05.02.2018 - 20:12 Uhr
Tirschenreuth

Wirtschaftsförderer zieht kurz vor tragischem Tod Bilanz 1000 Mal Gründer beraten

Das Bild, das der Beamer mehrfach auf die Leinwand wirft, ist ungemein passend und leicht zu verstehen. Drei Zahnräder greifen ineinander und bringen sich gegenseitig in Schwung. Der Schwung hat geholfen, eine schlimme Krise im Landkreis zu meistern.

von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Die drei Zahnräder stehen für die Wirtschaftsförderung, das Gründerzentrum und das Regionalmanagement, die inzwischen im Landkreis in einer GmbH vereint sind. Geschäftsführer dieser GmbH war Manfred Dietrich. Kurz vor seinem tragischen Unfalltod stand er im Kreistag noch einmal am Rednerpult und erzählt von seiner Arbeit und den Leistungen "seiner" GmbH. Dietrich zeigte sich überzeugt: "Das waren Beschleuniger aus der Krise." Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, die Probleme, die durch den Wegfall der Arbeitsplätze in der Knopf- und Porzellanindustrie entstanden seien, zu meistern. Im Landkreis gebe es heute mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze als vor dieser Krise, betonte der Wirtschaftsförderer im Mehrzweckraum des Stiftland-Gymnasiums.

Transparenz oft einfach

In den vergangenen 16 Jahren seien circa 500 Gespräche über Investitionen bei Firmen geführt und etwa 1000 Existenzgründerberatungen durchgeführt worden. Mehr als eine halbe Milliarde Euro seien in diesem Zeitraum an Firmeninvestitionen im Landkreis Tirschenreuth erfolgt.

Der 57-Jährige machte auch deutlich, dass es oft nicht ganz einfach sei, diese Erfolge transparent zu machen. Es gebe oft berechtigte Interessen, dass vieles im Bereich Wirtschaftsförderung nicht nach draußen dringe. Welcher Unternehmer wolle denn gerne in der Zeitung lesen, was er vorhabe. Wer wolle schon veröffentlicht haben, was er an Zuschüssen erhalten habe. Das Gleiche gelte für Situationen, in denen man helfe, weil etwas schief gelaufen sei oder der Verlust von Aufträgen drohe.

Im Jahr 2017 sei das Gründerzentrum zu 73 Prozent ausgelastet gewesen (2016: 66 Prozent). Neben einer Einrichtung für Startups habe sich das Gründerzentrum zuletzt auch als "Hafen für Heimkehrer" bewährt, verriet Dietrich.

Als Beispiele führte der Geschäftsführer Firmen wie Gesundheitsfahrschule J. Fortelny (Gesundheitsprävention), Conetworx (Messen, Beratung und Coaching), KeramikPower Karl Adlhoch (Heizelemente für den Umweltsektor), PowerMold GmbH (Konstruktionsdienstleistungen für den Werkzeug- und Formenbau), Biovariance GmbH (Bioinformatik, Analysen und Forschung), mCloud Systems GmbH (Programmierung, Kommunikation und Elektronikentwicklung), sowie ZettlKopp GbR (Kommunikationsdesign) an.

Neue Herausforderungen

Dietrich machte aber auch deutlich, dass die Region vor neuen Herausforderungen stehe. Zuschüsse in der Wirtschaftsförderung werde es in diesem Umfang wohl ab 2021 nicht mehr geben. Grenzüberschreitende Mittel könnten eine neue, wesentliche Rolle spielen. Zudem müsse man im Auge behalten, dass die mit der Kewog vereinbarte Nutzungsbindung für das Gründerzentrum Ende des Jahres 2022 auslaufe.

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