03.08.2017 - 19:48 Uhr
TrabitzOberpfalz

Nach Raserei auf B470 aufwendige Ermittlungen Tesla-Fahrer in Haft

Schon der Vorwurf ist nicht alltäglich: Ein Mann soll mit einem noblen Elektroauto auf einen Polizisten zugerast sein. Nun melden die Ermittler: Sie haben einen Verdächtigen. Er sitzt demnach schon länger in U-Haft - eher eine Seltenheit bei Verkehrsdelikten. Ungewöhnlich ist auch die Rekonstruktion der Tat.

von Franz Kurz Kontakt Profil

Weiden/Trabitz. Alles Routine. Eigentlich. Eine normale Verkehrskontrolle sollte es laut Polizei werden am 21. Juni, einem Mittwoch, auf der B 470 zwischen Pressath und Eschenbach. Ein Polizist der Inspektion Eschenbach will gegen 21.10 Uhr gerade ein Auto herauswinken, hinter dem noch zwei weitere unterwegs sind, als es hochgefährlich wird: Das mittlere der drei Autos - ein graues Model S des Luxus-Elektrowagenbauers Tesla - schert plötzlich aus und hält auf den Polizisten zu. Nur mit einem Sprung zur Seite kann sich der Beamte retten. Als er sich berappelt hat, versuchen er und sein Kollege noch, dem Tesla in Richtung Pegnitz zu folgen. Doch die Nobelkarosse mit Tirschenreuther Kennzeichen ist rasch außer Sicht. Eine Standardkontrolle mit zwei Beamten ist nunmal nicht in der Lage, sofort ein flüchtiges Fahrzeug zu verfolgen. Noch dazu einen E-Sportwagen, der wie irre beschleunigen kann.

Dafür kann die Polizei ermitteln. Nun ist sie überzeugt, den Fahrer geschnappt zu haben, wie Kripo und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in einer Pressemitteilung erklären. Und: Sie unternehmen offenbar eine Menge, um den Fall detailliert zu klären.

Ermittlung besonderer Art

Zu diesem Zweck sperrten sie diesen Mittwochabend noch einmal den Tatort an der B 470. Statisten, Gutachter, Ermittler - knapp 30 Personen waren von 18.30 bis 21.30 Uhr vor Ort, um die Tat nachzustellen. Selbst die Originalfahrzeuge von damals waren herangekarrt worden, wie Sprecher Dietmar Winterberg vom Polizeipräsidium berichtet. "Im Prinzip war das eine Zeugenvernehmung", sagt er. Aber eine "der besonderen Art" - alltäglich sei so etwas bei Verkehrsdelikten nicht. Aber es gehe hier nunmal um einen schweren Vorwurf. Weshalb die Kripo auch weiter Insassen von Fahrzeugen sucht, die mit dem Tesla zur Kontrollstelle fuhren oder dort schon gehalten hatten (0961/401291).

Vorsatz bestritten

Mit vor Ort bei der Tatrekonstruktion am Mittwoch war auch der Verteidiger eines Verdächtigen. Es handelt sich um einen 52-Jährigen aus dem Verbreitungsgebiet, der eine Woche nach dem Vorfall festgenommen worden war. Die Kripo hatte das Auto zwar sehr schnell ermittelt - so viele Tesla sind in der Region ja auch nicht zugelassen. Aber es dauerte noch etwas, bis sie sich auch sicher war, wer zum Tatzeitpunkt hinterm Steuer gesessen war. Der Mann sitzt seither in Untersuchungshaft. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr, mehr könne er noch nicht sagen, erklärt Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Im Haftbefehl wird dem Mann ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen, worauf bis zu zehn Jahre stehen. Dieser Vorwurf wäre noch - vergleichsweise - harmlos. Denn auch ein versuchtes Tötungsdelikt ist damit noch nicht ganz vom Tisch, wobei dafür ein Vorsatz belegbar sein müsste. Genau hier widerspricht der Mann aber. Er räumt zwar ein, den Tesla gelenkt zu haben, "er bestreitet aber vorsätzliches Handeln", so Schäfer.

Auch die Staatsanwaltschaft will sich nicht genauer über ein mögliches Motiv für die gefährliche Fahrt äußern. Nur so viel: Dass der Mann zum Beispiel Drogen dabei hatte und deshalb unbedingt die Kontrolle vermeiden wollte, dafür gebe es keine Anhaltspunkte. In jedem Fall wäre ein vorsätzliches Handeln hier eine doppelte Dummheit gewesen. Denn der Polizist, der sich mit einem Sprung retten musste, hatte den Tesla gar nicht kontrollieren wollen.

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