19.02.2018 - 21:14 Uhr
Tirschenreuth

Tarifabschluss in der Metallindustrie Netzsch verlässt Tarifvertrag

Tirschenreuth/Selb. Die Netzsch Feinmahltechnik GmbH mit ihren Standorten in Tirschenreuth und Selb sowie die Netzsch Pumpen & System GmbH in Waldkraiburg haben den Tarifverband verlassen. Das teilte die Netzsch-Gruppe am Montag mit. Zeitgleich wurde den Mitarbeitern in Betriebsversammlungen zugesichert, dass das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren die Lohnerhöhungen der Branche übernehmen werde, sagte Hanns-Peter Ohl, Geschäftsführer der Netsch-Gruppe unserer Zeitung. Das Unternehmen halte an seinem Motto "Guter Lohn für gute Arbeit" fest.

Symbolbild: Jens Wolf/dpa
von Alexander Pausch Kontakt Profil

In Tirschenreuth sind vom Austritt aus dem Tarifvertrag 122 Mitarbeiter betroffen und in Selb 207. Die Netsch-Gruppe mit Sitz in Selb erzielte vergangenes Jahr einen Umsatz von rund 475 Millionen Euro. Weltweit beschäftigt das Unternehmen derzeit 3520 Mitarbeiter, davon 1509 in Deutschland. Von den neun Tochtergesellschaften der Gruppe waren zuletzt nur mehr zwei tarifgebunden.

Die IG Metall reagiert auf den Austritt aus dem Tarif gelassen. "Wir sehen das entspannt", sagte Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Amberg auf Nachfrage unserer Zeitung. Netzsch sei der erste Fall im Bereich der mittleren und nördlichen Oberpfalz seit dem jüngsten Tarifabschluss. "Jeder der geht, kriegt es einzeln mit uns zu tun." Das bedeute, in so einem Fall werde die IG Metall eben Vereinbarungen auf betrieblicher Ebene anstreben. Im Fall Netzsch sei die IG Metall Oberfranken federführend, da die Zentrale des Unternehmens in Selb sei. Ott betonte zugleich, die IG Metall habe immer mit Unternehmen einzeln verhandelt, wenn es entsprechende betriebliche Gründe gegeben habe, etwa um schwierige Phasen zu überstehen.

Der jüngste Abschluss in der Metallindustrie hat laut Ohl den letzten Ausschlag gegeben, den Tarifverbund zu verlassen. Die Kündigung war bereits zum Oktober erfolgt, und wurde nun mitgeteilt. Dabei stört sich Netzsch weniger an der Entgelterhöhung, sondern an der "kaum zu vermittelnden Bürokratie". Diese hindere, die für das Geschäft nötige, unkomplizierte Flexibilität aufrecht zu erhalten. "Wir sind heute schon gegenüber unseren nicht-tarifgebundenen Wettbewerbern im Nachteil."

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