08.09.2017 - 20:00 Uhr
TrabitzOberpfalz

Schlagzeile für "parteifreies" Parlamentsmandat Konrad Dippel im ZDF

Die Nordoberpfalz zählt eher zu den Stiefkindern der bundesweiten Medien-Flaggschiffe. Doch was sonst allenfalls ein Phantomkrokodil erreichte, schafft in diesem Jahr ein Holzkaufmann aus Pressath: Mit seiner Kandidatur um ein "parteifreies" Parlamentsmandat wird Konrad Dippel zu einer Schlagzeile im ZDF verhelfen.

Als aussichtsreichster Einzelkandidat der Bundestagswahl 2017 weckt Konrad Dippel (rechts) auch die Aufmerksamkeit des ZDF. Norbert Watzel (links) widmet dem Individualisten einen Beitrag fürs "Drehscheibe Deutschland"-Magazin, der in der kommenden Woche ausgestrahlt werden soll. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

Trabitz/Pressath. Zwei Stunden widmeten Norbert Watzl von der Abenberger Medienproduktionsfirma "Intermedia" und ein Kamerateam am Mittwochnachmittag dem politischen "David", der seit 2005 bereits dreimal mit dem drittbesten Erststimmenergebnis im Wahlkreis Weiden Aufsehen erregte. Für einen Beitrag im ZDF-Mittagsmagazin "Drehscheibe Deutschland" filmten sie Dippel bei der Vorbereitung und Aufstellung von Wahlplakaten, befragten ihn nach seinen Motiven und Zielen und sammelten beim Pressather Einkaufszentrum "Originaltöne" von Passanten, die deutlich machten: Man kennt Konrad Dippel - und viele Menschen sind von seiner Beherztheit angetan, als Einzelkämpfer gegen den politischen Mainstream-Strich der Partei-Platzhirsche zu bürsten.

Dies sowie die Souveränität und Leidenschaft, mit der Dippel über seine Beweggründe und Hoffnungen sprach, ließ auch Norbert Watzl nicht unbeeindruckt. "Am Wahltag will er kontinuierlich verfolgen, welche Ergebnisse sich im Wahlkreis Weiden abzeichnen - und er hält alles für möglich", verriet Dippel bei seiner ersten Wahlveranstaltung am Mittwochabend in der Gaststube des Trabitzer Sportheims. In gut einstündiger, temperamentvoller freier Rede vor fast vollem Haus entwickelte der überzeugte Wahl-Trabitzer seine Vision, als parteifreier Abgeordneter aufrüttelnd, aufklärend und aufbauend wirken zu können.

Der rote Faden seiner mit historischen, sozial-, wirtschafts- und außenpolitischen Fakten und Daten gespickten Ausführungen war dabei, die Menschen aus der Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit zu reißen, um ihre Leidenschaft für politische und soziale Verantwortung anzufachen. Auch hoffe er, als Bahnbrecher wirken zu können: "Wenn einer es diesmal schafft, schaffen es 2021 noch mehr, und vielleicht haben wir sogar einen Bundestag mit zehn oder fünfzehn Prozent Unabhängigen, die mit ihrer Parteiungebundenheit und praktischen Berufs- und Lebenserfahrung einen neuen Akzent in einem bisher stark lobbyisierten und akademisiert-verkopften Fraktionenparlament setzen könnten."

Das "Denken in Parteien", sagt Dippel, bestimme bislang nicht nur den politischen Prozess bis hin zu Formalien wie der Gestaltung der Wahlzettel, auf denen parteilose Direktkandidaten selbst bei früheren hohen Stimmenzahlen "ganz unten" platziert würden. Auch das Politikverständnis vieler Bürger sei davon geprägt. Einem parteifreien Einzelbewerber werde gern seine vermeintliche Chancenlosigkeit vorgehalten: ",Dippel, du hast keine Chance' - diesen Satz bekomme ich durchaus zu hören. Aber auf den Wahlzetteln finden sich auch viele Erststimmenkandidaten kleinerer Parteien, die erst recht keine Aussicht auf das Wahlkreismandat haben. Doch ihnen hält man diese Chancenlosigkeit nicht vor." Mutlos machen lasse er sich dennoch nicht, zumal die mehr denn je lebhaften Reaktionen von Bürgern und politischen Konkurrenten auf seine Kandidatur und die Aufmerksamkeit der Medien bis hinauf zum ZDF zeigten, dass ein Unabhängiger wie er in mehrfacher Hinsicht "einen Nerv treffe", und zwar auch bei den "etablierten" politischen Kräften.

Der genaue Ausstrahlungstermin im ZDF steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig bekanntgegeben.

Hintergrund

Einzelkandidaten habe es in der Bundesrepublik immer gegeben, doch viele bekundeten leider nur Opposition gegen einzelne als Missstände empfundene Aspekte der Politik, bedauerte der parteilose Bundestagskandidat Konrad Dippel in seiner Trabitzer Wahlversammlung. Jedoch komme es darauf an, deutlich zu machen, dass man positive Denkanstöße in alle Politikfelder einbringen wolle. Ein erster derartiger Denkanstoß bestehe schon darin, durch eine individuelle Kandidatur das Gewicht der oft unterschätzten Erststimme neu ins Bewusstsein zu bringen: "Sie ist eine Personenstimme, die die parteipolitisch geprägten Strukturen in Richtung auf eine ausgereifte Demokratie aufzubrechen vermag. Denn jeder kann sich als parteiungebundener Wahlkreiskandidat aufstellen lassen, sofern er mindestens 200 Unterstützungsunterschriften nachweist." Parteifreie Einzelkandidaten und die für sie abgegebenen Stimmen passten besser denn je in Zeit und Gesellschaft, gab Dippel zu bedenken: "Wir leben in einem Zeitalter der Individualität - warum sollten wir nicht entsprechend wählen?" (bjp)

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