Geht den Oberpfälzern das Heizöl aus?
Kalt erwischt im langen Winter

Einmal volltanken bitte: 11 500 Liter Heizöl fasst die Fuhre eines Tank-Lkw, mit dem üblicherweise Privathaushalte beliefert werden. Bilder: Hartl, Herda
Wirtschaft
Tirschenreuth
20.03.2018
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"Wir haben mit unserem Heizölhändler ausgemacht, bei Sammelbestellungen den 10 000-Liter-Preis zu bekommen." Zitat: Christian Benoist, Verband Wohneigentum

Der kälteste März sein Beginn der Aufzeichnungen hat manchen Haushalt kalt erwischt: Wer gedacht hat, der Winter ist auf dem Rückzug, mit dem Bodensatz Öl schaffe ich's noch bis zum Frühling, sieht sich getäuscht. Frieren muss deshalb trotzdem keiner.

Amberg/Schwarzenfeld/Tirschenreuth/Weiden. "Probleme gab's bisher keine", stellt Gerhard Strobl, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Tirschenreuth , fest. "Wer kein's mehr hat, bestellt halt nach", sagt er trocken. Das sei kein Drama, die Preise hätten sich nicht viel bewegt. Einen kleinen Mengenrabatt erzielen die Siedler mit Sammelbestellungen für 30 bis 40 Mitglieder: "Man spart ein paar Cent, das letzte Mal haben wir's für 47,7 statt 49 oder 50 Cent bekommen." Meist lassen sie im Herbst oder Frühjahr volltanken: "Da kommen dann schon so 250 000 Liter zusammen."

Christian Benoist, Bezirksvorsitzender des Verbands Wohneigentum, macht in Schwarzenfeld vor, wie sich gemeinsam Geld sparen lässt: "Wir haben mit unserem Heizölhändler ausgemacht, dass wir bei Sammelbestellungen immer den 10 000-Liter-Preis bekommen." Darüberhinaus hat sich der Händler verpflichtet, die Kunden der Siedlergemeinschaft zu informieren, wenn der Preis stark gesunken ist: "So ab 5 Cent ruft er die Leute an, die er beliefert." Eine Mindestabnahme fällt weg, lediglich eine Hauptlieferung im Jahr ist vereinbart. "Wenn sich einzelne verschätzt haben mit der Dauer des Winters, bekommen sie auch jetzt noch 1000 Liter zum 10 000-Liter-Preis", beruhigt Benoist.

"Engpass haben wir noch keinen", sagt Rainer Stammler, Betriebsleiter der Bergler Mineralöl GmbH in Amberg , "aber klar, ein erhöhtes Aufkommen verzeichnen wir schon." Für viele käme nach dem milden Januar der Kälteeinbruch überraschend. Stammler muss es wissen, schließlich versorgt sein Unternehmen die ganze Oberpfalz mit Heizöl: "Von Regensburg bis Marktredwitz und von Hof bis Weiden."

Öl ist Börsengut

Es könne schon sein, dass sich der ein oder andere etwas verspekuliert habe, man hoffe immer auf günstigere Preise: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Die seien allerdings seit mehreren Wochen stabil. "Letztes Jahr war Heizöl etwas günstiger, vor zwei Jahren teurer - ich würde sagen, wir liegen zurzeit so mitten drin." Saisonale Schwankungen gebe es kaum mehr: "Öl ist ausschließlich Börsengut, erst am 31.12. kann man sagen, ob man einen guten Zeitpunkt erwischt hat."

Deshalb ist guter Rat nicht teuer, denn auch Experten könnten nur sagen: "Am klügsten kauft man bei Bedarf und wenn's der Geldbeutel hergibt - meistens macht man im Jahresmittel nichts verkehrt." Ja, vor sieben, acht Jahren sei der Markt noch empfindlicher gewesen: "Wenn da der US- oder der russische Präsident für eine Schlagzeile sorgte, ist der Preis gleich mal hoch oder hinab gerauscht."

Diese Zeiten seien vorbei, die Börse reagiere nicht mehr so sensibel, die Verbraucher ließen sich nicht mehr so leicht schocken. "Die Amerikaner wollen durch Fracking autark werden, die OPEC steuert dagegen, die halten sich insgesamt gegenseitig in Schach", sagt Stammler. "Dass wir über Wochen trotz der Kälte so ein konstantes Preisniveau haben, hätte es früher nicht gegeben."

Aus für fossile Brennstoffe?

Auch die Angst vor dem Ende der fossilen Brennstoffe treibe derzeit keinen um: "Bei einigen Erdölvorkommen haben wir den Peak erreicht", meint der Öl-Händler. "Die nächsten 30 Jahre wird es wohl teurer." Andererseits würden ständig neue Quellen entdeckt. Stammlers Bilanz: "Wir werden alle nicht an Energiesparmaßnahmen rumkommen, auch eine Kombination mit PV-Anlagen ist sinnvoll - dann kann man auch mit Öl noch sinnvoll wirtschaften."

Wir haben mit unserem Heizölhändler ausgemacht, bei Sammelbestellungen den 10 000-Liter-Preis zu bekommen.Christian Benoist, Verband Wohneigentum
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