Planungssicherheit für Großprojekt

Was wird aus dem "Memory"? Antworten hierauf gaben Bürgermeisterin Carmen Pepiuk und Dr. Benjamin Zeitler vom Verein VEZ (LearningCampus) bei der Bürgerversammlung in Zessau. Bild: bjp
Politik
Trabitz
10.12.2016
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Viele Besucher und wenige Beschwerden: In vertrauten Bahnen verlief die Trabitzer Bürgerversammlung. Über 80 Zuhörer hatten sich im Zessauer Gemeinschaftshaus eingefunden, um die Bilanz von Bürgermeisterin Carmen Pepiuk zu hören und sich zu informieren, was die Gemeinde mit dem früheren Gasthaus "Memory" vorhat.

/Zessau. Besonders freute sich Pepiuk, dass für das Hauptgebäude des früheren kloster-speins-hartischen "Meierhofs" eine langfristige Nutzungsperspektive erschlossen werden konnte: Der in der Gemeinde ansässige jugendpädagogische Verein VEZ will es für eine "stationäre Jugendhilfeeinrichtung" nutzen. Bekannt ist der von Stephan Müller aus Zessau geleitete Verein vor allem für seine seit zwölf Jahren angebotenen "Learning Campus"-Ferienprogramme. Jedoch reicht das Tätigkeitsspektrum der als "freier Träger der Jugendhilfe" anerkannten Organisation mit 63 Mitarbeitern weit darüber hinaus.

Gemeinsamer Nenner

In einem kurzen Referat stellte Co-Geschäftsführer Dr. Benjamin Zeitler die Arbeit des "Verein für Erlebnispädagogik und zukunftsorientierte Jugend- und Sozialarbeit" vor, die sich auch auf die Jugendhilfe, die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge, auf Ganztagsschulangebote, Klassenfahrten, Natur-, Umwelt- und Museumspädagogik erstreckt. Ein eigenes Ausbildungsinstitut schule insbesondere pädagogische Fachkräfte für Inklusion. "Wir wollen Jugendliche voranbringen und begleiten, damit sie einen guten Weg ins Leben finden, und wir freuen uns, wenn wir das im Verbund mit der Gemeinde Trabitz tun können", unterstrich Zeitler.

Auch Pepiuk lobte das Einvernehmen zwischen Verein und Kommune: "Wir haben in den vergangenen beiden Jahren viele Gespräche geführt und alsbald einen gemeinsamen Nenner in puncto Meierhof-Nutzung gefunden." Besonderen Wert legten Pepiuk, Zeitler und Ortsplaner Klaus Stiefler darauf, dass der Verein keine "Exklusivnutzung" für das "Memory" anstrebe. Auch nach der Sanierung solle das gemeindeeigene Gebäude für andere Zwecke wie Vereinsveranstaltungen oder Erwachsenenbildungskurse offenstehen.

Das Konzept des Bayreuther Architekturbüros Resch, Stiefler & Partner (RSP) für eine überlappende Zweiteilung sieht vor, dass der bahnhofsseitige Westflügel der Gemeinde als Seminar- und Multifunktionsraum zur Verfügung stehen wird, die ihn ihrerseits für andere Nutzer öffnen kann. Dem Jugendhilfeverein blieben die frühere Discothek im Ostflügel als Gemeinschafts- und Aktionsraum, die einstige Gaststube im Mittelbau als Jugendhilfebüro und das Obergeschoss vorbehalten, wo neun Appartements und ein Gemeinschaftsraum für betreute Jugendliche sowie eine Betreuerwohnung Platz fänden.

Abbruch des WC-Trakts

Die an der Vorderseite des Mitteltrakts einzurichtenden Toiletten und die Küche im bisherigen Nebenraum der Gaststube stünden tagsüber den Büromitarbeitern des VEZ zur Verfügung, abends und am Wochenende könnten sie bei Veranstaltungen im Seminarraum genutzt werden. Die auffallendste äußerliche Änderung wird laut Stiefler im Abbruch des erst im 20. Jahrhundert angebauten rückseitigen WC-Trakts bestehen, um das Erscheinungsbild möglichst nahe an den ursprünglichen Zustand heranzuführen. Dies sei auch ein Wunsch der Denkmalschutzbehörde gewesen. Vorder- wie rückseitig würden separate Eingänge für Seminar- und VEZ-Trakt geschaffen.

Zufrieden über großzügige Zuschüsse und Rückbesinnung auf UrzustandUnd die Kosten? Auf 3,26 Millionen Euro veranschlagte Bürgermeisterin Carmen Pepiuk den Gesamtaufwand für die Sanierung, die sich über die Jahre 2017 und 2018 erstrecken wird - ein Betrag, der aufhorchen ließ. Jedoch könne die Gemeinde nicht nur mit Städtebaufördergeldern von 1,2 Millionen Euro (60 Prozent der förderfähigen Ausgaben) rechnen, sondern auch mit Zuschüssen eines Denkmalschutzfonds (500 000), der Bayerischen Landesstiftung (250 000) und des Bezirks (40 000). Mithin verblieben rund 1,2 Millionen Euro als Eigenanteil.

"Auf diesen Betrag konnte sich die Gemeinde nur einlassen, weil sie mit dem VEZ auf lange Sicht einen verlässlichen Mieter gefunden hat, mit dem wir im guten Verhältnis stehen", betonte Pepiuk. Zugleich sei damit die beste denkbare Lösung gefunden: "Die Alternativen hätten gelautet: entweder auf einen fremden Investor als Käufer hoffen, der schwer zu finden gewesen wäre und mehr oder weniger nach Belieben mit dem Areal verfahren würde, oder die Gebäude verfallen lassen." Beginnen sollen die Bauarbeiten im Frühjahr oder Frühsommer 2017.

Überraschende Erkenntnisse habe die baugeschichtliche Untersuchung des "Memory" gebracht, wusste Architekt Klaus Stiefler. So habe sich erwiesen, dass die beiden Flügeltrakte ursprünglich separate Gebäude gewesen seien. Erst der von 1762 bis 1764, nach dem Erwerb der Hofreite durch das Kloster Speinshart, errichtete Mittelbau habe eine Verbindung zwischen ihnen geschaffen. Weil sich die ursprünglichen Eingänge an der Gebäuderückseite befunden hätten, wolle man auch jetzt wieder rückseitige Türen schaffen, um sich möglichst eng an die historischen Bauverhältnisse anzulehnen, merkte Stiefler an. Laut einer Arbeit des Geschichtsforschers Josef Scheidler lässt sich die Existenz des "Ökonomieguts" bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. (bjp)
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