Frauen in "Männerberufen" - Umdenken im Kopf und bei den Betrieben gefordert
Feinmotorik und Präzision gefragt

Auch Frauen können in den klassischen "Männerberufen" erfolgreich sein. Das zeigen zum Beispiel Jessica Becker (Zweite von links) und Claudia Grillmeyer (Dritte von links). Darum freuen sich Hilke Janssen, Teamleiterin beim Jobcenter (links), Horst Heider, Geschäftsführender Gesellschafter von MTT (Mitte), Manfred Sommer, Beauftragter für Chancengleichheit, Rudolf Kreuzer, Leiter der Erwachsenenbildung bei Kolping und Daniel Fischer vom Jobcenter. Bild: axs
Wirtschaft
Tirschenreuth
03.09.2014
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Eine Werkstatt, Maschinen kreischen, es herrscht hektisches Treiben. Nicht das ideale Umfeld für eine Frau, so die landläufige Meinung. Doch weit gefehlt. Initiativen, die mehr Frauen einen Perspektivwechsel und auch einen Weg ins Handwerk ermöglichen sollen, gibt es bereits. Dass solche Kooperationen zwischen Unternehmen auch wirklich fruchten, zeigt aktuell der Fall von Claudia Grillmeyer.

Die 36-Jährige hat im Juli 1994 ihren Hauptschulabschluss gemacht. Danach war sie unter anderem in der Porzellanfabrik oder in verschiedenen Hilfstätigkeiten angestellt. Nichts mit langfristiger Perspektive.

Dann, im September vergangenen Jahres, startete das Jobcenter Tirschenreuth zusammen mit der Kolping-Berufshilfe ein neues Projekt. Im achtwöchigen Kurs "Karrierefrauen Metall" sollten die Teilnehmer die Möglichkeit bekommen, sich neu zu orientieren und auch gewisse Vorurteile zu revidieren.

Umschulung möglich

Und die Erkenntnis, dass Metallbau nicht nur Hitze, Schmutz und harte körperliche Arbeit ist, brachte anscheinend ungeahnte Motivation. Denn immerhin die Hälfte der Frauen meldeten sich für einen Folgelehrgang an. Dabei wurde der Ausbildungsbaustein 1 zum Industriemechaniker bewältigt. Dieser Teilabschluss wird auch von der IHK anerkannt. Im Fall von Claudia Grillmeyer wurde dabei wohl eine Berufung entdeckt. Denn nach der Maßnahme entschloss sich, die zuvor ungelernte Packerin, zu einer Umschulung in den Bereich Metallbau Konstruktionstechnik bei der Firma Metall Technik Tirschenreuth (MTT).

Dort trafen sich zu Beginn der Woche auch Vertreter des Jobcenters, von Kolping und natürlich des Betriebes zu einer Besprechung. Anlass war der Ausbildungsbeginn und auch das Anliegen auf die Berufsbildproblematik aufmerksam zu machen. "Nach wie vor halten sich nämlich in den Köpfen der Menschen, und in denen der berufstätigen Frauen ganz besonders, verschiedene Stereotype. Häufig sind Bürojobs die erste Option, weil man so Familie und Beruf besser vereinbaren kann", erklärt Manfred Sommer vom Jobcenter. Doch auch das müsse nicht zwingend zutreffen. Viele kleine Unternehmen seien zu Kompromissen bereit. "Man muss nur aufeinander zugehen", so Hilke Janssen, Teamleiterin Markt und Integration, weiter.

Hilfe vom Jobcenter

Sowohl bei den Betrieben als auch bei den Frauen brauche es dazu ein Umdenken. Denn ein Ausbildungsberuf sei keine Einbahnstraße, auch innerhalb der Firmen kann man sich weiterentwickeln. Und wer den Schritt wagt, der steht keinesfalls allein da. So erhält etwa Claudia Grillmeyer in ihrer Ausbildungszeit weiterhin Unterstützung vom Jobcenter. Ihren Abschluss möchte sie im Sommer 2016 in der Tasche haben. Dieses Beispiel zeigt, dass durch Kooperation von Unternehmensseite und Motivation aufseiten der Arbeitnehmer auch gängige Vorurteile ausgeräumt werden können. Das wiederum könnte erheblich dazu beitragen, dem Fachkräftemangel, auch im Landkreis entgegen zu wirken.
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