14.08.2014 - 00:00 Uhr
TrabitzOberpfalz

Märchen mit Hintersinn: Ensemble Papacek spielt in Trabitz vor vollem Sportheimsaal für ... Tamagotchi ist tot, Kasperl lebt

Trotz Mangas, Nintendo und Harry Potter: Der Zauber von Kasperl, Großmutter und Wachtmeister Dimpflmoser ist ungebrochen. Dies zeigt die Lichtblicke-Tournee von Hermanns Kasperltheater. Mit dem Stück "Das Zauberpulver" verzauberten die Theisseiler im Sportheim 104 Besucher.

von Bernhard PiegsaProfil

Wie immer bot die kleine "Truppe" spannende Unterhaltung mit einem Schuss subtiler Pädagogik. Der gutmütige Zauberer Larifari hat ein Pulver zusammengemischt, das ihm Macht über jedes Lebewesen verleiht. An Menschen will er es allerdings nicht ausprobieren. Doch dann reißt sich Räuber Hotzenplotz die Mixtur unter den Nagel. Der listige Kasperl kann dank der Unterstützung der Kinde den fiesen Zauber brechen.

Figuren und Motive der Geschichte sind jedem vertraut, der seine Kindheit nicht vergessen hat. Gute Klassiker sterben nicht - Tamagotchi ist tot, doch Kasperl, Gretel, Räuber und Seppel leben. Und sie werden auch künftigen Kindergenerationen zeitlose Wahrheiten nahebringen: Dass der gutwilligste Erfinder nie vor dem Missbrauch seiner Ideen und Entwicklungen sicher ist; wie wichtig es ist, treue Freunde zu haben, und wie wohltuend, selbst Freund sein zu dürfen; und dass jedes Kind gut daran tut, nie mit Fremden mitzugehen, die ihm verlockende Dinge versprechen. Und ist das Pulver, das Macht über Menschen verleiht, die Staatsgewalt korrumpiert und den Sinn für Gut und Böse, Anständigkeit und Unredlichkeit zersetzt, wirklich nur ein belangloses Märchenmotiv?

Der Reiz der Aufführungen des kleinen Familienunternehmens, das zum zwölften Mal für die Aktion Lichtblicke durch die Nordoberpfalz tourt und in all den Jahren mehr als 33 000 Euro für in Not geratene Mitmenschen gesammelt hat, liegt darin, dass die Papaceks keine "globalisierte" Konfektionsware aufführen. Ihre selbst verfassten Stücke sind mit Lokalkolorit aufs Oberpfälzer Publikum zugeschnitten: angefangen bei der Stube von Kasperls Großmutter, wo das Kruzifix an der Wand hängt, über die Kasperlhausen-Kulisse mit Weidener Flair bis zum Auftritt des Räubers Franz Troglauer aus Mantel.

Die Trabitzer Kinder wussten es zu schätzen. Begeistert fieberten sie mit dem gutherzigen, mutig-naiven Kasperl mit, und mancher kleine Besucher ging geradezu ekstatisch aus sich heraus, um seinen Helden vor Unheil zu bewahren. So fand Kasperls Abenteuer ein gutes Ende. Natürlich vergaß Puppenbühnenchef Hermann Papacek nicht zu erwähnen, dass der Einfall zu der Zauberpulver-Story von dem dreizehnjährigen Florian Benkhardt aus Erbendorf stammt. Alles in allem bleibt die Erinnerung an einen vergnüglichen Nachmittag, über dessen Erlös von rund 250 Euro sich die Initiative Lichtblicke freuen wird.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.hermanns-kasperltheater.de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.