20.10.2017 - 20:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Tirschenreuther Wohnungsbaugesellschaft errichtet in Herzogenaurach Boarding House Oberpfälzer Kewog macht in Franken das Rennen

Millionenprojekte ist Geschäftsführer Bernd Büsching gewohnt. Aber wenn er von diesem Boardinghouse spricht, dann merkt man bei jedem Wort, dass dies ein ganz besonderes Vorhaben ist. Die Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) hat den Zuschlag für den Bau und Betrieb eines solchen Hauses in Herzogenaurach bekommen. Investitionsvolumen: rund 15 Millionen Euro. Damit ist dies eines der größten Projekte in der Geschichte der Kewog.

Über 100 Appartements errichtet die Kewog in Herzogenaurach. Im Boardinghouse kann man sich für die Dauer von bis zu einem halben Jahr einmieten. Im Frühjahr soll Spatenstich für das Vorzeigeprojekt sein. Bild: exb/Kewog
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Und eines der ungewöhnlichsten. Das Boardinghouse soll über 100 moderne Appartements beherbergen, in denen vor allem die Mitarbeiter der großen Sportartikelfirmen Adidas und Puma sowie des Automobilzulieferers Schaeffler einchecken und teilweise auch arbeiten sollen. Büsching hat bereits Kontakt zu den Firmen aufgenommen und weiß, dass die Weltkonzerne einiges erwarten: Working Areas für gemeinsame Besprechungen, volle Digitalisierung und im ganzen Haus absolute Wohlfühlatmosphäre. "Außerdem brauchen wir für die amerikanischen Gäste Eiswürfelmaschinen. Das ist für die ganz wichtig."

Das Gebäude wird auf einem zentralen Platz im neuen Stadtquartier "Herzo Base II" entstehen, das Herzogenaurach entwickelt. Das Projekt der Oberpfälzer soll das Sahnehäubchen dieses Viertels werden. Deshalb hat Herzogenaurach auch einen Ideen-Wettbewerb für das Großprojekt ausgeschrieben. Als die Kewog davon erfuhr, warf sie den Hut in den Ring. "Aber dass wir wirklich zum Zuge kommen würden, hätten wir nie gedacht", erzählt Büsching. Die Kewog setzte sich gegen internationale Konkurrenz durch: mit einer L-förmigen Bebauung mit Dachterrasse und Tiefgarage rund um einen zentralen Platz.

Inzwischen sind die beiden insgesamt rund 3500 Quadratmeter großen Grundstücke im Besitz der Kewog. Auch die Baugenehmigung liegt vor. Die Tirschenreuther wollten eigentlich bereits im Herbst mit dem Bau beginnen. Aber die Bauunternehmen haben volle Auftragsbücher, was sich in hohen Vergabepreisen auswirken würde. Also wurde der Start auf Frühjahr verschoben. Statt des anfänglich geplanten Generalunternehmens wird ein Mitarbeiter der Kewog das Projekt steuern. Büsching: "Dadurch sparen wir Geld."

Derzeit läuft in der Zentrale in Tirschenreuth die Ausschreibung für das Großprojekt, das aus zwei Einzelgebäuden besteht: einem dreigeschossigen Trakt mit 64 Appartements und einem sechsgeschossigen Gebäude mit 42 Appartements und zwei Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss. Die Appartements werden mit kleinen Küchenzeilen ausgestattet und richtig schön wohnlich eingerichtet. Büsching: "Der Betrieb wird vollständig durch uns erfolgen. Wir können hier auf unsere Erfahrungen, die wir im Appartement-Hotel in Sibyllenbad gesammelt haben, zurückgreifen", erläutert der Krummennaaber. Vielleicht neben dem kommunalen Hintergrund der Kewog auch ein Grund, warum der Zuschlag in die Oberpfalz ging.

Um die Auslastung ist dem Geschäftsführer überhaupt nicht bange. Die Weltkonzerne Puma, Adidas und Schaeffler hätten nur 500 Meter vom Neubau ihre Firmenzentralen entfernt. Damit sei die Wirtschaftlichkeit schon fast garantiert. In Projekten wie dem Herzogenauracher Boardinghouse sieht Büsching eine neue Nische für die Kewog und vielleicht einen Zukunftsmarkt "mit erheblichem Wachstumspotenzial".

Büsching rechnet damit, dass für die Bewirtschaftung in Herzogenaurach zehn neue Vollzeitkräfte sowie etliche Teilzeitkräfte gebraucht werden. "Aber die Wertschöpfung bleibt hier im Landkreis Tirschenreuth", betont der Geschäftsführer, der die weitere Entwicklung des Projekts zur Chefsache erklärt hat.

Boardinghouse

Ein Boardinghouse ist ein Apartment-Hotelbetrieb, der auf einen längeren Aufenthalt der Hotelgäste ausgerichtet ist. Oft ist daher auch von einem "Zuhause auf Zeit" die Rede. Vor allem Firmen, die über längere Zeit Mitarbeiter für bestimmte Projekte in andere Städte entsenden, greifen gern auf solche Einrichtungen zurück.

Nach Auskunft des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes sind die Zimmer von ihrer Ausstattung her an privaten Wohnungen ausgerichtet. Der Service kann von sehr geringem Angebot bis hin zu einem hotelmäßigen Roomservice reichen.

Die Höhe der Mieten für die modernen Appartements richtet sich nach der Aufenthaltsdauer. Je nachdem, ob es sich um Shortstays (bis zu 6 Nächte), Midstays (7 bis 27 Nächte) oder Longstays (28 Nächte bis maximal 6 Monate) handelt, werden sie unterschiedlich hoch berechnet.

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