"Boys Day": Drei Burschen versuchen sich in Trabitz als Kindergärtner - Verhaltenes Echo auf ...
Auch Buben können das

Frauen in "Männermetiers" von der Mechanikerin bis zur Unternehmenschefin werden immer selbstverständlicher. Demgegenüber ist das Männerinteresse an manchen traditionellen "Frauenberufen" wie Erzieher noch zurückhaltend. Für Andreas Hierold, Raphael Herold und Brandon Hicks (vorn von links) wäre eine solche Arbeit aber nicht unvorstellbar. Dies freut die Trabitzer Kindergartenleiterin Johanna Sulzbacher (rechts). Bild: bjp
Lokales
Trabitz
29.04.2013
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Die traditionellen Geschlechterklischees in der Berufswelt verblassen. Und so soll es auch sein: Allein Neigung, Wissen und Können sollen über den Platz entscheiden, an dem man(n) - oder Frau - sich bestmöglich in Wirtschaft und Gesellschaft einbringt. Mit den "Zukunftstag"-Aktionen "Boys Day" und "Girls Day" versucht das Bundesfamilienministerium im Schulterschluss mit weiteren Institutionen und Verbänden, dem Bewusstseinswandel Vorschub zu leisten.

Auch Johanna Sulzbacher, Leiterin des Trabitzer Kindergartens, ist diesem Anliegen aufgeschlossen. Junge Männer, die sich zu Kindergärtnern ausbilden lassen und damit in eine bisherige Frauendomäne vordringen: Darin sähe sie einen Beitrag, die Erziehung an Kindertagesstätten ausgewogener zu gestalten. "Männer und Frauen ergänzen einander auch durch gewisse Unterschiede in ihrem Wesen, und wenn beide Elemente in die Erziehung einfließen, ist das nur gut für die Kinder", ist die erfahrene Pädagogin überzeugt.

Alltag eines Erziehers

Entsprechend herzlich hieß das Trabitzer Kindergartenteam drei Jungs am Donnerstag willkommen. Die Schüler lernten einen Tag lang den Alltag eines Erziehers kennen. Die drei Burschen hatten an ihren Schulen von der Aktion erfahren: der 13-jährige Brandon Hicks aus Trabitz an der Eschenbacher Wirtschaftsschule, der 15-jährige Raphael Herold aus Kemnath und der 14-jährige Andreas Hierold aus Burkhardsreuth an der Kemnather Realschule.
Auf der Internetseite www.boys-day.de informierten sie sich über die Details der Aktion "Boys Day - Jungen-Zukunftstag". 28 Einrichtungen, vorwiegend Kindergärten, Kinderkrippen und Seniorenheime, boten in den Kreisen Neustadt und Tirschenreuth 113 Schnuppertagsplätze an. Eine davon war der katholische Kindergarten in Trabitz, der den Einblick in einen "strukturierten, geplanten und abwechslungsreichen Arbeitstag eines Kindergartenpädagogen" versprach. Das weckte die Neugier der drei Jungen. Abwechslungsreich und spannend: So lernten auch Andreas, Brandon und Raphael den Alltag unter den "Wichten" kennen und fanden durchaus Gefallen daran. Ob ihr Berufsweg sie tatsächlich in eine Kindertagesstätte führen wird? Gewiss ist es noch zu früh, dies zu prophezeien. Mit Vollblut-Erzieherin Johanna Sulzbacher hatte das Trio eine begeisternde "Propagandistin": "Es ist ein Beruf, in dem man nie arbeitslos wird und durch den ständigen Umgang mit sich entwickelnden jungen Menschen selbst jung bleibt. Das ergibt sich auch daraus, dass man nie in eine 'Fließbandarbeit' verfallen kann." Wie sinnvoll die "Boys Day"-Aktion als Denkanstoß ist, zeigt der eher verhaltene Widerhall an den Schulen der Buben.

"Eher mäßiger Verdienst"

"Bei uns hat sich sonst kaum jemand für die Angebote interessiert", erzählte Andreas Hierold. Nachwirken tradierter Männerbilder? Angst, uncool zu wirken, wenn man(n) sich für "so etwas" interessiert? Kindergartenleiterin Johann Sulzbacher vermutet einen anderen Grund: "Was wohl viele Burschen und Männer abschreckt, sind die eher mäßigen Verdienstaussichten." Wohl auch deshalb wird der Kindergärtner einstweilen noch die Ausnahme bleiben.
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