06.10.2017 - 19:30 Uhr
TrabitzSport

Die SpVgg Trabitz hat sechs Flüchtlinge in die Mannschaft integriert Integration am Ball

Merhawi legt sich den Ball vor und geht locker an zwei Gegenspielern vorbei. Der Eritreer ist fester Bestandteil der SpVgg Trabitz. Mit ihm spielen fünf weitere Flüchtlinge für den A-Klassisten. Eine Win-Win-Situation.

Ali, Merhawi und Abdelmelik (von rechts) versuchen im Training einen Pass zu unterbinden. Bild: plsm (2)
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

"Ohne die Jungs hätten wir keine Mannschaft mehr", erklärt ein Trainingszuschauer. "Sie sind immer da, egal ob zum Training oder zum Spiel", sagt der ältere Trabitzer, während er an seinem Bier nippt und auf dem Fernseher ein Spiel verfolgt. Er meint die jungen Flüchtlinge, die bei der SpVgg und im Ort Fuß gefasst haben. Ali Sena Faqiri, Ali Mujtaba Faqiri, Abdulkareem Ahmed, Abdemelik Jemal, Nesredin Mohamed und Merhawi Teklemariam, alle zwischen 17 und 19 Jahre alt, sind in den vergangenen beiden Jahren nach Deutschland gekommen. Sie stammen aus Eritrea, Afghanistan und Somalia.

Auch Trainer Stefan Baier ist ehrlich: "Sie schießen fast alle Tore." Nesredin erzielte in zehn Spielen sieben Tore, Merhawi traf in neun Spielen elfmal und lieferte drei Vorlagen. Damit steht er mit dem ehemaligen Regionalligaspieler Florian Schrepel vom VfB Weiden an der Spitze der Torjägerliste. Abdelmelik steht in fünf Spielen bei drei Toren. Von den 24 Toren der Mannschaft gehen nur drei auf das Konto von Deutschen.

Dass sich die Mannschaft nicht nur spielerisch, sondern auch sprachlich versteht, zeigt das Training, eine Sprachbarriere gibt es kaum noch. Baier macht alle Ansagen auf Deutsch. "Sie gehen alle hier zur Schule." In Grafenwöhr und in Trabitz haben sie Sprachkurse bekommen. "Für uns ist Fußball schon wichtig, weil wir dadurch mit den Deutschen in Kontakt kommen", erklärt Ali Sena. "Wir sprechen sogar ein bisschen Bayerisch", sagt Nesredin grinsend.

Nesredin und Merhawi spielten bereits in ihrer Heimat zusammen in der Schulauswahl, entsprechend gut sind sie aufeinander abgestimmt. Doch auch das Zusammenspiel mit den restlichen Mannschaftskollegen ist kein Problem. "In der Fairplay-Tabelle stehen wir zwar ganz unten, das liegt aber eher an den Deutschen. Wenn überhaupt, dann ist Pünktlichkeit vielleicht nicht ihre Stärke", sagt Deubzer und schmunzelt.

Nicht alle dürfen arbeiten

Die Sechs wohnen in Trabitz nahe des Sportplatzes und wegen ihrer Fußballbegeisterung war es klar, dass sie dort schnell gegen den Ball treten würden. "Anfangs haben sie sich privat zum Kicken getroffen oder sind Runden gelaufen. Dann haben wir gesagt, dass sie ins Training kommen sollen", erzählt Deubzer. Das hat sich ausgezahlt für die SpVgg und für die sechs Flüchtlinge. Eine gute Ablenkung und Beschäftigung für die Jugendlichen. Denn nicht alle dürfen hier arbeiten. Die beiden Afghanen fürchten um ihre Aufenthaltsgenehmigung. Im Moment läuft bei einem ein Verfahren, bei dem entschieden werden soll, ob er bleiben darf. "Eine belastende Situation für ihn. Dass haben wir in der Mannschaft auch mitbekommen, dass ihn das mitnimmt", so Deubzer.

Probleme bei der Meldung

Der Verein kümmert sich um die Flüchtlinge. Zwei von ihnen spielten bis zur letzten Saison noch in der U19 bei der SG Tremmersdorf/Trabitz/Neustadt am Kulm. Die Fahrt nach Tremmersdorf organisierten die Vereine. Der Mitgliedsbeitrag wird zu einem großen Teil aus Spenden bezahlt. Zu Beginn wurden auch die Fußballschuhe und Schienbeinschoner gestellt. Schwierig war auch die Beantragung der Pässe.

"Da haben wir beim ersten Mal etwa zwei Monate gebraucht, um alle Unterlagen zu sammeln. Inzwischen sind wir vorbereitet", erzählt der stellvertretende Vorsitzende. Bei Minderjährigen muss immer der Vormund zustimmen und der wird bei unbegleiteten Minderjährigen vom Gericht ernannt. Seit 2015 sind die Jugendlichen nun in Trabitz. "Anfangs waren manche schon skeptisch, aber das hat sich schnell gelegt. Immer wenn sie auf dem Platz sind, bringen sie Spaß mit. Auch bei Vereinsfesten haben sie mitgeholfen und gefeiert", so Deubzer. Die Schule besuchen und irgendwann arbeiten ist ihr Ziel und das ist notwendig, denn sie können nicht ewig in der Wohngemeinschaft in Trabitz leben. "Wir sind schon stolz, dass die Integration so gut geklappt hat. Dass sie gute Fußballer sind, war ein Glücksfall für uns", lautet das Fazit der Trainings-Beobachter.

In der Fairplay-Tabelle stehen wir zwar ganz unten, das liegt aber eher an den Deutschen.Zweiter Vorsitzender Simon Deubzer

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