28.02.2018 - 14:14 Uhr
Trabitz

"Grüne Gemütlichkeit" Informationsabend über geplantes Nahwärmenetz für Trabitzer

Unverbindliche Datenerhebung

Für Mittwoch, 21. März, um 19 Uhr lädt die Gemeinde Trabitz die Ortsbürger zum nächsten Infoabend ins Sportheim ein, an dem erste Planungs-, Kosten- und Preisdaten präsentiert werden sollen. Die hierfür nötigen Daten sollen die Erhebungsbögen liefern, die dieser Tage an die Einwohner der Ortschaft Trabitz versandt worden sind. Diese sind aufgerufen, die ausgefüllten Bögen bis 7. März bei der Gemeinde abzugeben.

"Aus dem Rücklauf ersehen wir, wie viele Bürger sich einen Anschluss vorstellen könnten, aber mit der Abgabe des Datenbogens geht niemand irgendeine Verpflichtung ein", unterstrich Pepiuk bei der ersten Nahwärmenetz-Informationsversammlung. Max Riedl vom Genossenschaftsverband präzisierte, dass die Fragebogenaktion mit einer "Machbarkeitsstudie" vergleichbar sei.

Irgendwann werde man allerdings aus kapazitäts- und finanzplanerischen Gründen einen Zeitpunkt festsetzen müssen, bis zu dem sich die Bürger für oder gegen einen Anschluss entscheiden müssten: "Dann wird gelten: jetzt oder nie", meinte Florian Schroll von der Firma "Enerpipe". Lediglich für unbebaute Grundstücke werde man Sonderlösungen finden. Laut Max Riedl kann die Blankenmühler Biogasanlage "locker 100 Häuser" mit Heizwärme versorgen. Thema des nächsten Infoabends werde auch die Gründung eines Bürger-Arbeitskreises sein, der über Planungs- und Informationsfragen mitentscheide. (bjp)

Was eine warme Stube wert ist, weiß gerade in diesen Wochen jeder zu würdigen. Über ein Nahwärmenetz, das von der Biogasanlage in Blankenmühle gespeist werden soll, will die Gemeinde Trabitz allen interessierten Einwohnern des Hauptorts - womöglich schon in einem Jahr - "grüne Gemütlichkeit" aus erneuerbarer Energie ins Haus liefern lassen. Bei einem Infoabend waren Bürgermeisterin Carmen Pepiuk und mehrere Fachleute Feuer und Flamme, um die rund 90 Besucher für das Projekt zu erwärmen. "In Blankenmühle stehen 2,5 bis 3,5 Gigawatt Wärmeenergie pro Jahr zur Verfügung", wusste Pepiuk. Als Kooperationspartner käme die auf Energieerzeugung aus "erneuerbaren" Quellen spezialisierte Genossenschaft "Neue Energien West" (NEW) in Frage, die Vorsitzender Helmuth Wächter vorstellte.

75 Prozent des Energieverbrauchs eines Durchschnittshaushalts entfallen auf Heizwärme, weitere zwölf Prozent auf Warmwasser: Grund genug, hierfür umweltverträgliche Energiequellen einzusetzen, meinen Florian Schroll (Enerpipe GmbH), Bürgermeisterin Carmen Pepiuk und Max Riedl (Genossenschaftsverband Bayern). Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

Seit der Gründung 2009, so der frühere Grafenwöhrer Bürgermeister, habe sich die NEW zur größten Energiegenossenschaft Bayerns entwickelt: "Unser Ziel ist, bis 2030 die Energiewende zu schaffen und die Abhängigkeit der Region von fossilen Energieträgern zu beenden."

Derzeit werde die NEW von 17 Nordoberpfälzer Städten und Gemeinden sowie den Stadtwerken in Floß und Grafenwöhr getragen, außerdem könnten die Bürger das Projekt unterstützen, indem sie der "Bürger-Energiegenossenschaft West" als "finanzierende Genossenschaft" beiträten: "Ein Geschäftsanteil kostet 500 Euro, zurzeit hat die Bürgergenossenschaft gut 1400 Mitglieder, die heuer mit 2,25 Prozent Rendite rechnen und Dienstleistungen wie Energieberatung und Energieausweis-Erstellung für Gebäude nutzen können." Das Kapital dieser Genossenschaften werde in der Region investiert, betonte Wächter.

Abgesprochen sei bereits eine Kooperation zwischen NEW und Gemeinde bei der Netzplanung, darüber hinaus könne man bei Bau und Betrieb zusammenarbeiten: "Wir stehen in den Startlöchern und sind bereit, mitzumachen, wenn Interesse besteht."

Max Riedl, Fachberater für Energiegenossenschaften beim Genossenschaftsverband Bayern, ging auf die Besonderheiten der genossenschaftliche Organisation ein und legte dar, dass das Nahwärmenetz sowohl im Zusammenwirken mit den Genossenschaften NEW und "Bürgerenergie" als auch von einer eigenständigen lokalen Energiegenossenschaft betrieben werden könne.

In Bayern gebe es derzeit 74 Wärmeversorgungsgenossenschaften, die genossenschaftliche Organisationsform als "demokratisches Urkonstrukt" zeichne sich durch mitgliederorientierte und transparente Arbeit mit demokratischen Zügen aus. Der Genossenschaftsverband als Prüfungsinstanz stelle eine seriöse Arbeit sicher. Nachdrücklich wies Riedl auf die derzeit großzügigen Förderprogramme für den Wärmenetzbau als Beitrag zur Energiewende hin: "Wie auf dem Hamburger Fischmarkt laufen Ihnen die Förderer hinterher." Entsprechend gut seien die Voraussetzungen für einen von Anfang an günstigen Wärmepreis.

Die technische Seite einer lokalen Nahwärmeversorgung erläuterte Florian Schroll von der Hilpoltsteiner "Enerpipe GmbH", einem Hersteller von Nahwärmeanlagen-Komponenten: "Unser Ziel ist, Nahwärmenetze stimmig zu gestalten." In die Umsetzung solcher Projekte binde man regionale Tief- und Heizungsbauer ein, die später als Ansprechpartner vor Ort das Wärmenetz betreuten.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.