitarbeiter bei der Stadt könnten sich die Aufgaben vielleicht teilen, wurde spekuliert. Bei kommunalen Veranstaltungen sei ohnehin die Stadt technisch und unterhaltstechnisch in der Pflicht, weil es ja einmal ihr Haus sein werde. Bei Theaterveranstaltungen zeichne hingegen das MTT verantwortlich. August Trißl meint: "Wenn das Konzept steht und fördertechnisch interessant erscheint, wird die nächsten fünf Jahre etwas passieren."

"Mit dem Umzug ins Kettelerhaus als Spielstätte mussten wir einen Paradigmenwechsel vollziehen", bedauert Winklmüller. "Dort können wir nicht spielen, was wir im Kino gemacht haben. Mutig haben wir eine Kulturform geschaffen, die von den Menschen angenommen wurde, dahin wollen wir zurück und dafür brauchen wir das Luitpold-Theater", unterstreicht er die Ambitionen der MTT-Schauspieler.

Mit dem Umzug ins Kettelerhaus als Spielstätte mussten wir einen Paradigmenwechsel vollziehen.MTT-Vorsitzender Florian Winklmüller

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